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Viele Havelländer sind pflegebedürftig

Nauen Viele Havelländer sind pflegebedürftig

Der Anteil pflegebedürftiger Menschen ist im Havelland im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland hoch. Mit Hilfe eines Projektes soll nun herausgefunden werden, warum dies so ist und wie die Zahl der betroffenen Menschen verringert werden kann – etwa, indem die allgemeine Lebensqualität verbessert wird.

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Dieter Wollenberg und Projektkoordinatorin Ines Neidt im Büro im Familien- und Generationenzentrum in Nauen.
 

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen.  Post von der Qualitätsgemeinschaft Pflege (QgP) haben die Nauener Haushalte vor einiger Zeit erhalten. In dem Schreiben wurden sie gebeten, sich anonym an einer Umfrage zu beteiligen. Denn die Stadt mit ihren 14 Ortsteilen wurde wieder einmal für ein Modellprojekt auserkoren, bei dem es um das Altern geht. Wie sich herausgestellt hat, gibt es im Landkreis Havelland überdurchschnittlich viele Pflegebedürftige – bezogen auf die Gesamtzahl der Bevölkerung, nämlich 3,2 Prozent. In Landkreisen in Bayern hingegen ist die Zahl um etwa zwei Drittel geringer.

„Wir wollen der Frage nachgehen, warum die Zahl der Pflegebedürftigen hier so hoch ist und was man tun kann, um sie zu senken beziehungsweise um die Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern“, sagt Dieter Wollenberg von der QgP. Zusammen mit der Pflegekasse, der AOK Nordost, den Havelland Kliniken, der Stadt, dem Landkreis und zweier Hochschulen will man dem nachgehen. Denn mit einer höheren Zahl an Pflegebedürftigen steigen auch die finanziellen Aufwendungen und der Bedarf an Fachkräften. Da soll gegengesteuert werden.

„Am Projekt nehmen die Gemeinde Milower Land als ländlicher Bereich sowie Nauen als städtischer Bereich teil“, erklärt Wollenberg. Dabei sieht er einen wesentlichen Schlüssel zum Erfolg: die Erhöhung der Lebensqualität der Betroffenen, aber auch der Angehörigen, die sich um sie kümmern. „Sonst sind sie die nächsten Kandidaten, die pflegebedürftig werden. Die physischen und psychischen Belastungen sind doch sehr hoch“, sagt er. So stehe man vor der Frage, wie man Entlastungsmöglichkeiten schaffen kann.

In der Umfrage haben einige Bürger bemängelt, dass der Öffentliche Personennahverkehr unzureichend ist. Zudem stellte sich heraus, dass es eine Menge alleinlebender Menschen über 80 Jahre gibt, die zudem chronische Krankheiten haben. „Der Wunsch nach hauswirtschaftlicher Hilfestellung ist größer als man denkt. Viele teilten mit, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen würden.“ Unterstützung wird auch bei der Beschaffung von Facharztterminen gewünscht.

Die QgP unterhält in Nauen auch eine Anlaufstelle, die von Koordinatorin Ines Neidt geleitet wird. Jeden Dienstag ist sie im Familien-und Generationenzentrum in Nauen. „Es soll der erste Anlaufpunkt sein für alle Fragen des Älterwerdens“, sagt sie. Entsprechend einem weiteren Umfrageergebnis will sie beispielsweise dazu beraten, wie Wohnungen barrierefrei umgestaltet werden können oder aber sie leitet entsprechende Anfragen an Fachleute weiter. „Wir wollen einige Dinge nicht neu erfinden“, so Wollenberg. Vielmehr gehe es auch darum, vorhandene Informationen zu vermitteln.

 Auch spezielle Vorhaben sind künftig in Nauen geplant, so wie in der Gemeinde Milower Land. Dort startet das erste am 10. November – ein stationärer Mittagstisch für Senioren in einer Gaststätte. Auf diese Weise will man den Menschen soziale Kontakte ermöglichen, die sie bei einer Belieferung mit Essen zu Hause nicht hätten.

Eine bessere medizinische Versorgung ist der Wunsch vieler Menschen, wie sich ebenfalls gezeigt hat. „Es gibt die Idee, dass ein Arzt mit Unterstützung der Kassen und der Kassenärztlichen Vereinigung in einigen Ortsteilen partiell Sprechstunden abhält“, meint Dieter Wollenberg. Allerdings sei es schwierig, dafür Ärzte zu finden sowie Räume in den Orten.

2018 soll das Projekt „Senkung der Pflegeprävalenz“ vorläufig beendet sein. Die Organisatoren hoffen dann auf Ergebnisse dazu, ob die eingeleiteten Maßnahmen sich auf die Zahl der Pflegebedürftigen auswirken. „Wir wollen prüfen, ob sich die Resultate auch auf andere Regionen übertragen lassen“, sagt Wollenberg.

Von Andreas Kaatz

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