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Vom Fischerdorf zur Boom-Kommune

Zuhause in Mögelin Vom Fischerdorf zur Boom-Kommune

Dass Mögelin (Havelland) ein Fischerdorf war, verwundert nicht. Schließlich fließt die Havel an der Haustür vorbei. Die hufeisenförmige Anlage des Kirchplatzes hin zum Fluss ist typisch für ein Fischerdorf wendischen Ursprungs. Mögelin ist eine Erfolgsgeschichte: Nach der Wende ist der Ort gewachsen wie kein anderer im Westhavelland.

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Er ist Ur-Mögeliner und absolut leidenschaftlicher Angler: Hans-Jürgen Müller.

Quelle: Markus Kniebeler

Mögelin. Mehr Mögeliner geht nicht: Hans-Jürgen Müller, Geburtsjahr 1938, wurde nicht – wie heute üblich – im Krankenhaus geboren, sondern im Haus seiner Eltern in der Hauptstraße. Und da lebt er heute noch. Kein Wunder also, dass Müller jede Menge erzählen kann über jenen Ort, an dem er seinen ersten Atemzug machte und dem er bis heute treu geblieben ist. „Nie würde ich hier wegziehen“, sagt der Senior. „Es gibt dafür ja auch keinen Grund.“

Dass mit den Müllers und Mögelin hatte aber noch viel früher begonnen. 1912 entschloss sich Hans-Jürgen Müllers Großvater, seines Zeichens Schumachermeister in Rathenow, ins Grüne zu ziehen. Und damals wie heute war für jemanden, der aus Rathenow kam und heraus wollte aus der Stadt, Mögelin die erste Wahl. Tatsächlich hat sich dieser Trend nach der Wende noch verschärft: Mögelin ist die Kommune im Westhavelland, deren Einwohnerzahl in den vergangenen 26 Jahren am stärksten gewachsen ist. Rund 800 Menschen lebten 1989 in dem damals noch eigenständigen Dorf. Heute sind es über 1300.

Dass Mögelin ein Fischerdorf war, verwundert nicht. Schließlich fließt die Havel an der Haustür vorbei. Die hufeisenförmige Anlage des Kirchplatzes hin zum Fluss ist typisch für ein Fischerdorf wendischen Ursprungs. Über Jahrhunderte lebt der Ort vom Havelfisch, Noch bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gab es zwei Berufsfischer. Außerdem war fast jeder Bauer im Besitz von Fischereirechten. „Wenn der Großvater früher ankündigte: ’heute gibt es Fisch’ und zum Havelufer aufbrach, dann war er wenige Stunden später mit Brassen zurück“, erinnert sich Müller. Auch wenn das Mittagessen heute nicht mehr so selbstverständlich aus der Havel geholt wird wie einst – die Tradition des Fischens im Ort ist lebendig. In welchem Dorf sonst gibt es einen Angelverein mit über 80 Mitgliedern? Seit 1960 ist Müller Mitglied im Verein.

Fischerei und Landwirtschaft mögen die Mögeliner Epochen lang ernährt haben – aber im 20. Jahrhundert wandelten sich die Zeiten. Mögelin wurde zum Arbeiterwohnsitz. Die Menschen verdienten ihr Geld in den Großbetrieben in Rathenow und Premnitz – Arado, Märkische Faser, ROW, um die großen Namen zu nennen – und genossen ihren Feierabend im grünen Mögelin.

So ähnlich ist es heute noch. Allerdings hat sich eines zum Schlechten verändert, wie Hans-Jürgen Müller meint. Während der Ort wuchs, schrumpfte paradoxerweise die soziale Infrastruktur auf eine kaum mehr wahrnehmbare Größe zusammen. „Früher gab es drei Bäcker, einen Fleischer, mehrere kleine Geschäfte und drei Gaststätten“, erinnert sich der 78-Jährige. Heute seien diese Lokalitäten, die für den sozialen Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft wichtig waren, verschwunden.

Immerhin gibt es noch die Vereine, in denen die Mögeliner sich begegnen: Die Fußballer, die Angler. Und nicht zu vergessen die Feuerwehr, die mit ihren Festen das ganze Dorf auf die Beine bringt. „Na ja, Mögelin hat sich schon ganz ordentlich entwickelt“, sagt Müller. Und plötzlich erinnert er sich an das Jahr 2006, als der damalige Bundespräsident Horst Köhler mit Diplomaten aus aller Welt im Weltmeisterzug auf Tour durchs Havelland war. „Und wissen Sie, wo der Zug mit dem Präsidenten gehalten hat?“, fragt Müller, und da ahnt man die Antwort schon. „Nicht in Premnitz und auch nicht in Rathenow hat er gehalten. Sondern in Mögelin!“

Von Markus Kniebeler

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