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Weinberg-Brücke wird auf Herz und Nieren geprüft

Rathenow Weinberg-Brücke wird auf Herz und Nieren geprüft

Die Rathenower Weinberg-Brücke wird in diesem Sommer auf Herz und Nieren geprüft. Das ist ein aufwendiges Unterfangen. Nahezu jeder Quadratzentimeter des Bauwerks muss in Augenschein genommen werden. Drei Monate hat der Prüfer für die Inspektion veranschlagt, 130.000 Euro soll sie kosten.

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Roger Rüdiger bei der ersten großen Inspektion der Weinberg-Brücke nach deren Fertigstellung im Sommer 2014. In diesem Jahr wird der Ingenieur das Bauwerk erneut wochenlang unter die Lupe nehmen.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Drei Jahre nach der Einweihung der Weinberg-Brücke steht in diesem Sommer die erste große Hauptprüfung an. Und die hat es, was den zeitlichen und finanziellen Aufwand angeht, in sich. Gut 130 000 Euro hat die Stadt in den Haushalt eingestellt, um die gesetzlich vorgeschriebene Hauptprüfung nach DIN 1076 – so der ingenieurtechnische Fachbegriff – zu ermöglichen.

Die DIN regelt den Einsatz der Brückenprüfer: „Eine sorgfältige Überwachung und Prüfung der Bauwerke durch sachkundige Personen ist unerlässlich. Mit den Prüfungen ist ein sachkundiger Ingenieur zu beauftragen, der auch die statischen und konstruktiven Verhältnisse der Bauwerke beurteilen kann“, heißt es.

Den Auftrag erhalten hat der Ingenieur Roger Rüdiger aus Neuenhagen. Der ist ein alter Bekannter. Seit Ewigkeiten prüft er die Brücken in der Stadt. Rüdiger war es auch, der die Weinberg-Brücke nach deren Fertigstellung im Sommer 2014 wochenlang unter die Lupe nahm. Die jetzt anstehende Inspektion steht dieser ersten Prüfung in nichts nach. Drei Monate hat Rüdiger für die Arbeiten veranschlagt. Im Oktober muss die Prüfung durch sein, denn am 24. November läuft die Gewährleistung ab. Es ist also die letzte Chance, Ansprüche gegenüber den Baubetrieben geltend zu machen. Auch im Sinne der Stadt sollte der Prüfbericht, den Rüdiger erstellt – vor allem das Mängelprotokoll – so akribisch und ausführlich ausfallen wie irgend möglich.

350 Meter lang ist die Weinberg-Brücke

350 Meter lang ist die Weinberg-Brücke. Viel Arbeit für den Prüfer.

Quelle: Kniebeler, Markus

350 Meter lang, zwei Bögen, 16 Stützpfeiler — die schiere Größe des Bauwerks lässt ahnen, wie aufwendig eine Prüfung ist. „Im Grunde muss jeder Quadratzentimeter begutachtet werden“, sagt Rüdiger. Damit nicht genug. Jedes Bauteil, jede Schweißnaht, jede Schraube ist zu dokumentieren – mit Fotos, Zeichnungen, Erklärungen. Allein die Schichtdickenprotokolle, die den Zustand des Korrosionsschutzes aufzeigen, werden einen eigenen Ordner füllen. Bei einer Brücke, die zu großen Teilen aus Stahl besteht, hat der Korrosionsschutz eine überragende Bedeutung. „Wurde da unsachgemäß gearbeitet, kommt der Rost schneller als man gucken kann”, sagt der Ingenieur.

Schwierig und aufwendig wird die Prüfung vor allem, weil große Teile der Brücke nur mit Spezialtechnik erreichbar sind. An die beiden Bögen etwa kommt Rüdiger nur mithilfe eines Krans mit extra großem Ausleger heran. Und um die unteren Bereiche der Brücke in Augenschein zu nehmen, muss ein Schwimmponton mit Hebebühne eingesetzt werden. „Der logistische Aufwand ist enorm“, sagt Rüdiger. Zumal auch die aktuelle Witterung berücksichtigt werden muss. Bei Sturm etwa ist ein Kraneinsatz nicht möglich. Und auch ein gleißend heller Sommertag eignet sich nur bedingt für die Dokumentation. „Bei voller Sonneneinstrahlung sehen Sie auf einem Detailfoto nichts“, sagt Rüdiger.

Ein Großteil der veranschlagten Summe geht übrigens für die Miete der genannten Spezialtechnik drauf. Und für die Schaffung der baulichen Voraussetzungen. Damit der mobile Kran mit dem Riesenausleger sicher an seinen Einsatzort gelangen und dort standfest aufgestellt werden kann, müssen Zufahrtswege und der Untergrund entsprechend befestigt werden.

Im Rahmen der Prüfung wird untersucht, ob die Brücke standsicher, verkehrssicher und dauerhaft ist. Sollten Mängel festgestellt werden, muss außerdem geklärt werden, ob der Baubetrieb diese im Rahmen seiner Gewährleistung abzustellen hat. „Was nicht geprüft wurde, kann auch nicht bemängelt werden“, sagt Roger Rüdiger.

Von Markus Kniebeler

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