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Vier Kandidaten im friedlichen Kreuzverhör

Premnitzer Bürgermeisterwahl Vier Kandidaten im friedlichen Kreuzverhör

Die vier Bewerber um das Premnitzer Bürgermeisteramt haben sich am Mittwochabend beim MAZ-Wahlforum auf Herz und Nieren prüfen lassen. 160 Premnitzer erfuhren im Kulturhaus Liebigstraße nicht nur etwas über das politische Programm, sondern auch über persönliche Vorlieben und Marotten.

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Quelle: Geske

Rathenow. Die vier Bewerber um das Premnitzer Bürgermeisteramt haben sich am Mittwochabend beim MAZ-Wahlforum auf Herz und Nieren prüfen lassen. Rund 160 Premnitzer erfuhren im Kulturhaus Liebigstraße nicht nur etwas über das politische Programm der Kandidaten, sondern wissen jetzt auch einiges über persönliche Vorlieben und Marotten. Sollte zum Beispiel jemand die Gelegenheit bekommen, allen vier Männern, die sich um die Nachfolge von Bürgermeister Roy Wallenta bewerben, einen häuslichen Besuch abzustatten, dann muss er sich bei zweien besonders in Acht nehmen. Wegen Stolpergefahr. Sowohl Christian Peter (CDU) als auch Felix Burghardt (parteilos) haben die Angewohnheit, ihre Schuhe irgendwo im Weg stehen zu lassen.

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Bei dem MAZ-Wahlforum haben sich alle vier Kandidaten zu ihren politischen Zielen und persönlichen Vorlieben geäußert. Das Kulturhaus Liebigstraße war mit Besuchern gut gefüllt.

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Im Hause Ralf Teblings (SPD) besteht dieses Risioko nicht. Der 54-Jährige bekannte sich bei der Frage nach einer Marotte zu seinem Ordnungsfimmel. Und bei Kay Berger (AFD) sollte man zum Hausbesuch nicht zu früh erscheinen. Sonst kommt man gar nicht hinein. Der Mann schläft, wenn es die Umstände erlauben, gerne etwas länger.

Mit der Frage nach persönlichen Vorlieben und Marotten (siehe unten stehender Artikel) eröffnete MAZ-Lokalchef Joachim Wilisch das Forum. Und nachdem sich das Quartett in diesem freundlichen Kreuzverhör auf Betriebstemperatur gebracht hatten, ging es an die politischen Inhalte. Um es vorweg zu sagen: Wer zum Forum gekommen war mit der Hoffnung, vier klar voneinander abgegrenzte Programme präsentiert zu bekommen, der wurde enttäuscht.

Volles Haus im Kulturhaus Liebigstraße

Volles Haus im Kulturhaus Liebigstraße.

Quelle: Geske

Die Ursache für diesen Befund saß im Publikum: Roy Wallenta, amtierender Premnitzer Bürgermeister, verfolgte die Debatte mit der Gelassenheit desjenigen, dem die Verdienste um das Wohl der Stadt nicht mehr streitig gemacht werden können.

Voller Saal

Voller Saal.

Quelle: Geske

Sich von diesen Verdiensten – Wiederbelebung der Wirtschaft, grundsolide Haushaltspolitik, Anstand im Umgang mit dem politischen Gegner, um nur einige zu nennen – sich von diesen Verdiensten abzusetzen, fiel allen vier Kandidaten merklich schwer. Christian Peter brachte es bei der Frage aus dem Publikum, was er im Falle der Wahl denn grundsätzlich anders zu machen gedenke als sein Vorgänger, mit einem Wort auf den Punkt: „Nichts“. Das seine drei Konkurrenten dem vorbehaltlos beipflichteten, spricht Bände.

Der berühmte Premnitzer Weg also – Auseinandersetzung ja, aber immer ziel- und konsensorientiert. Zusammenarbeit statt Konfrontation. „In Premnitz funktionieren viele Sachen einfach besser als in Rathenow“, hatte Tebling an einer Stelle gesagt. Bürgermeister Ronald Seeger, der auch im Publikum saß, hätte dem schwer widersprechen können.

Bei aller Harmonie – drei Mal wurde dann doch die Rote Karte gezückt. Die hatte Moderator Joachim Wilisch zu Beginn verteilt, um den Kandidaten die Chance zu geben, Aussagen ihrer Konkurrenten zu kontern. Felix Burghardts Einschätzung, eine Fusion der Stadt Premnitz mit anderen Kommunen werde es, wenn überhaupt, nur auf freiwilliger Basis geben, widersprach Ralf Tebling.

Keine Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern

Er sei sich sicher, dass auf die Kreis- eine Kommunalreform folge. Und danach, so stehe es bereits geschrieben, werde es keine Gemeinden mit weniger als 10000 Einwohnern mehr geben. Kai Berger stieß mit seiner Aussage, ein Gymnasium für Prenmnitz wäre doch eine schöne Sache, auf wenig Verständnis bei seinen Mitbewerbern. Bei einem Blick auf die Geburtenprognose sei dieser Wunsch schlichtweg illusorisch, waren sich Tebling, Burghardt und Peter einig.

Ralf Tebling (SPD)

Ralf Tebling (SPD)

Quelle: Geske

Keinen Dissens gab es auch beim Thema demographische Entwicklung. Ein Mehrgenerationenhaus, in dem Alt und Jung in Kontakt kommen, wollen alle vier. Felix Burghardt sieht, was den Servicegedanken angeht, noch Verbesserungspotenzial: „Die Verwaltung muss sich künftig noch mehr als Dienstleister begreifen“, sagte er. Und brachte den Gedanken ins Spiel, zu den Bürgern nach Hause zu gehen, wenn die nicht (mehr) in der Lage seien, selbstständig ins Rathaus zu kommen.

Nach gut zwei Stunden endete das Forum. Die Bilanz: Ganze drei Mal war die rote Karte gezeigt worden, aber jeder Widerspruch wurde mit Anstand und Respekt formuliert. Keine Schläge unter die Gürtellinie, keine schmutzige Wäsche, kein Gebrüll – der Premnitzer Weg eben. „Sie haben ein Luxusproblem“, beschloss Joachim Wilisch, ans Publikum gewandt, die Veranstaltung. „Sie müssen sich zwischen vier tollen Kandidaten entscheiden.“

Von Markus Kniebeler

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