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Havelland Warum Videospiele Jugendliche im Land Brandenburg besonders begeistern
Lokales Havelland Warum Videospiele Jugendliche im Land Brandenburg besonders begeistern
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19:07 13.03.2019
Paul Purps in seinem Zimmer in Jahnberge: Während im Hintergrund einige signierte Bowlingkegel stehen, konzentriert er sich auf den Fernseher und die Videospiele. Quelle: Friedrich Bungert
Jahnberge

 In Paul Purps Zimmer ist es dunkel. Der 15-Jährige hat die Jalousien heruntergezogen und alle Lampen ausgeschaltet. Sein Fernseher und die daran angeschlossene Spielekonsole sind die einzigen Lichtquellen im Raum.

Paul sitzt zwei Meter entfernt in seinem schwarzen Sessel und hat den ebenfalls schwarzen Spielcontroller fest in der Hand, mit dem er ein virtuelles Abbild von sich selbst steuert, das gerade bei einem Basketballspiel auftrumpft.

Erst blockt er den Wurfversuch eines Gegenspielers und versenkt den Ball dann von der Dreipunktelinie im Korb. Die tausenden Zuschauer in der virtuellen Basketballarena sind außer sich. Ein „Purps, Purps, Purps“ schallt durch die Halle. Wenig später, als sein Team gewonnen hat, legt Paul den Spielcontroller zur Seite.

Videospiele machen Sportarten für Jugendliche interessant

Ausflüge wie diese in virtuelle Spielwelten macht der 15-Jährige aus Jahnberge (Havelland) nahezu täglich. Wenn die Schule in Rathenow und das mindestens dreimal pro Woche stattfindende Bowlingtraining in Premnitz geschafft sind, schaltet er gerne seine Spielekonsole ein, die er sich zu Ostern in 2017 zugelegt hat.

„Es macht einfach Bock, darauf zu spielen. Ich kann gar nicht genau sagen, warum“, sagt Paul. Dabei haben es ihm besonders zwei Spiele angetan: Die Basketballsimulation „NBA 2k19“ und „Fifa 2019“, der aktuelle Ableger der erfolgreichsten Fußballsimulation der Welt.

Beide Spielreihen begleiten ihn schon eine ganze Weile. „Fifa spiele ich bereits seit meiner ersten Konsole, die ich 2011 zu Weihnachten geschenkt bekommen habe“. Zu diesem Zeitpunkt ist er acht Jahre alt. Die Simulation habe ihn auch motiviert, nicht nur in der virtuellen, sondern auch in der realen Welt Fußball zu spielen, wo er bis 2017 noch bei Eintracht Friesack dem runden Leder hinterherjagte.

Millionen Videospieler in Deutschland

34,4 Millionen Deutsche spielten laut Jahresreport der Branche im vergangenen Jahr mindestens gelegentlich Videospiele an Konsolen, Computern oder Smartphones. Davon sind 47 Prozent Frauen. Dabei stellen die über 50-Jährigen mit 9,5 Millionen Menschen die größte Gruppe dar. Darauf folgen mit 5,8 Millionen Menschen die Zehn- bis 19-Jährigen.

71 Prozent der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland spielen Erhebungen des Digitalverbands Bitkom zufolge mindestens gelegentlich Computer- und Videospiele. Auf das Land Brandenburg hochgerechnet, wären das mehr als 200 000 Jugendliche und junge Erwachsene. Konkrete Länderdaten gibt es nicht.

Verabredungen mit Freunden an der Spielekonsole

Auch Basketball, in Deutschland ein Nischensport, begeistert ihn seit anderthalb Jahren. Das Spielen im Schulsport, wo er selbst dribbelt, Pässe spielt und Körbe macht, liefert die Initialzündung: „Die rasanten Spielzüge und die Dunks sind cool. Es ist ein wirklich eindrucksvoller Sport“, sagt der 15-Jährige.

So eindrucksvoll, dass er bis spät in die Nacht wach bleibt, um Spiele der US-amerikanischen Liga NBA den Schlafstunden zu opfern.

Seit einer Weile brennt Paul für den Basketballsport und hat sich einen eigenen Basketball zugelegt. Dabei spielt er nicht nur Basketball in der virtuelle Welt, sondern zum Beispiel auch im Schulsport. Quelle: Friedrich Bungert

Pauls Ausflüge in die virtuelle Welt sehen seine Eltern nicht so gerne: Wenn ihr Sohn teilweise über Stunden an den Fernseher gefesselt ist, kein Wort spricht, sich im Spieletunnel befindet.

Dabei spielt der 15-Jährige, auch wenn niemand mit ihm vor der Konsole sitzt, meist nicht allein. Vor allem bei der Fußballsimulation Fifa verabredet er sich regelmäßig mit Freunden aus Nauen, Rathenow und Paulinenaue.

Keine gleichaltrigen Mitspieler in Jahnberge

Beim Kommunikationsdienst Whatsapp haben sie eine Gruppe erstellt, in der sich die zehn Jungen und Mädchen zum Spielen verabreden, aber auch „lustige Bilder und Videos“, wie Paul sagt, miteinander teilen.

Dass er sich mit einem Gleichaltrigen aus seinem Heimatdorf zum gemeinsamen Spielen verabredet, ist nicht möglich: „Es gibt hier in Jahnberge niemanden, der so alt ist wie ich, mit dem ich an der Konsole spielen könnte“, sagt der 15-Jährige.

Auch, wenn Paul alleine im Zimmer sitzt, kommuniziert er über seine Videospielkonsole mit anderen Freunden über das Internet und verabredet sich zum Spielen. Quelle: Friedrich Bungert

Seine rund sieben Jahre jüngere Schwester Maya und Mutter Stefanie habe er auch schon für eine Runde Fifa gewinnen können. „Das hat denen aber nicht so Spaß gemacht. Sie interessieren sich nicht für Fußball. Und dann habe ich auch noch mit 11:0 gewonnen“, sagt Paul.

Welche Fähigkeiten Videospiele fördern können

Er könne nachvollziehen, warum seine Eltern seine Videospielbegeisterung kritisch sehen: „Sie sind nicht von den Konsolen und den Spielen überzeugt, weil sie selbst keine Videospiele spielen und auch nie Erfahrungen mit ihnen gemacht haben.“

Dabei ist mittlerweile belegt, welche geistigen und körperlichen Fähigkeiten Videospiele ausbauen können. Sie verbinden über das Internet nicht nur Menschen miteinander und schärfen ihre sozialen Fähigkeiten. Sie helfen, die eigene Motorik zu trainieren und fördern das räumliche Vorstellungsvermögen. Gleichzeitig tragen sie zum Entspannen bei und sorgen dafür, dass Videospieler in andere Rollen schlüpfen und damit die reale Welt durch die Erfahrungen aus der virtuellen Welt mit anderen Augen betrachten.

Handmotorik hilft Paul als Bowlingspieler

Gerade die Handmotorik spielt für Paul als Bowlingspieler eine besondere Rolle: Seit September 2018 spielt der 15-Jährige seine erste Bundesligasaison beim TSV Chemie Premnitz.

In seinem Team ist er mit Abstand der jüngste Spieler, was aber kein größeres Problem sei. „Wir verstehen uns richtig gut: auf- und außerhalb der Bowlingbahn“, sagt der Jahnberger.

In seinem Zimmer hat Paul Purps auch diverse Medaillen und Pokale aufbewahrt, die er als Bowlingspieler bereits gewonnen hat. In 2019 könnten hier noch einige dazukommen. Quelle: Friedrich Bungert

Hier lehrt er mit seinen Leistungen den Kegeln und vor allem seinen Gegnern das Fürchten, spielt er Anfang Januar „das Turnier seines Lebens“, wie sein Vereinstrainer Peter Lorenz Pauls zweiten Platz bei der „Open New Year Challenge“ zusammenfasst. Damit hat er sich das Ticket zur Junioren-Europameisterschaft in Wien gesichert, bei der er Deutschland im April vertritt. Er gilt als Top-Talent der deutschen Bowling-Nationalmannschaft.

Paul Purps spielt auch Bowling an Spielekonsole

Bei der Frage, ob er auch schon Bowling an der Spielkonsole gespielt habe, grinst er: „Na klar, an der Wii.“ Das Sportsimulationspaket Wii Sports enthält neben Golf und Boxen eben auch Bowling als virtuelle Sportart.

„Das hat echt gefetzt“, sagt er. Und das, obwohl er dabei auf der virtuellen Bowlingbahn schlechter abgeschnitten hat als beim Bowlen in der Realität: „Das war kein Problem. Das ist ja zum Glück nur ein Spiel gewesen“, sagt Paul Purps.

Von Fabian Lamster

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