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Havelland Vereine sorgen für kreatives Dorfleben
Lokales Havelland Vereine sorgen für kreatives Dorfleben
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10:49 15.12.2016
Aufbau des Orgelgehäuses in der Dorfkirche: Andreas Flender (links) vom Kirchenförderverein mit den Orgelbauern der Eberswalder Orgelbauwerkstatt, Harry Sander und Andreas Mähnert (rechts). Quelle: Tanja M. Marotzke
Pessin

„Als ich 2007 das erste Mal in der Kirche war, sah es dort aus wie 1945“, erinnert sich Sven Sengebusch-Kähne. Schwamm war im Mauerwerk, die Decke kam herunter. Eindringendes Wasser hatte über Jahre seine Spuren hinterlassen. Überall musste etwas getan werden. Der historische Bau – eine der ältesten Dorfkirchen im Havelland – ließ ihn fortan nicht mehr los. Mit weiteren Mitstreitern gründete er 2010 einen Förderverein zur Rettung der Dorfkirche, dessen Vorsitzender Andreas Flender ist.

„Was in den letzten sieben Jahren geschafft wurde, das ist schon bemerkenswert“, so Sengebuch-Kähne ein wenig stolz. Denn der Förderverein hat einen nicht geringen Anteil daran, dass die Sanierung dem Ende entgegen schreitet. Wo es nur möglich war, haben die Mitglieder Fördermittel organisiert oder Benefizkonzerte veranstaltet. Mittlerweile hat der Verein in Eisenach eine Orgel für Pessin aufgetrieben. Das Gehäuse wird derzeit aufgebaut, „jetzt brauchen wir noch Geld für die Sanierung der Pfeifen“, sagt Sengebusch-Kähne, der auch für den Online-Auftritt des Vereins zuständig ist. Und damit nicht genug: Die Kirche wird auch zum Besucherzentrum mit Café und kleinem Museum. Dazu wird eine Toilette im Turmbereich eingebaut.

Sven Sengebusch-Kähne kam der Liebe wegen 2003 nach Pessin – und auch, weil die Miete im Vergleich zu Potsdam erschwinglich ist, wie er sagt. Einer, der schon sein ganzes Leben in Pessin wohnt, ist hingegen Gerhard Ferchland. Und der 68-Jährige weiß auch warum: „Wir haben mehrere Vereine, hier ist immer was los.“ Dafür leistet auch er schon seit vielen Jahren selber seinen Beitrag. So steht Gerhard Ferchland wie kaum ein anderer für den Karneval im Dorf, ist mittlerweile der älteste im Verein mit seinen 94 Mitgliedern. 25 Jahre lang – bis 2008 – war er Präsident.

Hervorgegangen ist der Verein praktisch aus der Sportgemeinschaft Blau-Weiß. „Im Winter war immer nichts los. Da hieß es, warum machen wir nicht einfach mal Fasching“, erinnert Ferchland an die Ursprünge. Mit 20 Leuten ging es los. Eine Tanzgruppe sowie zwei, drei Büttenredner. Mittlerweile konnte der Club schon sein 50-jähriges Bestehen feiern, bestreitet seine 53. Saison. Auch Ferchlands ganze Familie macht mit. Der Sohn ist Elferratsmitglied, die Enkelin tanzt. „Es gibt hier viele lustige Leute und man muss schon die Gabe haben, sich selbst zu veralbern“, so Ferchland schmunzelnd. Die Zuschauerzahlen steigen auch wieder seit fünf Jahren. Besonders gefragt ist der Seniorenkarneval, „da kommen die Besucher mit Bussen aus Nauen, Wustermark oder Ketzin.“

Jährlicher Höhepunkt ist immer der Umzug mit 250 bis 300 Leuten durchs Dorf; gefeiert wird seit 1970 in der Gaststätte „Pessiner Luch“. Die hat erst in diesem Jahr eine Schönheitskur bekommen. Dazu gehörten Maurer-, Maler- und Elektrotätigkeiten, aber es wurde auch an Dach und Fassade gearbeitet. Leader-Fördermittel machten es möglich. Dass das Geld gut angelegt ist, da ist sich der ehrenamtliche Bürgermeister Christian Meyer sicher: „Wir haben dort im Jahr immer so 120 bis 150 Veranstaltungen.“

Meyer lebt seit 1986 in Pessin. Dass er da landet, war ursprünglich nicht geplant. „Das war reiner Zufall“, meint Meyer, der damals in Leipzig war. Denn eigentlich wollte er sich beruflich in Richtung Ostsee verändern. Schließlich arbeitete er dann aber als Ökonom in der LPG Pessin. 1998 dann wählten ihn die Leute zum Bürgermeister. Und er weiß auch warum. „Sie wollten jemanden, der rechnen kann.“ So lobt er auch die relativ schlanke Amtsverwaltung. Dadurch halte sich die Amtsumlage in Grenzen. „Wenn wir eine solche Verwaltung hätten wie in manch anderen Orten, dann würden wir uns gar nichts mehr leisten können“, sagt Meyer.

Wie der Bürgermeister weiter sagt, werde der Ort seit einiger Zeit größer. Man habe in den vergangenen zwei Jahren verstärkt um Bauplätze gekämpft. Rein theoretisch gäbe es zudem perspektivisch noch die Möglichkeit, in Verlängerung des Gartenweges weitere Häuser zu errichten. Gut sei auch die Verkehrsanbindung zum Bahnhof Paulinenaue, von dem aus man schnell nach Berlin gelangt. Nicht zuletzt freut sich Meyer, dass Pessin rund 40 Firmen hat, von denen viele die Vereine finanziell unterstützen.

„Dass Dörfer unter 1000 Einwohner keine Zukunft haben, wie es manchmal heißt, stimmt nicht. Es hängt in erster Linie von den Leuten ab“, glaubt Christian Meyer. Ein Beispiel für engagierte Einwohner ist die Sportgemeinschaft Blau-Weiß mit ihren 180 Mitgliedern und fünf Abteilungen – von Fußball bis Kegeln. Zu den Vorstandsmitgliedern dort gehört auch Siegfried Maiwald, der zudem Abteilungsleiter Tischtennis ist. Der 61-Jährige, der seit 1962 in Pessin lebt und einst in der Tierproduktion gearbeitet hat, trieb schon in der Jugend viel Sport. „Wir haben bei uns einen hohen Anteil an Jugendlichen, denn es gibt hervorragende Bedingungen zum Sporttreiben. Pessin hat sich sportlich einen Namen gemacht.“ Sollte der Zustrom an Mitgliedern weiter anhalten, „bräuchten wir bald eine Turnhalle“. Dass die SG so viel Zuspruch findet, habe vor allem einen Grund: „Wir haben immer versucht, das Aktive mit dem Spaß zu verbinden.“ So können etwa am Tischtennis-Osterturnier alle aus dem Dorf teilnehmen. Ähnlich sei es beim Fußball.

Aber auch der Kegelsport hat seine Liebhaber. So ist es Gerhard Ferchland zu verdanken, dass es die Sektion in Pessin gibt und zwar immer noch. Denn zur Wendezeit sah es wegen der unsicheren Eigentumsverhältnisse bei der Kegelbahn gar nicht gut aus. 1998 wurde sie komplett saniert, mittlerweile betreiben 20 Erwachsene und zehn Kindern den Sport.

Des Weiteren sind die Pessiner froh, dass sie immer noch eine Kita im Ort haben. Neue Leiterin ist seit September Sarah Napiralla. 41 Kinder werden in der Einrichtung betreut. „Die Kita spielt eine große Rolle im Ort, wir sind hier sehr beliebt“, sagt die 32-Jährige. Erst vor Kurzem – zur Rentnerweihnachtsfeier – erfreuten die Kinder die Senioren mit einem Programm. Diese Tradition solle auch künftig gepflegt werden. „Als nächstes Projekt wollen wir das Außenspielgelände neu gestalten“, sagt sie, wobei auch die Eltern beteiligt werden sollen. Man habe nicht nur ein engagiertes Kita-Team, sondern „auch eine Elternschaft, die uns unterstützt“.

So gut es bei den Vereinen und der Kita läuft, so schlecht läuft es bei der Feuerwehr. Die muss mangels Mitgliedern aufgelöst werden. „Ich bin mir aber sicher, dass wir irgendwann wieder eine Feuerwehr haben werden“, sagt Bürgermeister Meyer.

Übrigens: Der Name Pessin, der Holunder bedeuten soll, sorgte in der Vergangenheit vom Klang her immer mal wieder für Verwechslungen – mit dem Namen Ketzin. So landete beispielsweise eine Falkenseer Theatergruppe, die nach Pessin wollte, aus Versehen an der Havel.

Von Andreas Kaatz

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