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Havelland Von einem Flügel, der auch Tango kann
Lokales Havelland Von einem Flügel, der auch Tango kann
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19:41 11.04.2016
Dieses antike Tafelklavier steht auf Schloss Ribbeck, allerdings als Schaustück. Zu Konzerten erklingt ein Bösendorfer Flügel. Quelle: Fotos: Christin Schmidt
Havelland

Die Herrenhäuser im Havelland haben sich in den vergangenen Jahren als beliebte Konzertstätten etabliert. Seit nunmehr 15 Jahren finden hier im Rahmen der Havelländischen Musikfestspiele Konzerte statt. Neben ihrem Charme und dem Ambiente, das an längst vergangene Zeiten erinnert, bergen die Schlösser in Nennhausen, Ribbeck und Kleßen auch einen besonderen musikalischen Schatz: Jeder Spielort ist mit einem Flügel bestückt, der einzigartig ist, bestätigt der Pianist und Begründer der Festspielreihe, Frank Wasser.

Er kennt sie alle drei, den Bösendorfer Flügel im Schloss Ribbeck, den Bechstein, der im Gartensaal im Schloss Kleßen zu Hause ist, und den Petrof-Flügel, den er selbst ausgewählt hat. Das war vor ungefähr zehn Jahren. In der Klavierfabrik in Königgrätz in Ostböhmen spielte der ehemalige Festspielleiter auf etwa 30 Klavieren und entschied sich am Ende für jenen Flügel, der nun wunderbare Melodien durchs Nennhausener Schloss tanzen lässt. „Es ist eine sehr gelungene Kooperation zwischen Flügel und Raum“, erklärt der Pianist.

Eine perfekte musikalische Allianz

Für Kammermusik und Liederabende bilden der Nennhausener Konzertsaal und das Instrument aus Böhmen die perfekte musikalische Allianz. Wasser beschreibt den Klang als relativ brillant, ein Instrument mit einer gewissen Strahlkraft. Pianisten müssen ziemlich vorsichtig darauf spielen, um eine Geige oder ein Cello nicht zu übertönen. „Sie müssen sehr gut auf den Raum hören und auf das Partnerinstrument oder die Stimme. Das ist schon eine ziemliche Kunst.“

Die Kunst des Klavierspielens

Die Kunst des Klavierspielens II am 23. April, 16 Uhr auf Schloss Ribbeck.

Die Kunst des Klavierspielens III: 5. November, Französ. Kirche Potsdam.

Die Kunst des Klavierspielens IV: 12. November auf Schloss Nennhausen.

Kartenbestellung: 03 32 37/8 59 63

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Ganz anders klingt und spielt sich der Bechstein-Flügel auf Schloss Kleßen. Das Instrument, das in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, ist mit Abstand der älteste dieser drei Flügel. Hier klingt Geschichte mit. „Wer auf diesem Instrument spielt, kann sich ungefähr vorstellen wie die Musik damals geklungen hat, wie es sich anhörte wenn Brahms oder Liszt auf einem Bechstein spielten. Man kann die Klangmöglichkeiten erahnen, die die Komponisten damals hatten. Das macht diesen Flügel so besonders“, schwärmt Frank Wasser.

Beethoven und Bach würden wunderbar zum Bechstein passen, darauf beschränkt ist das Instrument aber keineswegs. Wie Pianist Filippo Arlia auf dem diesjährigen Eröffnungskonzert bewies, kann der Kleßener Flügel sogar Tango. Diese Vielfältigkeit ist ein weiteres Indiz für ein herausragendes Instrument.

Frank Wasser gerät ins Schwärmen

Ins Schwärmen gerät Wasser auch, wenn er vom Bösendorfer erzählt, der sich auf Schloss Ribbeck wohlfühlt. Vor sieben Jahren hat er ihn gemeinsam mit Professor Georg Sava in Wien mit einigem Aufwand ausgesucht. 20 Instrumente spielten die beiden einen ganzen Tag lang. Einzelne Töne wurden angeschlagen, Bach, Chopin, Beethoven gespielt, die Musiker lauschten dem Spiel des anderen und testeten die Bandbreite der einzelnen Flügel aus. „Wenn sie auf einem Instrument die unterschiedlichen Musikstile aus rund 200 Jahren spielen, also von Bach bis Strawinsky und es trotzdem jedes Mal seine phänomenale Qualität behält, das ist beeindruckend. Wahnsinn. Dann ist es ein außergewöhnliches Instrument. Und genauso war es bei diesem Bösendorfer. Solchen Flügeln begegnet man als Pianist ganz selten.“

Am 23. April werden gleich zwei Bösendorfer Flügel im Schloss Ribbeck erklingen. Im Rahmen der Konzertreihe „Die Kunst des Klavierspielens“ werden Massimo Folliero und Frank Wasser ein Konzert mit zwei Klavieren spielen. Zu hören sind dann unter anderem Werke von Darius Milhaud, George Gershwin, Astor Piazzolla, Igor Strawinsky.

Von Christin Schmidt

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