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Warnstreik für mehr Gerechtigkeit

Nauen Warnstreik für mehr Gerechtigkeit

Mitarbeiter der BSH Hausgerätewerk GmbH Nauen legten am Montagmorgen ihre Arbeit nieder. Mit dem Warnstreik möchten die Mitarbeiter eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen erreichen. Die Geschäftsführung hatte Gespräche zuletzt erneut abgelehnt.

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Tarifvertraglich geregelte Arbeitszeiten sind das Hauptziel der Beschäftigten der BSH Hausgerätewerk GmbH – am Montag legten sie ihre Arbeit nieder.

Quelle: Danilo Hafer

Nauen. Mitarbeiter der BSH Hausgerätewerk GmbH Nauen legten am Montagmorgen ihre Arbeit nieder. Grund waren die zuletzt abermals gescheiterten Verhandlungsversuche mit der Geschäftsführung über einen Tarifvertrag für das Werk, in dem unter anderem Waschmaschinen der Marken Bosch und Siemens hergestellt werden. „Das Werk in Nauen ist der einzige Standort der BSH in Deutschland, der keine Tarifbindung hat“, erklärte Stefanie Jahn von der Gewerkschaft IG Metall.

Beschäftigte arbeiten rund 50 Stunden pro Woche

Mit einem Tarifvertrag, wie ihn sich die Mitarbeiter schon seit Jahren wünschen, sollen vor allem die wöchentlichen Arbeitszeiten geregelt werden. Derzeit würden die Mitarbeiter rund 50 Stunden und mehr pro Woche arbeiten. „In den anderen Werken sind es nur 35 Stunden“, erzählte Stefanie Jahn. Rechne man die Stunden in Tage um, würde dies für die Nauener Beschäftigten bedeuten, dass sie verglichen mit den Kollegen in anderen Werken, im Schnitt rund 32 Tage mehr arbeiten.

An der Seite der Beschäftigten steht seit Jahren auch der Bundestagsabgeordnete der Linken Harald Petzold (r)

An der Seite der Beschäftigten steht seit Jahren auch der Bundestagsabgeordnete der Linken Harald Petzold (r.)

Quelle: Danilo Hafer

„Ich verstehe einfach nicht warum nur wir in Nauen keine Tarifbindung haben, ich verstehe es einfach nicht“, sagte Heike Liepe. Die 55-Jährige aus Paulinenaue arbeitet schon seit 1995 in dem Nauener Werk. Ein Tarifvertrag würde für die Belegschaft eine große Entlastung bedeuten. „In den vergangenen Jahren ist die Arbeitsbelastung immer weiter gestiegen“, erklärte Heike Liepe. „50 Stunden in der Woche am Band stehen ist einfach zu viel“, sagt auch Klaus Mertens. Die beiden Beschäftigten wünschen sich schlicht mehr Gerechtigkeit.

Nach 2013 bereits der zweite Streik

Unter den Streikunterstützern war an diesem Morgen auch der Bundestagsabgeordnete Harald Petzold (Die Linke). Er sagte: „Es ist einfach irre, wenn man sich vorstellt, dass wir schon seit 2013 versuchen die Tarifbindung zu erreichen.“ Denn bereits im Jahr 2013 kam es schon einmal zu einem Streik. Seither habe sich nichts verändert, sagte Stefanie Jahn. „Nach dem ersten Streik wurde der Druck auf die Belegschaft noch einmal erhöht und viele hatten Angst um ihren Arbeitsplatz“, sagte die Gewerkschafterin. Dabei betont sie immer wieder, dass es bei den Verhandlungen nicht um die Forderung nach mehr Geld gehe. „Wir reden hier über soziale Aspekte“, sagte sie. Die Mitarbeiter in Nauen sollen genauso behandelt werden, wie ihre Kollegen in den anderen deutschen Standorten. „Das Werk wurde hier nach der Wende errichtet, um schlichtweg Geld zu sparen und das bis heute“, so Stefanie Jahn.

600 000 Waschmaschinen im Jahr

In Nauen produziert die BSH Hausgerätewerk GmbH, mit Hauptsitz in München, seit 1994 Waschmaschinen für den Weltmarkt. Auf zwei flexiblen Montagelinien werden jährlich rund 600 000 Waschmaschinen hergestellt. Insgesamt sind in dem Werk rund 600 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Belegschaft in Nauen stellt täglich im Drei-Schichtsystem Waschmaschinen am Produktionsband her. „Jeder erledigt immer den gleichen Handgriff, wenn die Waschmine an ihm vorbeifährt und das im Sekundentakt“, so Jahn. Die hohe Geschwindigkeit würde auf Dauer auch zu gesundheitlichen Problemen führen.

„Wir respektieren Streik als legitimes Mittel“, sagt Eva Bauerschmidt von der BSH-Geschäftsführung. „Der Standort Nauen ist der einzige BSH-Produktionsstandort für Waschmaschinen in Deutschland und steht mit diesem weltweit vermarkteten Produkt in einem besonders hart umkämpften Wettbewerbsumfeld.“ Die Beschäftigungsbedingungen seien im regionalen Vergleich überdurchschnittlich, die Gesamtvergütung der Mitarbeiter liege auf Tarifniveau, so Bauerschmidt. Die Entgeltstruktur mit konkreten Eingruppierungskriterien sei betrieblich geregelt und für alle Mitarbeiter transparent. Darüber hinaus biete das Unternehmen freiwillige Leistungen wie eine arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung und eine Erfolgsbeteiligung (Jahreszahlung).

Von Danilo Hafer

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