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Vor Gott sind alle gleich

Theaterklassiker in Rathenow Vor Gott sind alle gleich

Aktueller und brisanter kann Theater nicht sein: Am Dienstagvormittag verfolgten rund 450 Rathenower Schüler im ausverkauften Theatersaal des Kulturzentrum Lessings Klassiker „Nathan der Weise“. Die Inszenierung orientierte sich am Original und zugleich am aktuellen Zeitgeschehen – Zu Lessings Botschaften wurden Bilder von Krieg und Terror gezeigt.

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Der Jude Nathan (Frank Siebers) nimmt die Hände seiner Ziehtochter Recha (Simone Fulir), eine Christin.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. „Das P in Pegida steht für Bildung“ – Nein, dieser Satz stammt natürlich nicht aus Lessings großem Werk „Nathan der Weise“. Er gehört aber zur Inszenierung des Theaters der Altmark (TdA), die am Dienstagvormittag rund 450 Rathenower Schüler im Theatersaal des Kulturzentrums sahen. Bevor das eigentliche Stück begann hatte sich das gesamte Ensemble auf der Bühne gezeigt. Jeder der Schauspieler hatte aus gegebenen Anlass und Bezug nehmend auf die Stimmung im Land, sich mit einer Botschaft direkt an das Publikum gewand. Fragen wie: „Droht wirklich eine Welle des Terrors weil so viele Flüchtlinge zu uns kommen?“ wurden gestellt, und Richard von Weizsäcker wurde zitiert: „Lassen Sie sich nicht hintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen. (...) Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

Sätze, die bis auf eine dumme Bemerkung von den vielen jungen Menschen beklatscht wurden und perfekt auf das Stück einstimmten. Eine klassische und zugleich moderne und höchst aktuelle Inszenierung, die TdA-Intendant Alexander Netschajew auf die Bühne gebracht hat. Allein die Eröffnungsszene steht symbolhaft für die Lage der Welt: Alle Religionen vereint an einem Tisch im Gespräch vertieft, im Hintergrund laufen die Schreckensbilder dieser Tage – Krieg, Terror, verzweifelte Menschen, Angst, Horror, Tränen. Und dann ein großer Knall, der Tisch bricht auseinander, mit einem Schrei stürmen Christ, Jude und Moslem auseinander. Was folgt ist die bekannte Auseinandersetzung mit dem Wesen der Religion, das Ringen um die Wahrheit.

Netschajew bemüht sich dabei nicht um moderne Sprache, nur hier und da fällt ein „krass“ oder „besoffen“. Mehr braucht es nicht, Lessings Worte haben an Kraft nicht verloren. Modern sind dagegen Bühnenbild und Kostümierung. Eine beweglichen Mauer auf der aktuelle Kriegsbilder projiziert werden, dominiert das Bild. Dazu ein Laptop in den Nathan Botschaften an das Publikum tippt: „Hass ist keine Antwort auf Hass.“ Netschajew steckt seinen Nathan in einen Anzug, auch Sultan Saladin steht im Jackett auf der Bühne. Rein äußerlich sind sie nicht zu unterscheiden. Mit diesem Gleichmachen unterstreicht der Regisseur die zentrale Botschaft des Stückes, die Saladin am Ende verkündet: „Vor Gott sind alle gleich.“ Diese Inszenierung müsste noch viele Tage im Kulturhaus zu sehen sein, so dass jeder Rathenower, jeder Havelländer die Chance hat, sie mindestens einmal zu sehen und zu verstehen.

Info: Die Aufführung „Nathan der Weise“ ist noch einmal am 21. November um 19.30 Uhr im Großen Haus des Theaters der Altmark in Stendal zu sehen. Kartenreservierung:  0 39 31/63 57 77

Von Christin Schmidt

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