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Viel Lebensqualität in Schönwalde-Siedlung

MAZ-Serie „Zuhause in...“ Viel Lebensqualität in Schönwalde-Siedlung

Die Siedlung ist mit 5147 Einwohnern der größte Schönwalder Ortsteil – und zugleich der jüngste. Erst 1932 wurde die Siedlung mitten im Wald am Reißbrett konzipiert. Schon damals galt, was Ortsvorsteher Hans-Joachim Mund noch heute schätzt: „Wir sind weit genug weg von Berlin, um unsere Ruhe zu haben, aber dicht genug dran, um die Vorzüge der Großstadt mitzunehmen.“

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Badespaß am Strandbad Schönwalde, das fast genauso alt ist wie die Siedlung selbst.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Schönwalde-Siedlung. Dass die Schönwalder Siedlung ziemlich bewaldet ist, war Ortsvorsteher Hans-Joachim Mund (CDU) natürlich vorher bewusst. Aber das der Wald derart ortsprägend ist, dass beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr aus der Gondel in 60 Metern Höhe keine Häuserdächer, sondern bloß ein grünes Meer aus Bäumen zu erkennen war, erstaunte sogar ihn. „Das hat mich ziemlich beeindruckt“, sagt Mund. Auf ihren Wald sind sie in der Siedlung sehr stolz, es gibt sogar einen Verein zur Erhaltung und Förderung dieses grünen Charakters (EFCS). Einige besonders imposante Bäume wie die Hirschkopfeiche gegenüber der Gaststätte „Schwanenkrug“ sollen der Legende nach rund tausend Jahre alt sein.

Der Ortsteil selbst existiert seit nicht einmal hundert Jahren. Die Siedlung entstand erst ab 1932 – damit ist der mit 5147 Einwohnern größte Schönwalder Ortsteil auch der jüngste. Das Land gehörte seinerzeit dem Schönwalder Großgrundbesitzer Reinhold von Risselmann aus dem Dorf; bis auf den „Schwanenkrug“, einige weitere Gaststätten und ein paar versprengte Häuser befand sich dort, was an eine Siedlung erinnerte. Doch Risselmann hatte Schulden, er brauchte Geld und willigte deshalb ein einen großen Teil des heutigen Siedlungsareals zu parzellieren und zu verkaufen. Zu hunderten wurden die Berliner mit Bussen herangekarrt, um ihnen vor Ort die Vorzüge der geplanten Siedlung anzupreisen. Nicht alles, was man ihnen versprach, erfüllte sich: Straßen, Strom und Wasser kamen erst später, der Straßenbahnanschluss aus dem Spandauer Johannesstift nie. Trotzdem wuchs die Siedlung binnen weniger Jahre empor.

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Mit 5147 Einwohnern ist die Siedlung der größte Ortsteil. Bis 1932 befand sich dort außer einigen Ausflugsgaststätten wie dem „Schwanenkrug“ und wenigen versprengten Häusern noch nicht viel, was an eine Siedlung erinnerte. Erst dann begann die Parzellierung und die Vermarktung der Grundstücke in Berlin. Anfangs trug die Siedlung noch den Namen Seebad Schönwalde – wegen des Strandbads, das bis heute in Betrieb ist.

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Schon damals galt, was Hans-Joachim Mund noch heute an seinem Ortsteil schätzt: „Wir sind weit genug weg von Berlin, um unsere Ruhe zu haben, aber dicht genug dran, um die Vorzüge der Großstadt mitzunehmen.“ Viele Bewohner der Siedlung arbeiten in Berlin, sie pendeln täglich über die Steinerne Brücke nach Spandau. Als Schlafstadt sieht Mund seinen Ort trotzdem nicht. Es gebe genug Veranstaltungen, sagt er – das Seifenkistenrennen des „Vroom!!“-Teams, den Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr, Kita- und Schulfeste, die Lesungen in der Bibliothek. Und natürlich das Siedlungsfest, das im vergangenen Jahr nach einer längeren Pause reaktiviert worden war und an dem sich zahlreiche Vereine des Orts beteiligen. „Am liebsten würden wir nicht bloß einen Tag, sondern ein ganzes Wochenende feiern“, sagt Hans-Joachim Mund.

Fast genauso alt wie die Siedlung ist das Strandbad, das 1934 eingeweiht wurde. Damals wie heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel, auch für viele Berliner. Den alten Sprungturm gibt es nicht mehr, dafür soll bald eine Beachvolleyballanlage und ein neuer Spielplatz entstehen. „Dadurch wird das Gelände noch attraktiver“, meint Uta Krieg-Oehme, Ärztin im Ort. „Das Strandbad ist schon jetzt ein Magnet“, sagt sie. Tatsächlich schwingt sich die eine Hälfte der Schönwalder Jugend im Sommer nach Schulschluss aufs Fahrrad und fährt zum See. Die anderen machen sich auf zum Spielplatz an der Richard-Dehmel-Straße – aus Sicht von Hans-Joachim Mund „der schönste im ganzen Havelland“. Auch am Havelkanal lässt es sich gut aushalten, dort sitzen die Angler und die Jogger drehen ihre Runden. „Wenn wir jetzt noch eine Slipanlage bekämen, an der Boote zu Wasser gelassen werden können, wäre es perfekt“, sagt Uta Krieg-Oehme.

Die Anträge dafür verfasst ihr Ehemann, Bürgermeister Bodo Oehme (CDU), im Rathaus. Vor fünf Jahren zog die Verwaltung aus der Sebastian-Bach-Straße in das neue Domizil an der Berliner Allee. Dort befindet sich das Zentrum der Siedlung, mit Ärzten und Apotheke, Post und Bank, diversen Geschäften und einem der beiden Supermärkte im Ort. „Wir haben alles da, was man braucht“, sagt Uta Krieg-Oehme. Auch in den Wohngebieten gibt es mehr Gewerbetreibende als man zunächst vermutet, vor allem Selbstständige und Dienstleister.

Eine Dorfkirche sucht man dagegen im ganzen Ort vergebens. Es gab auch nie eine. In den Dreißigerjahren, als die Siedlung entstand, war der Kirchenbau unter den Nationalsozialisten nicht erwünscht, später zu DDR-Zeiten sah es ähnlich aus. Zumal die Schönwalder Siedlung in exponierter Lage direkt an der Berliner Mauer lag. Wegen der Nähe zur Westberliner Exklave Eiskeller waren besonders viele Grenzsoldaten vor Ort, erinnert sich Uta Krieg-Oehme - vielleicht auch deswegen betrachtete die DDR-Führung die Grenze als sicher und verzichtete auf Passierscheine für die Bewohner, anders als beispielsweise in Hennigsdorf).

Von 13. August 1961 bis zum 23. Juni 1990 waren Schönwalde und Spandau durch die Mauer getrennt. Die Schönwalder Allee wurde nach dem Mauerfall als einer der letzten Grenzübergänge wieder geöffnet, weil Teile der Spandauer Lokalpolitik um die Natur im Spandauer Forst fürchteten. Zunächst durften über die Steinerne Brücke auch nur Busse fahren, erst später wurde die Strecke für den Autoverkehr freigegeben. Lastwagen dürfen dort bis heute nicht fahren. „Das hat uns im Ort viel Verkehrslärm erspart“, sagt Uta Krieg-Oehme.

Ein Mauerdenkmal und eine Gedenkstelle für den 1977 an der Grenze erschossenen Dietmar Schwietzer erinnern am Niederneuendorfer Kanal an die Zeit der Teilung. Dieser umschließt den Ortsteil im Osten und im Süden, im Norden und Nordwesten fließt zudem seit 1952 der Havelkanal. „Die Siedlung ist damit quasi eine Insel“, bemerkt Uta Krieg-Oehme. Eine ziemlich grüne Insel.

Von Philip Häfner

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