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Havelland Das Gefühl der Leere in den Händen
Lokales Havelland Das Gefühl der Leere in den Händen
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18:28 31.05.2014
Ein Bruch mit alten Gewohnheiten ist gar nicht so leicht. Der heutige Weltnichtrauchertag könnte Anlass sein, gute Vorsätze umzusetzen. Quelle: dpa
Havelland

Fünf Jahre ist es her, da beschloss Wilhelm Garn, von jetzt auf gleich mit dem Rauchen aufzuhören. Es war auf dem Rückweg von Bayern nach Brieselang (Havelland), der Bürgermeister saß mit seiner Frau im Auto. „Haben wir noch genug Zigaretten?“, fragte er kurz hinter München, wie er es schon so oft in seinem Leben gefragt hatte. „Eine Schachtel ist noch da“, sagte seine Frau. „Dann rauchen wir die jetzt – und dann hören wir auf“, sagte Garn, einer spontanen Eingebung folgend.

Bis zu diesem Tag war Wilhelm Garn jemand gewesen, den man eigentlich nie ohne Kippe im Mund gesehen hatte. Sein erster Weg am Morgen führte ihn in den Zigarettenladen. Er hatte immer genug Kleingeld für den Automaten dabei, um nicht unversehens auf dem Trockenen zu sitzen. Er rauchte in seinem Büro, obwohl er damit das Gesetz übertrat. „Rauchen war für mich so normal wie Zähneputzen und Schnürsenkelbinden“, sagt er. „Es ist eine Sucht, über die man nicht nachdenkt.“

Die Schachtel reichte bis zum Berliner Autobahnring. Dann war Schluss. Garn, damals Mitte Fünfzig, schraubte seine tägliche Zigarettendosis radikal von 70 auf null herunter. „Die ersten 14 Tage waren grausam“, erinnert er sich. Ihm habe ja nicht nur das Nikotin gefehlt – er wusste auch nicht, was er mit seinen Fingern anfangen sollte. „Als Kettenraucher hat man immer etwas in den Händen.“ Und die waren nun plötzlich sehr, sehr leer.

Tipps zum Aufhören

Nikotinhaltige Ersatzprodukte wie Pflaster oder Kaugummis, mit denen Entzugserscheinungen erträglich werden sollen, sind in der Apotheke erhältlich. Wirksamkeit: umstritten.
Tabletten zur Entwöhnung sind verschreibungspflichtig und können eine Reihe von Nebenwirkungen haben. Daher wird die Einnahme nur unter ärztlicher Aufsicht empfohlen.
Gut verträglich sind alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur und Hypnose.
Die elektronische Zigarette, in der eine mit Nikotin versetzte Flüssigkeit verdampft wird, kann beim Aufhören helfen, wenn die Nikotindosis kontinuierlich heruntergeschraubt wird.
Leichter gesagt als getan: Das Entscheidende ist der Wille.

Das Gefühl der Leere in den Händen, im Gesicht – das gehört laut der Schönwalder Allgemeinärztin Uta Krieg-Oehme zu den typischen Entzugserscheinungen bei der Raucherentwöhnung. „Aufhören geht vom Kopf aus. Es hängt vom eigenen Willen ab“, sagt sie. Eine Rolle spiele auch das Umfeld und der Bekanntenkreis. Eine Ursache fürs Weiterrauchen sei zudem oftmals Langeweile. Dabei lohne es sich wirklich aufzuhören: „Ich habe so viele Raucher sterben sehen, ich weiß, wovon ich spreche“, sagt die Medizinerin.

Dass der Qualm die Gesundheit gefährdet, weiß mittlerweile wohl jedes Kind. Raucher aber blenden die Risiken meist aus, wie Uta Krieg-Oehme erfahren hat. Das bestätigt auch Elke Krüger aus Rathenow, seit 20 Jahren Raucherin. „Ich habe noch nie das Bedürfnis gehabt aufzuhören. Ich rauche gern“, sagt die 41-Jährige. Dass der Tabakdunst vor allem Herz und Lungen, Haut und Atemwegen schadet, weiß sie genau. Aber so lange sie körperlich keine Probleme habe, werde sie weiter rauchen, „um runterzukommen, zur Entspannung“.

Wer dagegen aufhört – warum nicht am heutigen Weltnichtrauchertag?! – der verbessert unter anderem auch seinen Genuss beim Essen und Trinken. „Raucher schmecken nur noch die Grundrichtungen süß, sauer, salzig und bitter. Es fehlt ihnen die Geschmacksvielfalt“, sagt Uta Krieg-Oehme. Daher äßen Raucher auch oft zu wenig Obst und Gemüse, obwohl gerade sie größeren Bedarf daran haben – weil es nur sauer und wenig abwechslungsreich schmecke. Der Verzicht auf Zigaretten reduziere nicht zuletzt alle Krebsarten deutlich. Insgesamt werde man leistungsfähiger. „Nur die chronische Bronchitis schreitet voran, auch wenn man mit dem Rauchen aufhört – aber langsamer“, sagt die Ärztin.

Wilhelm Garn hat seinen Schritt weg vom Qualm nicht bereut. Er fühlt sich gesünder, hat saubere Luft zu schätzen gelernt, freut sich, dass sein Büro nicht mehr stinkt. „Ich habe jetzt auch keinen Druck mehr, mich ständig um Zigaretten zu kümmern“, sagt er. Das Rauchverbot im Rathaus wird jetzt strikt eingehalten, die Mitarbeiter mit Schmacht müssen vor die Tür. „Herr Garn ist da wegen seiner eigenen Erfahrungen sehr tolerant. Ab und zu aber väterlich-besorgt mit kleinen Spitzen“, sagt Sebastian Häussler, Raucher und in Brieselang zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Ja, ich mach’ da schon mal einen Spruch. Aber ich kann niemanden zwingen, aufzuhören“, sagt Garn. Ob Tabletten, Pflaster oder Hypnose: „Es gibt kein Patentrezept, wie man vom Rauchen loskommt.“

Für ihn selbst funktionierte es vor fünf Jahren nur ganz radikal. Um seine zigarettenleeren Hände zu vergessen, beschäftigte seinen Kopf, wie er sagt. „Ich kann nur jedem raten, es zu versuchen. Wenn es mit der einen Methode nicht klappt, dann vielleicht mit einer anderen“, sagte er. Ähnlich formuliert es Uta Krieg-Oehme: „Es lohnt sich in jedem Fall, es immer wieder zu versuchen“, sagt sie.

Drei Raucher und ihr Kampf gegen das Laster

„Ich versuche bei jeder Erkältung aufzuhören. Aber ich will auch abnehmen, und wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, dann esse ich immer ganz viel Schokolade. Das kann ich dann auch nicht gebrauchen. “
Nadine Swiers (34), Nauen

„Rauchen ist nicht zu empfehlen, es ist ekelhaft. Ich rauche jeden Tag zwei Schachteln. Noch habe ich aber keine körperlichen Einbußen, die mich zum Aufhören zwingen würden.“
Frank Kruse (50), Spandau

„Wenn die Eltern rauchen, ist es leicht, an Zigaretten zu kommen. Ich habe mit 14 angefangen. Aufhören ginge bei mir nur von heute auf morgen: Weniger zu rauchen bringt nichts.“
Anne Böttcher (24), Staaken

Von Jana Einecke

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