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Havelland Unterricht mit Holz, Tinte und Birnen
Lokales Havelland Unterricht mit Holz, Tinte und Birnen
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07:48 14.06.2018
Solche hölzernen Lineale gehörten einst zum Werkzeug jedes Schülers. Der Besuch des Museums weckt beim Betrachter viele Erinnerungen. Quelle: Tobias Wagner
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Ribbeck

Bekannt wurde Ribbeck durch das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane, das an Hans Georg von Ribbeck erinnert. In dem Gedicht verschenkt von Ribbeck Birnen des Baumes in seinem Garten an vorbeikommende Kinder. Die Ballade fand Eingang in den Schulunterricht und gehört somit zu den bekanntesten Gedichten Deutschlands.

Mit verschiedenen Unterrichtsmitteln und interessanten Exponaten ist in dem früheren Schulgebäude im havelländischen Ribbeck eine informative Ausstellung gestaltet worden.

Im Zentrum von Ribbeck, nahe der Kirche, in der sich heute der Originalstumpf des im Gedicht beschriebenen Birnbaumes befindet, liegt die frühere Schule des Ortes. Diese wurde 1841 von Herrn von Ribbeck erbaut. Hier lernten Generationen von Kindern das Schreiben, Lesen und Rechnen, bevor die Schule 1968 in einen Konsum umgewandelt wurde.

Seit 2005 beherbergt das Gebäude wieder ein historisches Klassenzimmer. „Unser Ziel ist es, soviel wie möglich über die Schulgeschichte Ribbecks zu sammeln und zu präsentieren“, sagt Axel Koziol (62), Vorsitzender des Kinder- und Jugendfördervereins (VIF) und Betreiber der ehemalige Schule.

Anschrift und Öffnungszeiten

Die Alte Schule findet man Am Birnbaum 3 in 14641 Nauen, Ortsteil Ribbeck.

Das Museum und das Café sind bis Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet (Oktober bis März von 10 bis 17 Uhr.

Der Eintritt ist frei.

Gruppenprogramme wie Ortsführung oder Schulstunden für Kindergruppen können unter vereinbart werden unter 033236/85458 oder per Email an foerderverein-vif@t-online.de

Weitere Informationen über die Ausstellung unter www.alteschule-ribbeck.de

„Allerdings sehen wir uns nicht als Museum, dieser Anspruch wäre zu hoch.“ Dabei hat sich im Laufe der Jahre eine Vielzahl an interessanten Stücken angesammelt, die nicht nur die schulgeschichtliche Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte verdeutlichen, sondern durchaus auch zum Schmunzeln und Nachdenken anregen.

Zuerst fallen die historischen Schulbänke ins Auge, von denen die älteste vor 150 Jahren hergestellt wurde. Trotz des Gewichts tausender Kinder im Laufe der Jahrzehnte ist den Bänken ihr Alter nicht anzusehen. Ganz im Gegenteil. Kleine Details wie Schiefertafeln, Tintenfässer, und Schulranzen vermitteln gar den Eindruck, die Unterrichtsklasse sei momentan nur schnell raus zur Hofpause.

Großer Fundus an historischen Schulbüchern

Ebenfalls bemerkenswert ist der große Fundus an historischen Schulbüchern. Die Bücher, die einen zeitlichen Rahmen von 1860 bis 1960 spannen, verdeutlichen nicht nur einen Wandel in den Lehrmethoden, sondern sind auch Spiegel ihrer Zeit. So wurde beispielsweise den Schülern im NS-Regime die Mathematik mit Aufgaben zur Berechnung von Panzerzahlen beigebracht.

Ein weiteres beeindruckendes Zeugnis dieser Zeit ist das Musikarbeitsheft des Schülers Egbert, der im März 1945 acht Jahre alt war, und die letzten Kriegstage in Lehnin zeichnerisch auf seinen Notenblättern festhielt. Anhand der Zeichnungen können so Truppenbewegungen der Wehrmacht und der Roten Armee genau nachvollzogen werden. Bedrückend dagegen die Bilder der Kampfhandlungen um den Ort mit dem bekannten Kloster. Egbert überlebte den Krieg und seine Bilder wandelten sich fortan vom tristen Bleistiftgrau der Naziherrschaft zum fröhlichen Bunt des Friedens.

Veränderung der Schreibschrift

Spannend ist auch die Veränderung der Schreibschrift der Schüler. Während sich die Entwicklung der heute allgemein gebräuchlichen lateinische Schreibschrift Jahrhunderte zurück verfolgen lässt, unterrichtete man bis in die 40-er Jahre des 20. Jahrhunderts die deutsche Schreib- und Druckschrift. Die Entscheidung gegen das Lehren der alten deutschen Druck- (Fraktur-) und Schreibschriften fiel erst 1941. Seither gilt für Druck und Schrift die lateinische „Normalschrift“.

Schülergruppen können sich bei ihrem Besuch gerne an diesen Schriftarten ausprobieren. Ein Vordruck hilft dann bei der Schreibung des eigenen Namens in der Sütterlin-Schreibschrift. Zudem können Vorschulgruppen und Schulklassen in einer Schulstunde nicht nur alles zur Geschichte der ehemaligen Schule erfahren, sondern natürlich auch zur Geschichte um den Birnbaum und zu Herrn Fontane.

Dem Lehrer fest ins Auge schauen

Die Schüler üben, „dem Lehrer fest ins Auge zu schauen“, machen Schreibübungen mit Griffel und Feder und bekommen zum Abschluss des Besuchs sogar ein Zeugnis überreicht. Dieses ist historischen Zeugnissen nachempfunden. „Allerdings werden die jungen Gäste heute nicht mehr ganz so streng bewertet“, ergänzt Koziol und schmunzelt.

Besuchergruppen, die sich angemeldet haben, führt Koziol auch durch das Dorf. Die Führung „Wahre und gehörte Geschichten“ behandelt alle wichtigen Gebäude im Ortskern Ribbecks und vermittelt Interessantes und Skurriles aus der Geschichte der Gemeinde.

Entspannter Ausklang

Nach der Führung ist dann ein entspannter Ausklang des Besuches im hauseigenen Café bei Kaffee, Kuchen und weiteren Speisen möglich. Neben Spenden dienen diese Einnahmen dem Betrieb der Alten Schule.

Vor allem viele ehemalige Schüler besuchen das liebevoll gepflegte und eingerichtete Gebäude. Das sei wichtig für Koziol. „Denn somit hat die Funktion der Rückgabe der Alten Schule an den Ort geklappt“, schließt er stolz ab.

Von Tobias Wagner

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