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Weitere 100.000 Sandsäcke

Bei Schmetzdorf müssen Deiche weiter gesichert werden Weitere 100.000 Sandsäcke

Die Lage im Milower Land ändert sich. Wegen eines Deichbruchs im benachbarten Sachsen-Anhalt ist die Lage wieder kritsch. Zwischenzeitlich hatte es etwas Entwarnung gegeben. Nun stellt sich der Krisenstab wieder auf den "größten anzunehmenden Ernstfall" ein. Die Deiche werden weiter verstärkt

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In der Sandgrube bei Schmetzdorf haben gestern 100 Soldaten und 35 örtliche Helfer begonnen, weitere neu angelieferte Sandsäcke zu füllen.

Quelle: Bernd Geske

Schmetzdorf. Innerhalb weniger Stunden hat sich am Dienstagabend das Bild der Hochwasserlage für Schmetzdorf und Zollchow komplett geändert. Eben noch hatten Milower-Land-Bürgermeister Felix Menzel und Zollchows Ortsvorsteher Wolfgang Gräfe geäußert, die große Gefahr für die beiden Dörfer sei wohl vorbei. Da veranlasste die geänderte Situation den Krisenstab des Kreises, sich nun doch auf den größten anzunehmenden Ernstfall einzustellen. „Das Wasser vom Deichbruch bei Fischbeck nähert sich seit den frühen Abendstunden durch die Grabensysteme Schmetzdorf“, hat der Krisenstab um 20.47 Uhr mitgeteilt.

Deshalb wird nun auf der Straße zwischen Schmetzdorf und Zollchow ein zirka 3,5 Kilometer langer und durchschnittlich 50 Zentimeter hoher Behelfsdeich aufgeschüttet. Außerdem sind weitere 100 000 Sandsäcke angeliefert worden, die gefüllt werden sollen. Sie sind dafür vorgesehen, mit ihnen den Behelfsdeich zu verstärken, falls es an einigen Stellen notwendig werden sollte. Nicht zuletzt sind alle Gräben, die in Richtung der Orte fließen, noch am Dienstagabend mit Stahlplatten und sogenannten Big Bags (große gefüllte Kunststoffsäcke) verschlossen worden.
Wie Lutz Wirtz, gestern Vormittag Einsatzleiter der Schmetzdorfer Feuerwehr, dieser Zeitung sagte, hatten sich einige Verantwortliche des Ortes am Abend selbst einen Eindruck des Hochwassers verschafft und daraufhin entschieden, sich auf eine ernstere Lage vorzubereiten. Deshalb hätten bereits gegen 21 Uhr rund 30 Schmetzdorfer Feuerwehrleute und Helfer begonnen, weitere Sandsäcke zu füllen. Gegen drei Uhr in der Nacht seien sie von 35 Feuerwehrleuten aus Bahnitz, Bützer und Großwudicke abgelöst worden.

Ab 8 Uhr am Morgen trafen dann gestern insgesamt 100 Soldaten des Bundeswehr-Einsatzverbandes „Baden-Württemberg“ ein, um beim Füllen der Sandsäcke zu helfen. Sie beendeten ihren Einsatz gegen 16 Uhr. Wie deren Kommandeur Oberstleutnant Mario Wilke dieser Zeitung sagte, hatten am Vortag noch 50 Soldaten in Rathenow beim Füllen von Sandsäcken geholfen. Außerdem unterstützten 150 Soldaten des Einsatzverbandes in der vergangenen Nacht die Evakuierung von Wust. Ihr Kommandeur hatte beschlossen, der Brandschutzeinheit Havelland der Feuerwehr zu helfen, die mit dieser Aufgabe betraut worden war. „Meine Soldaten hatten gut zu tun“, hat Mario Wilke gesagt, „aber sie sind auch weiterhin hoch motiviert.“ Der Zuspruch aus der Bevölkerung sei prima. Als die Soldaten gestern Mittag zum Essen nach Rathenow abrücken sollten, hätten sie darum gebeten, ihnen die Mahlzeit in die Schmetzdorfer Sandgrube zu bringen.

Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass das tatsächlich passiert: Die rund 3,5 Kilometer lange Straße zwischen Schmetzdorf und Zollchow wird als Behelfsdeich gegen das Hochwasser hergerichtet. Dazu wurden zunächst am Dienstagabend alle Gräben verschlossen, die unter der Straße hindurchführen. Außerdem begann noch in der Nacht eine Baufirma damit, auf der westlichen Hälfte der Fahrbahn einen Damm aus festem Erdreich aufzuschütten und zu verdichten. Durchschnittlich dürfte er einen halben Meter hoch sein. Die Stärke variiert, weil es darum geht, dass die Oberkante ein gleichbleibendes Höhenniveau erreicht.

Am Dienstagabend und gestern Vormittag waren in den Gräben Richtung Schmetzdorf/Zollchow stärkere Fließbewegungen zu sehen. Das Wasser stieg aber nur wenig an. Gestern gegen 16 Uhr hat der Krisenstab des Landkreises dann mitgeteilt, in den Gräben zwischen Wust und Schmetzdorf befinde sich weiterhin Wasser, es fließe aber nur in sehr geringem Maße über die Kreisgrenze. Ein erster Behelfsdeich war bis Montagabend auf dem Alten Sydower Weg bei Zollchow aufgeschüttet worden. Er ist rund einen Kilometer lang und etwa 60 Zentimeter hoch. Beide Behelfsdeiche zusammen bilden eine Art großes Hufeisen, das mit seiner offenen Seite in Richtung Westen zeigt. Würde das Hochwasser tatsächlich bis dorthin gelangen, würden beide Deiche nicht nur Schmetzdorf und Zollchow, sondern auch die weiter östlich liegenden Bereiche schützen. Der Krisenstab hat aber gestern Nachmittag erklärt, die Lage für das südwestliche Havelland stelle sich nunmehr als „nicht so dramatisch“ dar, wie es noch am Vorabend ausgesehen hatte.

Von Bernd Geske

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