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Walter Aues neunter Streich

Strodehner Schriftsteller legt neues Zappa-Buch vor Walter Aues neunter Streich

Der Strodehner Schriftsteller Walter Aue verewigt seit 2010 den Berliner Kneipenkater Zappa in seinen essayistischen Büchern. Nun ist der neunte Band der Reihe erschienen, und der zehnte ist bereits in Arbeit. Dann soll Schluss sein, aber die Hand dafür ins Feuer legen sollte man nicht – denn bei Walter Aue weiß man nie.

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Selbst in Strodehne ist Zappa immer an Walter Aues Seite. Zwar nicht aus Fleisch und Blut, aber ein Abbild tut es auch.

Quelle: Markus Kniebeler

Strodehne. Es gibt Schriftsteller, deren Fans und Leser sehnsüchtig auf das nächste Werk warten – und sich Jahre gedulden müssen. Zu dieser Spezies gehört Walter Aue nicht. Im Frühjahr 2010 erschien unter dem Titel „Schultheiss mit Zappa“ erstmals ein Band mit Essays, der von einem Berliner Kneipenkater namens Zappa inspiriert waren. Heute, keine sechs Jahre nach dieser Premiere, gibt es bereits neun Bände, die den Namen Zappa im Titel tragen. „Zappa im toten Winkel“ heißt das jüngste Werk, in dem der Strodehner Schriftsteller dem Tier und der von diesem beflügelten Art des Schreibens treu bleibt.

Zappa gab es wirklich, und es gibt ihn immer noch. In der Kneipe „Zwiebelfisch“ am Savignyplatz kann man ihn, wenn er nicht gerade durchs Viertel streift, treffen. Meist liegt er auf der breiten Fensterbank und pennt, völlig unbeeindruckt von dem Wirtshauslärm um ihn herum. Auf plumpe Annäherungsversuche der Gäste, die das Tier in völliger Fehleinschätzung der Lage für eine Schmusekatze halten, reagiert er meist nicht.

Walter Aue, der im Zwiebelfisch seit Jahrzehnten sein Bier trinkt, war von Anfang an von dem freien, unabhängigen Geist Zappas angetan. Mehr noch. In dem Kater sah er eine Art Alter Ego. Die Reflexion über das Tier wurde so zwangsläufig zu einer Reflexion über sich selbst. Zappa setzte kreative Energien frei, die Aue zufolge nicht in eine lineare, chronologische Erzählung gepresst werden konnten, sondern in den assoziativen Texten der Zappa-Bände eine Form fanden. „Was ich bevorzuge, ist das Schreiben mit natürlichen Sprüngen und Rissen, den intuitiven Wörterbau. Die Weltweisheit der Montage, die, dem ruhelosen Lebenslauf folgend, ihre eigener Richtung nimmt“ – so beschreibt Aue seine literarische Arbeitsweise.

Auch der vorliegende Band weicht von diesem künstlerischen Strukturprinzip nicht ab. Aue beobachtet und reflektiert. Erinnert sich und kommentiert. Schaut auf die Außenwelt und blickt im selben Atemzug nach innen. Dieses Material, das einem unglaublich vitalen (Unruhe)Geist entspringt, fügt er zu einer „großen, gewaltigen Collage“ zusammen, wie er selber schreibt. Einer Collage, in der Augenblicksbetrachtungen, Wirklichkeitssplitter, Erinnerungsfetzen, Kunst- und Literaturkritik zu einem dichten Monolog verwoben sind.

Walter Aue an seinem Schreibtisch in Strodehne

Walter Aue an seinem Schreibtisch in Strodehne.

Quelle: Markus Kniebeler

Doch so sehr Aue der kreativen Unordnung huldigt – zwei Leitmotive tauchen in allen Zappa-Bänden immer wieder auf, die den offenen Texten Struktur geben: Der Gedanke an die eigene Vergänglichkeit und der unbändige Drang, diesem Vergehen etwas entgegenzusetzen – Wörter, Sprache, Literatur. „Geschrieben für mich selbst, um mich am Leben zu erhalten.“

Aufmerksame Leser werden neben diesen und anderen wiederkehrenden Motiven im jüngsten Zappa-Band aber auch Ungewohntes finden. Die Hinwendung zur Natur seiner Wahlheimat Strodehne, den Blick für die nahe Umgebung, die so anders ist als das Weltengetriebe, in dem Aue sich Zeit seines Lebens bewegt hat. „Über uns das riesige Blau des wolkenlosen Himmels. Darin die Scharen tief fliegender Wildgänse und Reiher. Wie sie kreisend das Dorf umfliegen. Alles Neuankömmlinge, die hier am Gülper See Rast machen und nach wenigen Tagen nach Süden fliegen.“ Die Welt werde kleiner, wenn man altere, sagt der 85-Jährige. Der Bewegungsradius schrumpfe, der große Weltblick verenge sich, plötzlich entdecke man die Welt der kleinen Dinge. „Notgedrungen“, fügt Aue nach einer langen Pause hinzu.

Zur Person: Walter Aue

Walter Aue wurde 1930 in Schönbach (heute Tschechien) geboren.

1967 zog er nach Berlin, wo er als freier Schriftsteller arbeitete. Seit 2002 lebt er mit seiner Frau auf dem Strodehner Backofenberg. Neben seinen literarischen Aktivitäten machte Aue sich einen Namen als Kurator von Ausstellungen, vorwiegend von Künstlern aus dem Bereich der Konzeptkunst.

Für das Radio hat Aue in den 70er und 80er Jahren rund 160 Hörspiele und Features verfasst. Einige dieser Produktionen wurden ausgezeichnet.

Walter Aue ist Verfasser von erzählender und essayistischer Prosa, Gedichten und Hörspielen.

Von Markus Kniebeler

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