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Von Königin Luise bis Jürgen Drews

Vortrag über Persönlichkeiten in Nauen begeisterte Zuhörer Von Königin Luise bis Jürgen Drews

Einige wurden in Nauen geboren, wie der Schlagerkönig Jürgen Drews, andere beehrten die Stadt nur kurz wie der Schriftsteller Kurt Tucholsky. Wolfgang Wiech, bekannt als Stadtführer in Nauen, wusste am Sonnabend viele Geschichten über bekannte und nicht ganz so bekannte Persönlichkeiten zu erzählen.

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Wolfgang Wiech (l.) beim Ausflug in die Geschichte über Nauener Persönlichkeiten mit etwa 40 Zuhörern.

Quelle: Wolfgang Balzer

Nauen. Königin Luise, Jürgen Drews und Kurt Tucholsky haben eines gemeinsam. Sie sind Persönlichkeiten, die in irgendeiner Form etwas mit Nauen zu tun haben. Wolfgang Wiech, auch bekannt als langjähriger, mit der städtischen Geschichte bestens vertrauter Nachtwächter, stellte am Sonnabend in der Galerie am Blauen Haus vor gut 40 Besuchern sowohl in Nauen geborene Persönlichkeiten als auch solche mit nur einem kurzen Aufenthalt in der Stadt vor. So erzählt Wolfgang Wiech immer wieder gern die Geschichte vom Aufenthalt des Kronprinzen Friedrich, dem späteren König Friedrich II., der im Jahre 1732 für ein Vierteljahr in Nauen auf dem Grundstück von Kaufmann Kerkow in der heutigen Goethestraße wohnte und von hier aus ein Infanterieregiment führte, aber auch Interesse für die Nauener Mädchen zeigte. So ist sein Liebesverhältnis mit der Pfarrerstochter nicht nur verbürgt, sondern auch entdeckt worden. „In seiner Zeit als König erinnerte sich Friedrich II. nur ungern an die Nauener Zeit“, meinte Wiech. Und da er als Mitwirkender bei den Nauener Heimatfreunden auch über ein großes Archiv verfügt, bebilderte er seine historisch interessanten aber auch oft amüsant vorgetragenen Geschichten mit teils über 100 Jahre alten Fotos und Nauener Ansichten auf historischen Postkarten. Die hat er seit seinem 16. Lebensjahr selbst gesammelt. Aber meistens zu DDR-Zeiten. Da kostete eine so zwischen 25 und 50 Pfennige. Heute müsse man so um die 25 Euro auf den Tisch legen, erzählte er am Rande seines Vortrages. Eins von den Fotos zeigte die nach Gebhard Eckler benannte Straße. Er führte den Buchladen in der Mittelstraße 35, gründete im Jahre 1901 das Nauener Stadtmuseum und wurde auf Beschluss des Magistrats der Stadt zum Städtischen Museumsdirektor ernannt. So führte manche Information von Wolfgang Wiech auch zu ergänzenden Bemerkungen alteingesessener Nauener. Gertraud Grasenack (Jahrgang 1941) ist in Nauen geboren, kennt den Wandel in ihrer Geburtsstadt und ist trotzdem zum Vortrag gekommen. „Es hat sich so viel verändert, da ist es gut, die Erinnerungen wieder aufzufrischen,“ meinte sie. Aber es sind nicht nur die in Nauen geborenen Persönlichkeiten, wie der selbst ernannte König von Mallorca, Jürgen Drews (Jahrgang 1945), die hier ihre Spuren hinterlassen haben. So quartierte sich Königin Luise nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstädt gegen Napoleon am 17. Oktober 1806 für eine Nacht in der Baderstraße/Ecke Dammstraße ein, Harald Juhnke wohnte drei Tage im Juni 1995 während der Dreharbeiten für den Film „Der Trinker“ in der „Filmwohnung“ in der Goethestraße 43 und Prinz Wilhelm von Preußen, später Kaiser Wilhelm I. wohnte im Revolutionsjahr 1848 eine Nacht im Hause von Sanitätsrat Liman an der Ecke Marktstraße/Baderstraße. Die ihm später angetragene Kandidatur für den Wahlkreis Potsdam-Nauen-Osthavelland habe er aber abgelehnt, weiß Wiech zu berichten. Rund 30 Persönlichkeiten Nauens mit ihrer Geschichte und teils auch mit ihrem noch heute beachteten Erbe wurden so den Zuhörern näher gebracht. Georg Ernst Barday, Oberlehrer am Nauener Gymnasium, gab anlässlich des 600. Stadtjubiläums die „Geschichte von Nauen und Osthavelland“ heraus, Carl Bäker (1819- 1891) , Uhrmacher, Astronom und Mathematiker, entdeckte am 14. April morgens um acht Uhr einen neuen, nach ihm benannten Kometen, der dänische Märchenschriftsteller Hans Christian Andersen besuchte am 16. Juni 1831 die Stadt Nauen und der Schriftsteller Kurt Tucholsky nahm beim Gymnasiallehrer Paul Last in der damaligen Chausseestraße, später Berliner Straße 7 ein Jahr lang Privatunterricht, weil die Mutter in Berlin für den rebellischen und undisziplinierten Sprössling keine geeignete Schule fand und der wegen ungenügender Leistungen in Deutsch sogar sitzengeblieben war.

Viele Geschichten gab Wiech in dieser kurzweiligen Stunde zum Besten, vom Scharfrichter Weber, dem letzten Nauener Nachtwächter Carl Griebert und auch vom Nauener Aufenthalt des Hauptmanns von Köpenick einen, Tag vor seinem Coup. „Nun lacht die halbe Welt nicht über Nauen sondern über Köpenick“, ist Wiech spaßhaft zufrieden. Zufrieden mit dem interessanten Vortrag war auch Christa Liebeke (Jahrgang 1942). Sie ist in der Holzmarktstraße geboren. Aber die hat ihre eigene Geschichte.

Von Wolfgang Balzer

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