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Havelland Vietznitz feiert 650. Geburtstag
Lokales Havelland Vietznitz feiert 650. Geburtstag
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00:26 08.06.2015
Vom alten Schloss, heute Wohnhaus, fehlt mittlerweile der Turm. Quelle: Jens Wegener
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Vietznitz

Der Bahnhof im kleinen Dorf Vietznitz, am Rande des Ländchens Friesack gelegen, ist längst geschlossen. Heute donnern die ICE-Züge in Richtung Hamburg oder Berlin mit Tempo 160 und mehr vorbei. Auch die Regionalzüge halten nicht mehr in dem 200-Seelen-Dorf, das seit Oktober 2003 zur Gemeinde Wiesenaue gehört. Der frisch gewählte Ortsvorsteher Dirk Massow (Wählergemeinschaft Vietznitz) kann sich aber noch an die Zeit in den 1980er-Jahren erinnern, in denen er mit dem Zug von Vietznitz ins acht Kilometer entfernte Paulinenaue zur Arbeit gefahren ist. „Das war praktisch. Ich bin die kurze Strecke zum Bahnhof gelaufen, dann wenige Minuten mit dem Zug gefahren und war am Arbeitsort. Für 1,20 DDR-Mark.“

Ist die Schließung des Haltepunktes Vietznitz seitens der Bahn aus wirtschaftlichen Aspekten nachvollziehbar, ist es das aus traditionellen Gründen nicht. Denn noch stehen Vietznitz und das benachbarte Paulinenaue für einen Weltrekord. Im Jahre 1936 knackte eine Dampflokomotive mit drei D-Zug-Wagen und einem Messwagen auf dem Abschnitt zwischen beiden Dörfern die 200-Stundenkilometer-Grenze. Genau 200,4 Kilometer pro Stunde erreichte die Schnelldampflok.

So steht es auch in der Chronik von Vietznitz, die Dirk Massow und etwa 20 Helfer in den vergangenen Monaten studiert haben, um für die heutige 650-Jahr-Feier gut gerüstet zu sein. „Wir wollen den Einheimischen und Besuchern an mehreren Schautafeln die Geschichte des Dorfes näher bringen. Viele Vietznitzer haben dafür alte Postkarten und Dokumente zur Verfügung gestellt“, sagt Massow.

Der Ortsname Vietznitz oder auch Viecenitz, wie bei der ersten urkundlichen Erwähnung 1365 geschrieben, ist aller Wahrscheinlichkeit abgeleitet vom slawischen Wort „Vysnica“ (hoch gelegener Ort). Das bezieht sich auf den Namen Jan Vycentytz, der in der ersten urkundlichen Erwähnung genannt wurde. Vieles deutet auf den slawischen Ursprung des Dorfes hin, denn Vietznitz war slawisches Siedlungsgebiet und erhebt sich aus dem niedrigen Luchgebiet.

Das Festprogramm

Heute ab 14 Uhr gibt es doppelten Grund zum Feiern wird auf dem Festplatz in Vietznitz an der Ringstraße. Das Dorf ist 650 Jahre alt, die örtliche Feuerwehr 80.

Zunächst beginnt ein Umzug durchs Dorf, angeführt von einem Spielmannszug. Vereine, die Agrargenossenschaft Vietznitz, der Simson-Klub und andere können sich mit Fahrzeugen oder zu Fuß einreihen.

Parallel dazu zündet Ortsvorsteher Dirk Massow den historischen Backofen an. Etwa 200 Brote (drei Sorten) werden im Laufe des Nachmittags gebacken.

Kinderschminken ist im Angebot, ab 19 Uhr spielt die Band Alteisen.

Um 22 Uhr gehört die kleine Bühne den All-Stars. Tanz durch die Zeit heißt das Programm, das sich die etwa 20 Leute ausgedacht und zusammengestellt haben.

Eintritt zum Fest kostet 2 Euro. Das Geld kommt dem Förderverein Vietznitzer Dorfkirche zugute.

Der Einfluss der Familie von Bredow, die das Rittergut Vietznitz geschaffen hatten, war unübersehbar. „Um 1900“, so erzählt Dirk Massow, „wurde das Schloss derer von Bredow in Vietznitz gebaut. Heute ist zwar der Turm des Gebäudes verschwunden, aber es existiert noch als Wohnhaus.“ Zu diesem Zeitpunkt standen in Vietznitz 52 Häuser, die Gemarkung war inklusive Wagenitzer Zootzen, rund 637 Hektar groß. Die Einwohnerzahl des kleinen Dorfes schwankte: Zählte man 1925 nur 325 Bewohner waren es 1946 genau 483, weil damals nach dem Krieg sich viele Umsiedler in Vietznitz niederließen. Heute sind es noch 212.

In den 50er-Jahren entwickelte sich Vietznitz weiter. Ein Kindergarten wurde eröffnet, es gab eine Schule, 1954 die erste LPG. Am 1. Januar 1974 sollte eine Frau die Vietznitzer Bühne betreten, „die die Geschicke des Dorfes maßgeblich prägte“, wie es der heutige Ortsvorsteher ausdrückt. Herta Schindler übernahm den Bürgermeisterposten, den sie bis kurz nach der Wende inne hatte. „Der Frau haben wir viel zu verdanken. Nahezu alles, was im Dorf passierte, hat sie mitverantwortet, sie hat sich eingesetzt“, so Massow. Er nennt solche Schlagwörter wie Abwasser, Straßenausbau, den Jugendklub, die Kegelbahn oder den 1988 eröffneten Dorfkonsum. Auch wenn es einige der Dinge jetzt nicht mehr gibt, sei ihr Engagement nicht hoch genug zu würdigen. „Die heutige Rentnerin wird bei den Feierlichkeiten dabei sein“, freut sich der Ortsvorsteher.

In der Chronik festgehalten ist natürlich das erste Backofenfest im Jahre 1986. Besagter Ofen steht auf einem privaten Gehöft, damals bei Familien Schmidt, erinnert sich Massow. „Die Leute haben sich dort einmal im Jahr getroffen, es wurde Brot und Kuchen gebacken, man saß gemütlich zusammen. Das haben wir bis heute beibehalten.“ Dirk Massow steht seit drei, vier Jahren selbst am historischen Ofen und schiebt die vorgeformten 500-Gramm-Brote rein. „Und wenn sie fertig sind, gibt es Schmalzstullen.“

Von Jens Wegener

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