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Volle Körbe bleiben ein Traum

Havelland Volle Körbe bleiben ein Traum

Für gewöhnlich ist der Herbst die Zeit der Pilzsammler. In diesem Jahr ist ein Ausflug in die Wälder des Havellandes jedoch alles andere als ergiebig. Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit bleiben die Körbe leer und die Kochtöpfe kalt.

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Solch volle Körbe wünschen sich Pilzsammler. In diesem Jahr allerdings gibt es im Havelland nur wenig Pilze.

Quelle: Dpa

Brieselang. Für gewöhnlich ist der Herbst die Zeit der Pilzsammler. In diesem Jahr ist ein Ausflug in die Wälder des Havellandes jedoch alles andere als ergiebig. Aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit bleiben die Körbe leer und die Kochtöpfe kalt.

Pilzkenner behalten ihre Reviere für sich

Das musste auch Werner Malchow erfahren. Der Brieselanger ist seit rund 35 Jahren Pilzberater im Havelland und geht am liebsten gemeinsam mit seiner Frau im Krämer Forst auf Tour – wo genau, das verrät der Pilzprofi natürlich nicht. „Pilzsammler behalten ihre Reviere immer für sich. Ich kann nur so viel sagen – dort, wo wir im letzten Jahr noch körbeweise Steinpilze aus dem Wald geholt haben, war gar nichts zu finden“, so Werner Malchow, der mehr als 100 Pilzarten kennt und drei bis vier Mal im Monat auf die Suche geht. „Wenn überhaupt wachsen derzeit vereinzelt einige Saprobionten – dazu gehören zum Beispiel Champignons, Morcheln oder Boviste. Sie ernähren sich von totem Material, wie Holz oder Blättern, und wachsen im Wald, auf Wiesen oder bei mir im Garten“, so der Kenner. Er hebelt sogleich einen kleinen Pilz mit der Schippe aus dem Rasen hinter seinem Haus. „Während einer ausgedehnten Fahrradtour entdeckten wir im August am Wegesrand bei Nauen einen kopfgroßen Riesenbovisten. Den gab es dann paniert und gebraten zum Abendbrot – eines der wenigen Pilzgerichte in diesem Jahr.“

Werner Malchow wurde nur in seinem eigenen Garten fündig

Werner Malchow wurde nur in seinem eigenen Garten fündig.

Quelle: Laura Sander

Als Pilzberater des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen steht Werner Malchow für Fragen rund um den Pilz zur Verfügung und kennt sich als früherer Apotheker besonders mit Giften aus. Über den zentralen Giftnotruf wird er manchmal gebeten, Pilzvergiftungen auszuschließen oder zu bestätigen. Oftmals sei die hohe Verwechslungsgefahr das Problem. „Der Perlpilz und der Pantherpilz zum Beispiel sind nur durch einige Kleinigkeiten zu unterscheiden. Das Problem: der Perlpilz ist essbar, der Pantherpilz kann Tobsuchtsanfälle auslösen“, so Werner Malchow.

Gestern lecker, heute giftig

Besonders kurios wird es bei Pilzarten, die noch vor einigen Jahren als essbar galten, heute jedoch als giftig eingestuft werden. „Der Kahle Krempling war immer ein ergiebiger Speisepilz, bis in Frankreich die ersten Vergiftungen festgestellt wurden. Dieses Phänomen wanderte über Deutschland bis nach Polen und Russland.“ Erst im Laufe der Zeit ruft der Pilz eine allergische Reaktion hervor. „Es kann drei Mal gut gehen und beim vierten Mal haut es einen um“, so Malchow. Ähnliches gilt auch für den beliebten Grünling.

Pilzsachverständige

Der Brandenburgische Landesverband der Pilzsachverständigen bietet Pilzberatungen, Pilzlehrwanderungen, Vorträge, Ausstellungen und Ursachenermittlung bei Pilzvergiftungen an.

Pilzberater müssen dreimal jährlich Weiterbildungen besuchen und führen Buch über jeden Pilzfund, alle Beratungsgespräche und Vergiftungen.

Derzeit sucht der Landesverband Nachwuchspilzkenner und Interessenten für die Tätigkeit als Pilzberater.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.blp-ev.de.

„Jährlich sterben in Deutschland einige Menschen an einer Pilzvergiftung. In Brandenburg hatten wir seit Jahren keinen einzigen Fall.“ Damit das so bleibt, hat die Medizinische Hochschule kürzlich sogar Warnplakate auf arabisch veröffentlicht. „Bei Hannover kam es zu einigen Vergiftungen bei Flüchtlingen. Es gibt in Syrien höchstwahrscheinlich einen Pilz, der einem deutschen Giftpilz sehr ähnlich ist“, vermutet der Experte, der die Hoffnung für die diesjährige Pilzsaison noch nicht aufgegeben hat. Ob der Regen der vergangene Tage jedoch ausreicht, um die Pilze sprießen zu lassen, will der Profi abwarten. „Ich hoffe jetzt auf den Winterrübling, der kommt mit der Kälte zurecht und wächst sogar hier im Bredower Forst.“

Von Laura Sander

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