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Vom Energieelektriker zum Bio-Imker

Paulinenaue/Buschow Vom Energieelektriker zum Bio-Imker

Der Paulinenauer Christian Wendt hat vor zwei Jahren seinen gelernten Beruf aufgegeben und sich als Imker selbstständig gemacht. Geholfen hat ihm dabei der Regionale Lotsendienst Havelland.

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Bio-Imker Christian Wendt in seinem Verkaufsraum in Buschow.

Quelle: Ralf Stork

Paulinenaue/Buschow. Christian Wendt füllt gerade Honig ab. Das Haus sieht nicht gerade so aus, wie man sich eine typische Imkerei vorstellt: Ein leuchtend gelber Flachbau mit großen Fenster. Aber die Räume erfüllen ihren Zweck. Einer der drei Hallen artigen Räume dient ihm als Lager, einer als Werkstatt und einer als Abfüllstation. „Früher war das mal ein Autohaus“, sagt Wendt und lacht.

So ungewöhnlich wie der Standort seiner Imkerei in Buschow ist auch sein Werdegang zum vollberuflichen Bienenhalter: In den 1990er-Jahren hat Wendt in Berlin Energieelektroniker und Anlagentechniker gelernt. Später hat er seinen Meister in Elektrotechnik gemacht und in Berlin in einem Werk gearbeitet, dass Hochspannungsschalter herstellt. Ein guter Job, gut bezahlt und anspruchsvoll: Am Ende hatte Wendt die Personalverantwortung für dutzende Mitarbeiter. Trotzdem hat er diese Stelle für die unsichere Existenz als selbstständiger Imker aufgegeben.

Die Entwicklung war eher schleichend: „Zwei, drei Bienenvölker habe ich schon seit Jahren“, sagt Wendt. Ein Ausgleich zu seinem stressigen Job in Berlin. Vor vier Jahren hat er sich dann dabei beobachtet, dass er Imkereibedarf in Größenordnungen kauft, die über den Bedarf eines kleinen Hobbyimkers weit hinausgehen. Der Wunsch, sich ganz den Bienen zu widmen, war also schon da. Bis zum endgültigen Schritt hat es dann aber noch ein wenig gedauert.

Vor zwei Jahren dann die Entscheidung. Die Familie war zunächst etwas skeptisch, trug den Entschluss aber mit. Bei der Vorbereitung der Selbstständigkeit half der Regionale Lotsendienst Havelland (siehe Infokasten).

Seit dem 1. Januar 2016 ist der Paulinenauer Christian Wendt jetzt also offiziell Berufsimker, Bio-Imker um genau zu sein, was die ohnehin schon kleine Berufsnische noch einmal kleiner macht: „Die Natur und die Regionalität sind mir sehr wichtig“, sagt Wendt, der über den Bio-Verband Bioland zertifiziert ist. Damit sind bestimmte Auflagen verbunden, die vor allem die Haltung der Bienen betrifft: Die Beuten für die Bienen müssen aus unbehandeltem Holz sein, als Winternahrung dürfen nur Honig oder Bio-Zucker zum Einsatz kommen. Bei den Futterpflanzen der Bienen sind die Auflagen nicht ganz so streng. Schließlich kann niemand verhindern, dass die Insekten auch konventionelle Pflanzen anfliegen. Die Standorte, an denen die Bienen Honig sammeln, sollen nach Möglichkeit keine Beeinträchtigung durch Landwirtschaft oder Industrie haben. Wendts mittlerweile 100 Bienenvölker stehen unter anderem in Dreibrück, in Paulinenaue auf seinem eigenen Grundstück und auf einem Bio-Hof .

In den kommenden Jahren will er den Bestand nach und nach auf 200 Völker verdoppeln. So viel braucht es, um wirklich wirtschaftlich imkern zu können. Wendt hat zur Zeit fünf Sorten im Angebot: Raps, Akazie, Linde, Frühlingsblüte und Sommerblüte. Einen Teil der Ernte verschickt er über Amazon und seinen eigenen Internetshop in ganz Deutschland. Den Großteil des Honigs will er nach Möglichkeit an andere Imker veräußern. Das spart das aufwendige Abfüllen, Verpacken und Beschriften der einzelnen Gläser. Im Moment trägt der Verkauf einzelner Gläser stärker zum Umsatz bei, als Wendt ursprünglich gedacht hatte. „Die Kunden können den Honig auch ganz klassisch bei mir zu Hause kaufen“, sagt der Imker. An der Haustür ist der Bio-Honig günstiger als im Internet und nur ein bisschen teurer als konventioneller Honig.

In diesem Jahr machte Wendt – wie den anderen Landwirten und Imkern auch – das Wetter einen großen Strich durch die Rechnung. Die Ernte fiel sehr bescheiden aus. Den Berufswechsel hat Christian Wendt trotzdem noch nicht eine Minute bereut: „Ich arbeite gerne und viel draußen. Dabei vergesse ich komplett die Zeit.“ Apropos Zeit: Für seinen alten Job war er mit Anfahrt oft 14 Stunden oder länger unterwegs. Das ist nun anders. In der Hochsaison von Mai bis Juli ist er zwar auch von morgens bis abends unterwegs. In den Monaten davor und danach reduziert sich der Arbeitsaufwand aber ganz erheblich. Es bleibt also wieder Zeit für Freizeit und Familie.

Weitere Informationen zur Imkerei und zum Onlineverkauf unter www.honigpiraten.de

Von Ralf Stork

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