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Wenn die Demenz zur Gewissheit wird

Nauen Wenn die Demenz zur Gewissheit wird

Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21. September wird in Nauen ab Montag wieder eine Demenzwoche durchgeführt. Mit Hilfe verschiedener Veranstaltungen soll die Bevölkerung für das Krankheitsbild und für die Probleme der pflegenden Angehörigen sensibilisiert werden. Die Palette reicht von der Filmvorführung bis zum Gartenfest.

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Fotos helfen Demenzkranken, sich zu erinnern und somit ihre Identität zu bewahren.

Quelle: Imago stock & people

Nauen. Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, dann verändert er sich. Die engsten Angehörigen spüren als erste, dass etwas nicht stimmt, dass er nicht mehr so wie früher ist. Das erlebt Margit Müller* seit geraumer Zeit auch bei ihrem Schwager. Mal verhält er sich scheinbar ganz normal, dann ist er plötzlich aufbrausend, wirft Geschirr vom Tisch. Kann sich an viele Sachen nicht mehr erinnern.

Eine Entwicklung, die Margit Müller akzeptiert hat: Sie versucht sich bei ihren regelmäßigen Besuchen in der Wohnung ihrer Schwester darauf einzustellen. Eines allerdings ärgert sie, nämlich dass sich Menschen im unmittelbaren Umfeld, mit denen er früher viel zu tun hatte, zurück ziehen. „Ein Nachbar hat gesagt, dass er jetzt nicht mehr weiß, ob er sich mit ihm unterhalten soll. Das finde ich nicht gut“, sagt die Havelländerin. Sie möchte generell nicht, dass Demenzkranke als Aussätzige abgehandelt werden, dass man den Kontakt zu ihnen vermeidet. „Die Menschen sollen vielmehr spüren, dass sie dazu gehören. Sie sollen am Leben weiter teilhaben.“

Was richtig, was falsch ist, lernt sie auch in der Gruppe von Angehörigen Demenzkranker, die regelmäßig in Nauen zusammen kommt. Dort kann man Erfahrungen austauschen – etwa dazu, wie auf den Demenzkranken richtig reagiert werden sollte. „Man muss ihm das Gefühl geben, dass er nützlich ist. Er sollte bestimmte Dinge so lange wie möglich selber machen“, sagt Margit Müller. Ihr Schwager hat früher noch allein Kaffee gekocht, das kann er jetzt nicht mehr. „Wichtig ist außerdem, dass man ihn immer wieder lobt.“ Sie weiß aber auch, dass er sie und ihre Schwester irgendwann nicht mehr erkennen wird. Den Gedanke daran schiebt sie jedoch noch so weit wie möglich weg.

Hilfe gibt es bei der Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Demenz und deren Angehörigen in Nauen, die Martina Lüttjohann leitet. Der Treff ist jeden dritten Donnerstag im Monat, er wird von den Angehörigen gern angenommen. „Es geht darum, sich auch mal ungezwungen auszutauschen, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf die Befindlichkeiten der Kranken“, sagt sie.

Dort erleben die Angehörigen, dass es ihnen mit ihren Problemen nicht alleine so geht. „Sie erfahren, wie andere mit bestimmten schwierigen Situationen umgehen, möglicherweise auch auf die humorvolle Art“, sagt Martina Lüttjohann. Auch wenn es manchmal schwer falle, wenn es nervt, so müsse man versuchen, angemessen zu reagieren. Beispielsweise, wenn der Demenzkranke dreimal hintereinander die gleiche Frage stellt, „dann darf das nicht in der Form kommentiert werden: Mensch, das habe ich doch schon gesagt.“ Bei den Treffen gehe es zudem um Angebote zur Förderung der an Demenz Erkrankten wie Reha, Tagespflege oder betreute Urlaube, aber auch um die Entlastung der Angehörigen. Zudem werden Fragen zur Pflegeversicherung besprochen, die sich nicht so ohne weiteres erschließen.

Rund um den Weltalzheimertag am 21. September wird es nächste Woche vielfältige Angebote geben. „Ich bin stolz, dass dabei verschiedene Akteure, die sich mit Demenz befassen, etwas anbieten“, sagt die Beratungsstellenleiterin. Darunter ist diesmal auch die Salzgrotte. Martina Lüttjohann geht es mit dieser Demenzwoche darum, die Bevölkerung aufmerksam zu machen auf die Belange jener Familien, die sich um Erkrankte kümmern. Sie möchte, dass die Menschen offen auf Demenzkranke zugehen. Dass man nicht wegschaut, sondern sie ansieht, „so dass die Erkrankten merken, dass sie weiterhin zu uns gehören.Viele standen einst mitten im Leben, waren Lehrer, Busfahrer oder Schweißer.“

Zur Eröffnung der Demenzwoche wird am Montag, 18. September, um 18 Uhr der Film „Eines Tages“ in der Stadtbibliothek gezeigt. Er greift das Thema Vergessen als Krankheitssymptom auf und zeigt auf einfühlsame Weise, wie vielfältig Angehörige auf die Krankheit reagieren. Am Dienstag steht das Thema ab 14.30 Uhr im Mittelpunkt einer Info-Veranstaltung in Berge, und für Donnerstag, 14 Uhr, wird zu einem kleinen Gartenfest mit Musik und Alpakas ins Familien- und Generationenzentrum eingeladen. Dienstag und Mittwoch öffnet die Salzgrotte jeweils um 10 Uhr ihre Türen für einen Besuch von Demenzkranken, Angehörigen und Pflegekräften. Am Donnerstag backen Kita-Kinder und Erkrankte gemeinsam. Bereits am Montag gibt es eine Lesung in der Bibliothek für Schüler der 4./5. Klassen.

Zu den Akteuren gehören neben der Beratungsstelle unter anderem auch das ASB-Seniorenzentrum, das Familien- und Generationenzentrum (FGZ), das Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege, der Verein Mikado und der Behindertenverband Osthavelland. (* Name geändert)

)

Von Andreas Kaatz

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