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Von Chinesenbärten: 17 Waldbesitzer sind jetzt schlauer

Grünefeld Von Chinesenbärten: 17 Waldbesitzer sind jetzt schlauer

Chinesenbärte? Dieses wie auch die Themen Waldbau, Eichen, Steuerfragen und Wildschäden standen am Wochenende in der Waldbauernschule auf dem Stundenplan. 17 Waldbesitzer und Interessierte waren da – auch die MAZ vor Ort in Grünefeld im Havelland.

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Forstfachmann Thomas Meyer erklärt an einer Buche im Stadtforst Nauen, was ein Chinesenbart – eine überwachsene Astnarbe – ist.

Quelle: Ulrike Gawande

Grünefeld. Zwei Tage lang haben am Wochenende 17 Waldbesitzer und Interessierte in der Gaststätte „Havelland“ in Grünefeld die Schulbank gedrückt. In der Waldbauernschule, deren Fachkräfte seit 2008 in regelmäßigen Abständen Qualifizierungen für Waldbesitzer anbieten. Auf dem Stundenplan standen Waldbau, die Eiche, Steuerfragen und Wildschäden.

In Brandenburg gebe es etwa 90 000 Waldbesitzer, weiß Thomas Meyer, Nauener Stadtförster und Vorstand des Waldbauernschulvereins. Er leitete den Lehrgang. Rund 33 Prozent Brandenburgs, 1,1 Millionen Hektar, sind mit Wald bedeckt. Die sechstgrößte Waldfläche Deutschlands.

Das sei nicht immer so gewesen, verriet Meyer bei der anschließenden Exkursion in den Stadtforst, bei der das theoretisch erworbene Wissen in die Praxis umgesetzt wurde. Vor 300 Jahren habe es nur halb so viel Wald gegeben, wie heute. „Es gab eine Waldknappheit.“ Im 19. Jahrhundert habe man mit der Forstwirtschaft begonnen, so dass seit 100 Jahren auch wieder Bäume genutzt werden können, die zwischen 120 und 150 Jahre alt sind. „Damals wurde die Nachhaltigkeit erfunden“, erklärt der studierte Forstwissenschaftler. Man erkannte, dass man nicht mehr Wald nutzen könne, als nachgepflanzt werde.

Und so widmeten sich auch die Lehrgangsteilnehmer einem Thema, von dessen Erfolg erst nachfolgende Generationen profitieren werden. Erste Aufgabe im stürmischen Wald war es, unter den etwa 25 Jahre alten Eichen in der Pflanzung einen sogenannten “Z“-Baum mit einem weißen Bändchen zu markieren.

„Ein Z-Baum ist ein Zukunftsbaum“, erklärt Hartmut Bellin aus Karwesee, in dessen Familienbesitz sich zehn Hektar Mischwald befinden. Ein Z-Baum werde besonders gefördert, in dem störende Nebenbuhler gefällt werden, fährt Bellin fort. „Ein Z-Baum muss frohwüchsig, also gut gewachsen sein, einen geraden Stamm und ein vitales Erscheinungsbild haben, und im unteren Bereich astfrei sein.“

Denn daraus ergebe sich die Holzqualität, nach der der Baum bewertet und in Kategorien von D (schlecht) bis A (sehr gut) einsortiert werde. Meyer: „Für Fenster ist astfreies Holz wichtig.“ Und auch für Furnierholz seien sechs Meter ohne Äste notwendig. Bis zu 1000 Euro kann eine Eiche mit 60 Zentimeter Stammdurchmesser in B-Qualität bringen. Um das zu erreichen, sei der schattenspendende Unterwuchs in der Pflanzung wichtig, eine natürliche Form der Astreinigung. Licht bringe Äste, wie beispielsweise Wasserreiser, die zu einer minderen Qualität des Holzes führen. Buchen, Hainbuchen und Winterlinden würden sich als Unterbau für Eichen eignen, und zugleich für eine Stabilisierung des Mischwaldes sorgen.

„Wald ist der Euro der Zukunft“, ist sich Melanie Sonnemann aus Grünefeld sicher. Gemeinsam mit Schwester Anja Wardyn besucht sie den Lehrgang, um gewappnet zu sein, später die 25 Hektar Wald aus Familienbesitz zu übernehmen. „Unsere Ururgroßeltern hatte eine Gastwirtschaft im Ort, zu der Land- und Waldwirtschaft gehörten.“ Schon als Kinder seien sie in den Wald gegangen, um zu „knüppeln“, Bäume früh von störenden Ästen zu befreien.

Bricht ein Ast vom Stamm ab, versucht der Baum, die Wunde zu überwallen, sie selbstständig zu verschließen. Sichtbar bleiben diese Stelle oft als sogenannte Rosen. Bei Buchen bezeichnet man die Stellen hingegen wegen ihrer auf der glatten Rinde sichtbaren Form auch als Chinesenbärte.

Von Ulrike Gawande

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