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Weltrekord beim Ketziner Fischerfest

Tausende Besucher in Ketzin Weltrekord beim Ketziner Fischerfest

Auf dem Seil zum Weltrekord: Der 24-jährige Hochseilartist Dean Schmidt hat sein Motorrad mit gut 78 Kilometer pro Stunde auf einem Seil über dem Ketziner Fischerfest in gut 40 Meter Höhe gelenkt. Weltrekord! Tausende Besucher haben ihm am Wochenende in Ketzin dabei zugesehen. Die 25. Auflage des Traditionsfestes hatte aber noch mehr zu bieten.

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Dean Schmidt (24) hat beim Fischerfest in Ketzin für die Artistenfamilie Traber einen Weltrekord aufgestellt.

Quelle: Wolfgang Balzer

Ketzin/Havel. Weil es schon vor 200 Jahren Tradition war, nach der Ernte das „große Garn“ zum Fischzug auszulegen, übernahm das beim 25. Ketziner Fischerfest am Wochenende der heimische Fischermeister Lutz Schröder. Mit Schwung setzte er die frisch gekürte Fischerkönigin Sofie Reinschlüssel in das Boot mit dem „großen Garn“. „Sie soll Glück bringen“, verkündete er. Und das hat sie auch. Nach dem mühevollem Einholen des 480 Meter langen Schleppnetzes bebte das Wasser im Fischkorb. Lutz Schröder hob einen rund 20 Kilogramm schweren und 1,5 Meter langen Wels in die Höhe. Schnell gingen bei der folgenden Versteigerung die Angebote in die Höhe: 50 Euro, 60…. 80, und 90 zum dritten, verkündete Hobby-Auktionator Udo Feist. Alexander Siewert aus Wustermark, selbst Angler, freute sich über den Zuschlag. „Ne, so einen habe ich noch nicht gefangen“, gab er zu.

Weder der aufkommende Sturm noch Unmengen von Kraut im Netz konnten dem Fischer und seinen fünf Helfern die Freude über die vielen großen Hechte, Aale, Rapfen und auch Karpfen, die allesamt nach einer Stunde ihren Abnehmer unter den mehrere hundert Zuschauern fanden, vermiesen. Udo Feist war froh, das bei drückender Hitze überstanden zu haben. „Es ist nicht leicht, einen kapitalen Sechs-Kilo-Hecht während der Gebote minutenlang in die Höhe zu halten. Einen solchen vom Papa ersteigerten Hecht holte Aaron Gerlach (10) für 55 Euro ab. „Den nehmen wir mit zur Oma nach Neufahrland. Sie kennt die besten Rezepte“, freute sich der Sprössling.

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Gleich drei attraktive und gut besuchte Veranstaltungen versetzten das Fischerstädtchen am Wochenende in den Ausnahmezustand. Bahnfans zog es zum Eisenbahnfest, der Seesportclub lud zum Havelfest mit dem spektakulären Wettbewerb im Kutterrudern und an der ganzen Havelpromenade wurde drei Tage lang das Jubiläumsfischerfest gefeiert.

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Besonders spannend wurde es am Sonnabendabend. Im Schein der über der Havel untergehenden Sonne waren die Blicke der mehr als 1000 Zuschauer nach oben gerichtet. Auf einem 200 Meter langen und zwischen zwölf und 40 Meter Höhe schräg gespannten Seil probte Dean Schmidt vom Potsdamer Hochseilteam Schmidt mit seiner speziell hergerichteten 650er BMW-Maschine. „Ich habe mit meinem Sohn abgesprochen, dass wir in Ketzin einen Weltrekordversuch starten, wenn wir den Zuschlag für die Ausrichtung dieses Jubiläumsfestes bekommen“, erzählte Vater Roland Schmidt.

Also galt es nun, den eigenen, 1986 in Berlin aufgestellten Weltrekordes zu überbieten. Der stand bei 56 km/h auf einer Strecke von 200 Metern. Immer wieder probte Dean Schmidt die Beschleunigung. Schließlich durften die Räder auf dem 16 Millimeter-Stahlseil nicht durchdrehen. Dann heulte die Maschine auf. Dean Schmidt schraubte den Weltrekord auf 78 km/h, womit der Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde in Aussicht steht. „Ich bin fix und fertig“, gestand der neue Weltrekordler nach dem Gratulationsmarathon und einer Umarmung der Fischerkönigin.

Fischerfesttradition

Fischerfeste wurden in Ketzin/Havel bereits im 19.Jahrhundert gefeiert. In der von Lehrer und Ortschronist Fritz Hummel geschriebenen Ortschronik gestalteten sie sich schon damals zu Volksfesten.

Die Fischzüge fanden anders als heute auf dem Trebelsee statt. Dazu verließen um 7 Uhr die Kähne ihren Liegeplatz. Auf dem ersten saßen die Ketziner Stadtmusikanten, auf den beiden folgenden die Fischer mit den Netzen und der vierte war dem Fang vorbehalten.

Als Belohnung gab es nach dem Fischfang am Ketziner Ufer eine Flasche „Fangwasser“. Eine Tradition, die auch am Sonnabend und Sonntag vom Bürgermeister zelebriert wurde.

Große Vorfreude herrschte bei Ketzinern und Gästen am Sonntagmittag vor dem Festumzug. „Ketzin erblüht“ lautete das diesjährige Motto. Etwa 300 Mitwirkenden zeigten in Bildern die Geschichte der Stadt von der urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 1197, als der Markgraf dem Bischof von Brandenburg die Ketziner Kirche schenkte, bis zur Neuzeit mit den verschiedenen Vereinen und Betrieben. Allen voran in einem von einem Auto gezogenen Fischerkahn saßen Bürgermeister Bernd Lück in einer historischen Robe, Fischerkönigin Sofie Reinschlüssel und Fischermeister Lutz Schröder samt Gattin. An der Spitze des Zuges liefen Mädchen in ihren mit Blüten geschmückten Reifröcken. „Mehrere Wochen haben die Frauen von der Arbeitsgemeinschaft Künstlerische Textilgestaltung geschneidert, weit über 200 Blüten dafür genäht“, erzählte Ingrid Ganzer.

So prominierten sie alle durch die Altstadt: der Markgraf und der Kurfürst, die Fischer und König Friedrich Wilhelm I. Weil nach der Überlieferung seine Kutsche auf den schlechten Ketziner Straßen Probleme hatte, bevorzugte er lieber ein modernes Cabrio. Viel Beifall gab es für die jüngsten Ketziner. Die Falkenrehder Kinder der Kita „Wirbelwind“ stellten die Vogelhochzeit dar, die Paretzer „Havelfrüchtchen“ erinnerten an die Windmühlenzeit. Und weil es bisher nur Fischerköniginnen gab, war aus Eigeninitiative sogar die erste Ketziner Blütenkönigin präsent.

Von Wolfgang Balzer

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