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Waschechter Wessi, der auf Trabis total abfährt

Döberitz Waschechter Wessi, der auf Trabis total abfährt

Dass frühere Bewohner der DDR ein Herz für den Trabant haben, muss niemanden wundern. Schließlich war er schwer zu bekommen und musste ewig halten. Erstaunlich ist aber, dass der waschechte Wessi Manfred Hüsges, heute Inhaber des DDR-Museums Döberitz, auf den Trabi total abfährt. Zu besten Zeiten hatte er 60 Trabis zu Hause in Mönchengladbach zu stehen.

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In seinem Döberitzer DDR-Museum hat Manfred Hüsges allein vier Trabi-Modelle zu stehen.

Quelle: fotos: Bernd Geske

Döberitz. Dass viele frühere Bewohner der DDR ein Herz für den Trabant haben, dessen allererstes Modell vor 60 Jahren produziert worden ist, muss niemanden wundern: Mehr als ein Jahrzehnt mussten sie auf einen Neuwagen dieses Typs warten. Sie hegten und pflegten ihre Fahrzeuge, weil sie ewig halten mussten. Und nicht zuletzt hatten diese Autos die berühmte Krückstock-Schaltung, die keiner vergisst, der sie je betätigt hat.

Schwer zu erklären ist dagegen, warum der waschechte Wessi Manfred Hüsges einen Narren an diesen Autos gefressen hat. Bis zu 60 Trabis hatte er zeitweise auf seinem Grundstück in Mönchengladbach zu stehen. Man muss dabei beachten, dass er nach eigenen Angaben bis 1993 überhaupt nichts über die DDR wusste. Über Meiningen sei er in jenem Jahr erstmals per Pkw auf das Gebiet der ehemaligen DDR gefahren, erzählt er: „Ich habe gedacht, ich bin auf einem anderen Planeten.“ Die Autos – vom Barkas über Trabant bis Wartburg – faszinierten ihn heftig. „Ich bin von einem Virus infiziert worden“, sagt er gern zur Erklärung.

Eine kleine Auswahl der Trabi-Modellautos im DDR-Museum Döberitz

Eine kleine Auswahl der Trabi-Modellautos im DDR-Museum Döberitz.

Quelle: Bernd Geske

Warum gerade der Trabant? „Weil mir die Form gefallen hat“ – das sei der Grund. Im Laufe der Jahre hat Manfred Hüsges so viele Gegenstände aus der DDR angehäuft, dass ihm gar nichts anderes mehr übrig blieb, als ein Museum über die Deutsche Demokratische Republik aufzumachen. Auf die frühere Gaststätte am Bammer Weg 5 in Döberitz fiel schließlich seine Wahl. Der Premnitzer Peter Klapp steuerte noch eine Reihe von Exponaten bei und 2014 wurde eröffnet. Am 31. Oktober ging seine vierte Saison zu Ende. Am 1. Mai 2018 macht er wieder auf.

Zehn Trabis besitzt Manfred Hüsges heute noch, von denen er vier in seinem DDR-Museum zeigt. Da ist vor allem der 601 Universal (Laien dürfen Kombi sagen) aus Leipzig, Baujahr 1988, mit dem seine Ostalgie begann. „Er ist daran schuld“, sagt der Chef, „dass ich zu einem DDR-Museum gekommen bin.“ Weil dieser erste Trabi 1993 schon überholungsbedürftig war, hat ihn Manfred Hüsges eigenhändig wieder aufgebaut. So hat er es mit vielen Trabis getan. „Es hat mir Spaß gemacht, daran zu schrauben“, gesteht er lächelnd, „ich mache das heute noch gern.“ Seine zweite DDR-Auto-Liebe namens Barkas darf hier nicht vergessen werden. Gerade erst hat er einen zum Wohnmobil umgebaut.

Einen Trabant hat er samt Anhänger um 8,5 Zentimeter tiefer gelegt

Einen anderen Trabant Universal hat Manfred Hüsges 8,5 Zentimeter tiefer gelegt. Warum? „Weil das geil aussieht!“ Damit es wieder passt, hat er den dazu gehörigen Anhänger HP 350 dann auch noch um das gleiche Maß abgesenkt. Zu sehen im DDR-Museum.

Als absolutes Einzelstück besitzt er einen grünen „Trans“. Den Stil dürfte man heute möglicherweise als Pick-Up bezeichnen: Ein Trabant mit Ladefläche und Plane drüber. Der Hinweis auf dessen originales Glashubdach über den Sitzen vorn muss sein, innen hat er insgesamt viel Leder. Der Trans ist nie in Serie gebaut worden. So wie bei vielen anderen Trabi-Modellen auch hat die Partei- und Staatsführung die Produktion nie erlaubt.

Das Prachtstück des Meisters ist der leuchtend gelbe Trabant als Rallye-Ausführung. Längere Achsen, breitere Reifen, Holzlenkrad. 14 Pokale für cooles Aussehen hat Manfred Hüsges damit gewonnen, als er bei Trabi-Treffen überall in Deutschland war. Übrigens: Als er 1993 in die DDR kam, ist er mit einem offenen amerikanischen Sportwagen „Cobra“ gefahren. 4,7-Liter-Maschine und 368 PS. Als seine Trabant-Liebe entflammte, stand die Cobra elf Jahre nur noch in der Garage – dann hat er sie verkauft.

Von Bernd Geske

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