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Havelland Vor den Wahlen: Lächeln bis zum Sieg
Lokales Havelland Vor den Wahlen: Lächeln bis zum Sieg
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09:54 19.09.2017
Größer geht nicht: Maximale Werbung für die maximale Kanzlerin im Güterverteilzentrum Wustermark. Quelle: Marlies Schnaibel
Havelland

Wer Angela Merkel mal in die Nasenlöcher schauen möchte, der sollte nach Wustermark fahren. Im dortigen Gewerbegebiet, direkt neben der Autobahn, steht ein Werbeturm mit gigantischen Ausmaßen. Auf 224 Quadratmetern wird dort geworben. Doch heißt es diesmal auf dem Maxiposter nicht „kauf mich“, sondern „wähl mich“. Und das ganz ohne Worte. Das ist wahrlich hohe Werbekunst: schnell das Wesentliche erfassbar machen. Nur ein Parteikürzel und ein „24.9.“ stehen dort, und eine Frau schaut uns an. Ruhig, besonnen, kompetent, keine hängenden Mundwinkel, sondern ein freundliches Gesicht.

Impressionen von Wahlplakaten in Nauen und Falkensee – das Lächeln gehört bei allen Politikern dazu.

Die wenigsten werden das Bild aber aus der Froschperspektive erleben, die meisten sehen es im Vorüberfahren. 2,5 Millionen Fahrzeuge sollen es täglich an dem Autobahnkreuz sein. Millionen potenzielle Wähler. Diese Aufmerksamkeitsrate werden andere Wahlplakate im Havelland nicht erreichen, aber für alle gilt offensichtlich: Nutze viel befahrene Straßen. Und auch das wissen viele: Lächeln hilft beim Siegen.

Grimm ist gar nicht grimmig

Dabei ist das Feiler-Lächeln im Havelland bekannt: geliebt bei Freunden, gefürchtet bei Feinden. Der CDU-Mann hat es einfach drauf, er besitzt die natürliche Begabung für ein freundliches Lächeln, egal, ob in der persönlichen Begegnung mit den Menschen oder wenn ein Fotograf in der Nähe ist. Aber nun bekommt der Christdemokrat im Direktmandatskampf Konkurrenz von einem jungen Mann, der zwar Grimm heißt, aber gar nicht so aussieht. Der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten kann noch gewinnender lächeln, zweifellos. Und so zeigt uns Benjamin Grimm in Falkensee von jedem verfügbaren Laternenmast oder Baumstamm seine schönen Zähne.

Keine Wahlplakate in der Nauener Altstadt

Der Zeitraum der Wahlwerbung ist länderweit unterschiedlich. In keinem anderen Bundesland darf so früh plakatiert werden wie in Brandenburg: zwei Monate vor der Wahl. In Hamburg ist das erst vier Wochen vor der Wahl erlaubt.

Die Kommunen können die Wahlwerbung einschränken, so hat die Stadt Nauen Wahlplakate in der Altstadt und an der Bundesstraße untersagt.

Nach der Wahl muss die Plakatwerbung in der Regel innerhalb einer Woche abgehängt und entfernt werden.

AfD-Doppelspitze mit Lächelauftrag

Und so lächeln sie alle, mehr oder weniger talentiert: freundlich die hübschen Damen von den Linken und der FDP, strahlend die Frau von den Grünen, und auch die AfD-Doppelspitze erfüllt den Lächelauftrag. Bloß die FDP setzt auf einen müde-melancholisch dreinblickenden Spitzenmann.

Übereinstimmung in Nauen

Aber sonst wird durchgelächelt. Natürlich nicht nur auf Bundestagsebene, sondern auch in Nauen. Hier wollen drei Männer ins Rathaus, Platz ist nur für einen Bürgermeister. Oliver Kratzsch steht freundlich, selbstbewusst und entspannt da. Der Mann will es „Nauen zuliebe!“ angehen. Er sieht aus wie einer, der bodenständig und praktisch veranlagt ist. Vielleicht schneidet er sich seine Haare sogar selbst. Vielleicht träumen die beiden anderen Mitbewerber von solcher Haarpracht, kann sein. Sie haben sich für eine traditionelle Frisur entschieden, da wo die Männer die Haare nach hinten kämmen, solange es noch was zum Kämmen gibt. Nicht die einzige Übereinstimmung der beiden Männer, die uns natürlich freundlich-lächelnd anblicken. Keine Frage. Und dann war da noch ein Fotograf, der zu Eckart Johlige sagte: „Nimm mal dein Sakko in die linke Hand und halte es so locker über die Schuler.“ Und dann war da auch noch ein Fotograf, der zu Manuel Meger sagte: „Nimm mal dein Sakko in die linke Hand und halte es so locker über die Schuler.“ Nun drängen da also die Bewerber von CDU und LWN in gleicher Pose vor das Auge des Wählers. Aber mit unterschiedlichen Sprüchen: „Einer von Euch. Einer für Euch“ meint volksverbunden Manuel Meger, der Mann aus Berge. Mit „Nauen braucht ’nen Neuen“ wirbt Eckart Johlige um Aufmerksamkeit. Dabei beschränkt sich der CDU-Mann nicht auf die üblichen Straßenbaum-Formate, sondern zielt auf das große Ganze, nämlich auch mit den großen Plakaten. Flankiert von Angela Merkels Wahlplakaten wirbt er am Rathaus um die Wählergunst.

Wirres und Beklebtes

Viele Gesichter bestimmen die Wahlwerbung in diesem Jahr. Aber die Plakate mit Textbotschaften sind nicht ausgestorben. Eigentlich alle Parteien wollen den Rentnern was Gutes tun, sie wissen, dass mehr als die größte Gruppe aller Wähler inzwischen über 60 Jahre alt ist. Die für Satire und Nonsens bekannte Partei „Die Partei“ versucht es mit fröhlicher Wählerbeschimpfe „Wirr ist das Volk“ und allerlei witzigen und bitterbösen Sprüchen. Das Plakat des Spitzenkandidaten im Wahlkreis 58 lässt Platz für Notizen. „F’see first“ hat einer reingeschrieben.

Und dann sind da noch die Klassiker der Plakatverunstaltung. Sie fehlen nicht. Hier mal schwarz gemalte Zähne, da mal eine raufgekritzelte Brille, und das politisch wie ästhetisch abgewirtschaftete Hitlerbärtchen darf auch nicht fehlen. Einen heiteren Anstrich haben dabei die roten Punkte auf den Nasen der Politprominenz. Kann also gut sein, dass wir demnächst von Clown Merkelino regiert werden.

Von Marlies Schnaibel

Er provoziert gern mit markigen Sprüchen, um Aufmerksamkeit zu erhalten. Dazu fährt er auch mit dem Lautsprecherwagen durch Neuruppin. Michael Nehls aus Zechlinerhütte will für die AfD in den Bundestag einziehen. Sein Motto ist: Deutschland zuerst. Ginge es nach ihm, würden schon heute alle Grenzen dicht gemacht werden..

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