Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 8 ° Sprühregen

Navigation:
Vor 150 Jahren ging der Stadt neues Licht auf

Leuchtgas für Rathenow Vor 150 Jahren ging der Stadt neues Licht auf

In der Stadt Rathenow begann vor 150 Jahren ein neues Zeitalter, als die öffentliche Gasversorgung aufgebaut wurde. Das Medium diente zunächst nur der Lichterzeugung und wurde deshalb auch Leuchtgas genannt. 1866 gab es in der Stadt 143 Straßenlampen. Heute wird in Rathenow der Kirchberg noch mit Gasleuchten erhellt.

Voriger Artikel
Der Einsamkeit entgegenwirken
Nächster Artikel
Exhibitionist belästigt junge Frau

Heute wird in Rathenow der Kirchberg immer noch mit Gaslaternen beleuchtet.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Vor 150 Jahren ging den Rathenowern eine ganz neue Art von Licht auf, als die Versorgung der Stadt mit Gas begann. Weil das neue Medium in der ersten Zeit fast ausschließlich der Lichterzeugung diente, wurde es als Leuchtgas bezeichnet. Waren die Nutzer erst einmal ans Gasnetz angeschlossen, konnten sie einen höheren Beleuchtungskomfort genießen. Kerzen hatten ausgedient. Horst Schütze, der bis 1965 Leiter des Rathenower Gaswerks war, hat ermittelt, dass es im Gründungsjahr 1866 in der Stadt insgesamt 143 Straßenlampen gab, die mit Gas betrieben wurden. Außerdem gab es 1424 private Abnahmestellen. Das erste Gaswerk der Stadt wurde an der Ecke der Berliner Straße zur Bahnhofstraße gebaut. Es stand in etwa dort, wo sich heute das alte Offizierscasino befindet, und wurde am 15. Oktober 1866 feierlich in Betrieb genommen.

Der neue Stoff wurde damals durch die Vergasung von aus England stammender Steinkohle gewonnen. Das Leuchtgas eröffnete der Industrie bessere Möglichkeiten, auch in dunklen Zeiten schwungvoller arbeiten zu lassen. In den privaten Haushalten wurde es schon bald auch zum Kochen und zur Erwärmung von Bügeleisen verwendet. So wuchs die verbrauchte Menge schnell enorm an. Die Bezeichnung Leuchtgas wandelte sich zu Stadtgas. Waren im ersten kompletten Betriebsjahr 1867 in Rathenow insgesamt 101 330 Kubikmeter Gas verbraucht worden, waren es im Jahr 1900 bereits 761 599 Kubikmeter. Um dem rasant steigenden Mehrbedarf gerecht zu werden, musste 1902 ein neues Gaswerk errichtet werden. Es stand dort, wo heute noch die Anschrift „An der Gasanstalt“ daran erinnert.

Zuerst eine Schmetterlingsflamme, später bis zu neun Glühkörper

Zuerst kam das Licht der Gaslampen aus der ganz normalen Flamme.

Um die Lichtausbeute zu erhöhen, wurde die Flamme bald durch spezielle Düsen vergrößert. Sie nahm dann die Form eines Schmetterlingsflügels bzw. Fischschwanzes an.

Später wurde das Licht durch mit Gas erhitzte Glühkörper erzeugt.

Die Rathenower Gaslaternen hatten meist vier, in einigen Fällen bis zu neun Glühkörper.

Auf dem Kirchberg befinden sich heute Gaslaternen vom Typ Baden-Baden mit einem sechsflammigen Brenner und Glühkörpern. Sind sind verbunden mit einem Gasversorgungsschrank, der extra auf dem Kirchberg installiert worden ist.

Die Gaslaternen hatten eine kleine Zündflamme, die ständig brannte, erinnert sich Horst Schütze, und eine größere Betriebsflamme, die extra eingeschaltet werden musste. Am Anfang seien sie von Hand eingeschaltet worden, später habe es das Gaswerk aus der Ferne durch eine etwa viertelstündige Druckerhöhung gemacht. Als er 1959 ins Rathenower Gaswerk gekommen sei, berichtet Hort Schütze, habe die Stadt noch einen Lampenputzer gehabt, der die mindestens 200 Gaslaternen technisch in Ordnung hielt und reinigte. Als das Rathenower Gaswerk 1965 geschlossen wurde, weil die Stadt ans große DDR-Verbundnetz angeschlossen wurde, seien die Laternen noch eine Zeit lang von Hand ein- und ausgeschaltet und bald schrittweise durch Elektrolampen ersetzt worden.

Auch heute noch gibt es in einem Teil Rathenows eine Gasbeleuchtung. Seit 2004 wird der Kirchberg auf diese Weise erhellt, bestätigt Pressesprecher Jörg Zietemann. Das gehe auf einen Beschluss der Stadtverordneten von 2001 zurück. Insgesamt gebe es dort 27 gasbetriebene Lampen, entweder auf einem Mast oder an einem Wandarm montiert. Die Leuchtkraft sei höher als bei früheren Gaslaternen, erklärt Jörg Zietemann, das hänge mit dem technischen Fortschritt zusammen. Generell sei die Gasbeleuchtung sehr wartungsintensiv.

Von Bernd Geske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg