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Havelland Volkssoli-Chefin tritt nach 40 Jahren ab
Lokales Havelland Volkssoli-Chefin tritt nach 40 Jahren ab
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20:10 26.08.2016
Ingrid Holländer übergibt am 31. August die Geschäftsführung an Thomas Briest aus Tangermünde. Quelle: Ch. Schmidt
Rathenow

25 Jahre lang war sie das Gesicht der Volkssolidarität-Rathenow. Die gebürtige Rathenowerin Ingrid Holländer, die seit 1988 im Jerichower Land lebt, ist seit der politischen Wende Geschäftsführerin des Vereins Volkssolidarität-Rathenow und seit mehr als 40 Jahren Mitglied der Volkssolidarität. Mit der MAZ blickt sie auf ein erfülltes Arbeitsleben zurück.

MAZ: Seit wann arbeiten Sie für die Volkssolidarität und wie sah Ihr beruflicher Werdegang aus?

Ingrid Holländer: Ich habe bei den Rathenower Optischen Werken den Beruf der Zerspanungsmechanikerin erlernt, aber ziemlich schnell aus gesundheitlichen Gründen aufgehört und dann 1971 bis 1977 in der Molkerei gearbeitet. Als alleinerziehende Mutter war das aber schwierig. Ich musste um 4 Uhr anfangen, da hatte die Kita noch nicht offen. Erschwerend hinzu kam die Wochenendarbeit. Irgendwann habe ich mir gesagt, Du hast dieses Kind gewollt, dann arbeite auch so, wie es deinem Kind gut tut.

Wie ging es dann weiter?

Holländer: Eine mütterliche Dame beim Arbeitsamt - damals arbeitete dort nur eine Person - sagte zu mir: „Ach Mädchen, du kannst mit Menschen umgehen, dann gehst du zur Volkssolidarität, da kommst du klar.“ Und seitdem bin ich hier.

In welchem Bereich haben Sie damals angefangen?

Holländer: Ich habe als Pflegekraft begonnen. Diese Arbeit hat mich menschlich sehr geprägt. Ich habe die Menschen in den Haushalten betreut und die unterschiedlichsten Schicksale kennengelernt. Ich war noch sehr jung – 25 Jahre – und habe gelernt, mich zurückzunehmen und das Alter zu achten. Ich habe rege Schulungen, Seminare und Weiterbildungen genutzt und konnte bald eine Brigade leiten, was man heute wohl als Teamleitung bezeichnen würde. Später war ich für die Mitarbeiter des Altkreises Rathenow zuständig, habe Hausbesuche und die Stundenabrechnung gemacht.

Konnten Sie in all den Jahren berufliche Träume verwirklichen?

Holländer: Ja, das kann man so sagen. Schon ganz zum Anfang, als ich die Menschen noch in ihren Wohnungen betreute, hatte ich die Vision, ein Heim aufzubauen, dass den Bewohnern ein Zuhause bietet. Ich erinnere mich an eine alte Dame, die ich zu dieser Zeit betreute. Sie litt an Demenz, damals sagte man noch sie ist ein bisschen tüddelig. Irgendwann ging es zu Hause nicht mehr und sie musste ins Heim. Als der Krankenwagen kam, hielt sie meine Hand und ließ sie nicht los. Sie sagte immer wieder: „Ingrid, was passiert mit mir? Ich will das nicht. Hilf mir.“ Die Pfleger mussten ihre Hand mit Gewalt entfernen. In diesem Momente dachte ich, es muss etwas anderes geben, einen Ort, an dem man leben kann wie zu Hause, wo man sich wohlfühlt.

Das boten die Heime damals nicht?

Holländer: Es wurde natürlich schon immer etwas für ältere Menschen getan, aber es gab zu dieser Zeit nur Mehrbettzimmer, die klassisch langen Gänge, das Krankenhausflair. Das heißt nicht, dass keine gute Betreuung gemacht wurde, aber die Menschen konnten sich selten einleben. Meine Dame hat 14 Tage dort gelebt, dann ist sie gestorben. Sie hat sich aufgegeben.

Wann konnten Sie ihre Vision umsetzen?

Holländer: 2003 gründeten wir unsere Tochtergesellschaft, die gemeinnützige Gesellschaft für individuelle Lebensart. Es war zunächst sehr schwer, die Banken von unserem Ziel eines Seniorenhilfezentrums zu überzeugen. Irgendwann konnten wir eine Bank aus den alten Bundesländern für die Finanzierung gewinnen. Zwei Jahre später entstand dann die Einrichtung mit zunächst 27 Plätzen. Der größte emotionale Moment war für mich die Grundsteinlegung 2005, als wir die Hülse mit Geld, der Tageszeitung und unserem Konzept einbetonierten. Da hatte ich Gänsehaut. Eine weitere erfüllte Vision ist der Outdoor-Park hier vor der Tür.

Wenn Sie zurückblicken, was waren die schwersten Zeiten?

Holländer: Vor der Wende waren wir an die Volkssolidarität Potsdam angeschlossen, damals mussten wir uns nie darüber Gedanken machen, wo das Geld herkommt. Wir haben zwar nie viel verdient und wir haben unter primitiven Bedingungen arbeiten müssen, aber wir mussten uns keine großen Sorgen machen. Dann kam die Wende und alle bekamen die Kündigung. Keiner konnte sagen, wie es weitergeht. Das war eine ganz schlimme Zeit. Man war verunsichert. Von Potsdam hörten wir gar nichts mehr. Mein Team sagte dann, es muss weitergehen. Können wir nichts machen? So entstand die Idee, sich durch die Vereinsgründung selbstständig zu machen. Zum 5. Dezember 1990 bekamen wir unseren Vereinsstatus. Meine Kollegen meinten, Ingrid, du bist die, die sich hier am besten auskennt, mach mal.

Dann schubste Sie das Schicksal zum zweiten Mal in eine neue Situation?

Holländer: Ja, obwohl ich das so gar nicht gewollt habe. Die Arbeit als Bereichsleiterin hatte mir ja Spaß gemacht. Aber einer musste den Hut auf haben.

Seit 1977 arbeiten Sie für die Volkssolidarität, Mitglied sind Sie aber schon länger.

Holländer: Richtig, ich bin schon mit 22 Jahren beigetreten. Damals warb mich eine Frau an der Haustür für die Mitgliedschaft. Der Monatsbeitrag betrug nur 50 Pfennig und ich dachte mir, warum nicht, es ist doch eine gute Sache. Heute ist es leider schwierig junge Menschen für eine Mitgliedschaft zu begeistern. Dabei ist die Volkssolidarität längst nicht nur für Ältere, wir bieten auch der jüngeren Generation etwas. An diesem Image müssen wir noch arbeiten.

Inwiefern arbeitet die Volkssolidarität heute mit jungen Menschen zusammen?

Holländer: Bisher waren das fast immer Projekte. Zum Beispiel hatten wir vor Jahren das Spatzennest aufgebaut. Daraus hat sich später das Bündnis für Familie entwickelt. Wir hatten für junge Mütter eine Wohnung angemietet, sie betreuen lassen. Allerdings waren alle Projekte immer auf eine bestimmte Förderzeit begrenzt. Danach fehlte uns das Geld dafür. Man darf nicht vergessen, dass wir alles, was wir machen, allein finanzieren müssen. Wenn wir keine Fördermittel und kein Entgelt bekommen, können wir Leistungen nicht anbieten. Auch das Mädchen-Projekt „Ein Ort für mich“ wurde von der Volkssolidarität initiiert. Und heute haben wir eine Kooperation mit der Scholl-Grundschule.

Gibt es Dinge, Visionen, die Sie bisher noch nicht umsetzen konnten?

Holländer: In der Tat. Ich hatte den Traum von einer Senioren-Wohngemeinschaft. Leider fanden wir nicht genug Interessenten, um diese Idee umzusetzen. Das könnte in zwei Jahren schon anders aussehen, vielleicht war ich einfach zu früh mit meiner Vision.

Welche Tipps würden Sie ihrem Nachfolger Thomas Briest mit auf den Weg geben?

Holländer: Ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Das, was mich glücklich gemacht hat, muss ihn nicht glücklich machen. Mein Tipp: Bodenhaftung behalten und Visionen haben. Die Realität annehmen wie sie ist und Wege finden.

Bleiben Sie der Volkssolidarität weiterhin treu?

Holländer: Ja, bestimmt. Bis zum Jahresende komme ich noch einmal wöchentlich und danach muss ich schauen wie wohl ich mich fühle. Ich könnte mir vorstellen weiter im Vorstand zu arbeiten. Dadurch dass ich alle Stufen von der Pflege bis zur Geschäftsführung durchlaufen habe, kenne ich ja alles aus dem Effeff. Das ist natürlich ein Vorteil.

Fällt es Ihnen schwer, die Geschäftsführung abzugeben?

Holländer: Ein bisschen schon. Aber ich denke, ich habe meinen Nachfolger gut vorbereitet.

Und worauf freuen Sie sich jetzt?

Holländer: Darauf, meinen Garten zu genießen. (lacht)

„Miteinander-Füreinander“

Die Volkssolidarität Rathenow e.V. wurde 1990 als selbstständiger, parteipolitisch unabhängiger Verein gegründet und hat seinen Wirkungsbereich im Altkreis Rathenow.

Die rund 850 Mitglieder sind in rund 40 Ortsgruppen unterteilt und werden durch mehr als 100 ehrenamtliche Helfer mit unterschiedlichen Angeboten betreut.

Unter dem Leitmotto „Miteinander-Füreinander“ arbeitet die Volkssolidarität in sozialen und kulturellen Bereichen.

Als wirtschaftliche Ergänzung der gemeinnützigen Mitglieder hat die Volkssolidarität Zweckbetriebe. Dazu zählt der ambulante Pflegedienst, Essen auf Rädern, Tagespflege und das Seniorenzentrum.

Von Christin Schmidt

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