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Wenige Schüler wollen in der Heimat bleiben

Havelland Wenige Schüler wollen in der Heimat bleiben

Das Berufsorientierungs-Projekt „Komm auf Tour“ macht wieder im Havelland Station. Bis zum Ende der Woche lernen die Siebtklässler aus nahezu allen Schulen des Landkreises auf spielerische Weise ihre speziellen Stärken kennen. Eine bittere Erkenntnis zu Beginn: Nur wenige der jungen Leute können sich vorstellen, später in der Heimat zu leben.

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Jasmin, Vanessa, Vivien und Nure testen sich bei „Komm auf Tour“ in der sturmfreien Bude aus, sie beziehen gemeinsam ein Bett.

Quelle: Andreas Kaatz

Friesack. Der Spaß kam am Dienstag auf keinen Fall zu kurz. Emmi saß kichernd im Schrank unter der Spüle. Selin und Anna versuchten derweil, einen Abfluss vorzumontieren, damit Emmi ihn dann anbringen kann. Irgendwann klappte es. Zwei Meter weiter bezogen Jasmin, Vanessa, Vivien und Nure in der sturmfreien Bude ein Bett und dekorierten die Kopfkissen mit einem Stoffherzen und Blumen. Nebenan lief danach das „Fernsehprogramm Loveline“, bei dem eine Mitschülerin im Stil von Erika Berger Fragen zum Thema Sexualität beantwortete. Und das sehr souverän.

Seit Dienstag geht es wieder um Berufsorientierung und Lebensplanung für die Siebtklässler aus fast allen Schulen des Havellandes. Denn das Schülerprojekt „Komm auf Tour“ macht in der Sporthalle der Koop-Schule in Friesack Station. Einer der Moderatoren ist Marco Merz. „Im Spiel lernen die Kinder ihre Stärken kennen. Wir geben die Infos an die Lehrer weiter, die dann damit arbeiten“, sagt er. Erstmals lernen die Kinder an dem Tag auch die Berufsberater kennen, die in Zukunft für sie zuständig sein werden.

Fähigkeiten, die die Kinder unter Umständen besitzen, sind beispielsweise die Zahlenstärke/Logisches Denken, Kreativität, Reden, Hilfsbereitschaft, Ordnungssinn oder handwerkliches Geschick. An sechs Stationen können sie sich dazu ausprobieren – ob im Zeittunnel, in der sturmfreien Bude, im Labyrinth oder auf der Bühne. Wer gerne Ordnung hält, ist möglicherweise später in der Logistik richtig. Hat er hingegen Spaß daran, selbst sein Fahrrad zu reparieren oder Glühbirnen zu wechseln, wäre vielleicht der Beruf des Mechatronikers der richtige.

Gewisse Vorstellungen von ihrem Leben haben die Kinder aber bereits, wie Marco Merz feststellen konnte. So richtete er zu Beginn des Erlebnisparcours an die 13- und 14-Jährigen die Frage, wie es bei ihnen im Jahre 2026 aussehen könnte. Nur sechs Schüler hielten es für möglich, dass sie dann verheiratet sein werden, und noch weniger, dass sie schon Kinder haben. Hingegen können sich sehr viele Teenager vorstellen, dass sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Landkreis Havelland sein werden.

Genau das aber will Landrat Roger Lewandowski (CDU) mit dem Schülerprojekt verhindern. „Wir würden uns freuen, wenn die Schüler später im Landkreis bleiben, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken“, sagt er. Deshalb wird auch für Berufe geworben, die im Havelland erlernt werden können. „Das Ziel besteht darin, dass die Jugendlichen auf spielerische Art ihre Stärken entdecken und sich später im Rahmen von Praktika ausprobieren können“, sagt Lewandowski. So will man auch die Abbrecherquote bei Ausbildungen minimieren.

Der Landrat, der 2009 als Dezernent „Komm auf Tour“ erstmals in den Landkreis geholt hat, spricht von einer Erfolgsgeschichte. In den letzten Jahren seien immer rund 740 Schüler bei dem Projekt dabei gewesen, um sich frühestmöglich mit Berufsorientierung zu befassen. „Und dass wir schon 360 Anmeldungen für den Elternabend am Donnerstag haben, zeigt, dass sich die Eltern, die wichtige Partner für uns sind, für das Thema interessieren.“ Organisiert wird „Komm auf Tour“ zusammen vom Landkreis und der Bundesagentur für Arbeit, die sich schon das vierte Jahr die Kosten von 50 000 Euro teilen, seit das Land kein Geld mehr dazu gibt.

Von Andreas Kaatz

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