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Havelland Vier Millionen Kilometer in 50 Jahren
Lokales Havelland Vier Millionen Kilometer in 50 Jahren
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13:07 01.02.2016
Willi Casper mit dem alten Taxameter seines Vaters.  Quelle: Danilo Hafer
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Falkensee

 „Als ich mich selbstständig gemacht habe, war ich der Jüngste. Jetzt höre ich auf und bin der Älteste“, sagt Willi Casper mit einem Augenzwinkern. 50 Jahre lang arbeitete er als Taxifahrer in Falkensee. Aber nicht nur dort. Vor allem zu DDR-Zeiten war er auch in anderen Regionen unterwegs. „Ich bin ja viel für die Defa gefahren“, sagt der 78-Jährige. Und im Auftrag der Filmstudios hat es ihn dann auch mal für mehrere Tage auf Motivsuche nach Görlitz verschlagen. „Vor allem kamen diese Aufträge ja oft ganz spontan“, so Willi Casper. In Falkensee hätten damals zwei Aufnahmeleiter gewohnt, die hätten ihn häufig beauftragt. Aber auch aus Babelsberg selbst kamen Anfragen. „Oft musste ich Schauspieler vom Theater abholen und dann an den Filmset fahren“, sagt er. Den Schauspieler Ulrich Mühe habe er nach Warnemünde gefahren und auch Armin Mueller-Stahl habe in seinem Taxi Platz genommen. Besonders gern erinnert sich Willi Casper an die Treffen mit Schauspieler Rolf Hoppe. Den habe er häufiger aus Dresden abholen müssen, erzählt er. „Er hat mich immer erst zu einem Kaffee eingeladen, und wir haben in seiner Wohnküche gefrühstückt“, so Casper. Erst danach seien sie nach Babelsberg gefahren.

Das Taxigewerbe hatte Willi Casper 1966 von seinem Vater übernommen. Der war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Taxifahrer in Berlin. „Ich vermute, dass er so in den 20er-Jahren angefangen hat“, sagt Casper. 1949 hat der Vater das Gewerbe dann in Falkensee weitergeführt, bis er es schließlich an seinen Sohn weitergab. „Eigentlich wollte ich gar nicht Taxifahrer werden“, sagt Casper. Er sei gelernter Schlosser und habe auch in dem Beruf gearbeitet. „Ich habe mich dann doch überreden lassen“, sagt er. Bereut hat er es nicht.

Als die Wende kam, änderte sich auch für Willi Casper einiges. „Wir sind damals alle zum Grenzübergang an der B5 gefahren und haben die ersten Touristen befördert. Da habe ich auch meine ersten D-Mark verdient“, sagt er. Irgendwann konnte er sich davon sogar einen Mercedes kaufen. Kurz nach der Wende hat Willi Casper die Taxifahr-GmbH gegründet, deren Geschäftsführer er bis 1997 war. „Danach habe ich mich wieder hinters Lenkrad gesetzt“, so Casper. Während viele Taxis in der Region auf Stammfahrten setzten, entschied er sich oft für die „klassische“ Variante. „Ich habe mich wie immer an den Bahnhof gestellt und auf Kunden gewartet“, sagt er. Freitag, Sonnabend und Sonntag waren seine Hauptschichten. Oft auch nachts bis 3 oder 4 Uhr.

Zehn verschiedene Autos hat Willi Casper im Laufe seines Taxifahrerlebens besessen, vier Millionen Kilometer hat er insgesamt zurückgelegt. Nur einmal wurde ihm eines gestohlen. Es war ein mehrtägiger Fahrauftrag, diesmal nach Stendal. „Morgens wurde ich dann von der Polizei geweckt und gefragt wo mein Auto steht“, sagt er. „Na vor der Tür“, habe er geantwortet. Doch dort stand es natürlich nicht mehr. Unbekannte hatten es geklaut, fast zu Schrott gefahren und dann im Wald stehen gelassen. „Ich bin dann gerade noch so nach Hause gekommen“, sagt Willi Casper. Das Taxi, mit dem er zuletzt seine Runden drehte, hat er an seinen Sohn abgegeben. „Wir sind wohl einfach eine Taxifamilie“, sagt Willi Casper.

Von Danilo Hafer

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