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Vor 95 Jahren gegründet

Friesack Vor 95 Jahren gegründet

Friesacker Fahrradhaus feierte am Wochenende sein 95-jähriges Bestehen: Gegründet wurde das kleine Unternehmen am 1. Juli 1922. Peter Behrendt führt das Haus in dritter Generation. Den Anfang machte sein Großvater Willi Nieter. Nach seinem Tod übernahm Tochter Gertrud den Laden und erschloss neue Geschäftsfelder.

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Arbeit zwischen Speichen und Luftpumpen: Peter Behrendt beim Radwechsel in seinem Laden.

Quelle: Astrid Wiebe

Friesack. Das Fahrradhaus Peter Behrendt in Friesack blickt auf sein 95-jähriges Bestehen zurück. Der in der Berliner Straße ansässige Laden ist einer der ältesten Handwerksbetriebe im Havelland.

Der alte Meisterbrief

Der alte Meisterbrief.

Quelle: Astrid Wiebe

In dritter Generation führt Peter Behrendt den anerkannten Meisterbetrieb mit Leidenschaft und einem besonderen Service, der den 73-jährigen Friesacker weit über die Ortsgrenzen zu einem Geheimtipp gemacht hat. Wer als Kunde den alten Fahrradladen zum ersten Mal betritt, wird von der Fülle an Artikeln und Ersatzteilen für Fahrräder und Mopeds regelrecht erschlagen. Und der typische Originalgeruch von Gummi und Öl, der in die Nase steigt, ist inklusive. In Glasvitrinen, Regalen und Schubfächern stapeln sich Ventile, Dichtungsringe oder Fahrradspeichen fein säuberlich geordnet und teilweise noch in über 50 Jahre alten Originalverpackungen. An den Wänden hängen Fahrradschläuche, Fahrradlenker, Gepäckträger, Luftpumpen.

Vor dem Geschäftshaus

Vor dem Geschäftshaus: Auch Taxifahrten wurden angeboten.

Quelle: Astrid Wiebe

„Ich glaube, das sind so rund 3000 Artikel, die ich hier vorrätig habe. Und alles andere, bestelle ich für meine Kunden“, erzählt Peter Behrendt, während er die Gangschaltung eines nagelneuen Tourenrades auf Wunsch einer Kundin wechselt. Denn auch das gesamte Sortiment neuer Markenräder mit allen Garantie- und Serviceleistungen bietet der gelernte Fachverkäufer für Industriewaren, wie es zu DDR Zeiten hieß, in seinem Laden an.

Für Peter Behrendt stand schon als Kind fest, was er später einmal machen möchte. „Ich konnte kaum über den Ladentisch schauen und habe meiner Oma Frieda und meiner Mutter Gertrud schon als kleiner Bengel oft geholfen. Beide waren für mich wichtige Bezugspersonen, die das Geschäft ab 1936 ohne meinen Großvater weitergeführt haben.“ Der frühe Tod von Opa Willi Nieter, der den Friesacker Traditionsbetrieb am 1. Juli 1922 als Schlosserei in der Oberwallstraße 7 gegründet hatte, zwang die beiden Frauen, den Betrieb allein fortzuführen und mit neuen Geschäftsideen Geld zu verdienen. So chauffierte Peter Behrendts Mutter schon als junge, emanzipierte Taxifahrerin ihre Fahrgäste bis nach Berlin.

Als Oma Frieda 1960 den Betrieb an ihre Tochter Gertrud übergab, zog die frischgebackene Inhaberin mit dem Geschäft in die Berliner Straße. Das Haus in der Oberwallstraße ist Wohnsitz der Familie Behrendt geblieben. „Nach meiner Lehre zum Fachverkäufer für Industriewaren in der Handelsorganisation (HO) Fahrräder Potsdam, der Qualifizierung zum Verkaufsstellenleiter und meinem Studium an der Hochschule für Ökonomie in Berlin wollte ich unbedingt zurück nach Friesack und habe zu Beginn als einfacher Verkäufer im Betrieb meiner Mutter gearbeitet. 1975 übernahm ich das Geschäft und wurde mit 31 Jahren Juniorchef. Jedoch bleibt man immer der Kleine, bei so einer engagierten Geschäftsfrau“, würdigt Peter Behrendt das Schaffen seiner Mutter.

Neben seinem Meisterbetrieb übte Peter Behrendt lange Zeit das Amt des Bürgermeisters in Friesack aus. Zwölf Jahre lang kümmerte er sich in der Nachwendezeit um die Geschicke der Stadt. Auch heute noch kommen viele Friesacker in den Laden und suchen Rat beim ehemaligen Bürgermeister, der sich in vielen Vereinen engagiert. Schützenverein, Angelverein und ganz besonders der Karnevalsverein von Friesack sind seine große Passion.

Mit Hingabe, mit Leidenschaft und immer mit einem Quäntchen mehr an individuellen Service möchte er die 100 Jahre seines Fahrradhauses in Friesack voll machen. „Ich habe noch einiges vor und in fünf Jahren gibt es bestimmt eine große Jubiläumsfeier“, schmunzelt er. Bis dahin soll die alte Werkstatt im Elternhaus in der Oberwallstraße fertig ausgebaut sein. Damit er in seinem wohlverdienten Ruhestand weiter etwas zum Reparieren und Basteln hat. Die Decke wird dem Friesacker Urgestein jedenfalls nicht auf den Kopf fallen.

Von Astrid Wiebe

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