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„Wenn nötig, muss man in den Krieg ziehen“

MAZ-Interview mit Ralf Tebling „Wenn nötig, muss man in den Krieg ziehen“

Ralf Tebling (SPD) ist einer von vier Kandidaten, die bei der im April anstehenden Wahl den Premnitzer Bürgermeister Roy Wallenta beerben wollen. Im Interview mit der MAZ spricht der 54-Jährige über seine politischen Ziele, kulinarische Vorlieben und seine Zeit als Eisenfuß bei Motor Mögelin.

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Ralf Tebling an einem seiner Lieblingsorte: auf dem Gelände des Mögeliner Sportclubs.

Quelle: Markus Kniebeler

Mögelin. Ralf Tebling (SPD) ist einer von vier Kandidaten, die den Premnitzer Bürgermeister Roy Wallenta beerben wollen. Im Gespräch mit der MAZ redet der 54-Jährige über politische Ziele, kulinarische Vorlieben und seine Zeit als Eisenfuß bei Motor Mögelin.

MAZ: Sie haben für unser Treffen das Sportgelände des Mögeliner SC vorgeschlagen. Was verbindet Sie mit diesem Ort?

Ralf Tebling: Ich bin seit 2002 ehrenamtlicher Bürgermeister von Mögelin, 2006 wurde ich außerdem zum Vorsitzenden des Mögeliner SC gewählt. Beide Ämter habe ich heute noch inne. Von daher ist das Sport- und Gemeindezentrum als Mittelpunkt des sportlichen wie des politischen Lebens ein wichtiger Ort für mich. Hier werden Entscheidungen getroffen, hier wird um Punkte gekämpft und hier wird gefeiert. Außerdem ist das Zentrum das beste Beispiel dafür, dass in der Kommunalpolitik viel bewegt werden kann. Als Mögelin Ortsteil der Stadt Premnitz werden sollte, hatten wir in Mögelin zwei Möglichkeiten. Totalverweigerung oder das Beste aus der Situation herauszuholen. Wir entschieden und für Variante 2 und haben mit Hilfe der so genannten Kopfprämie dieses Zentrum aufgebaut. Dazu kamen Mittel aus den Goldenen Plan des Bundes und aus Grundstücksverkäufen in der Gemeinde. Wenn Sie so wollen, ist das Zentrum mein Kind.

Sie sind Vorsitzender des Sportvereins. Sind Sie auch selber aktiv?

Tebling: Nicht mehr. Aber ich habe als Jugendlicher Fußball gespielt, bei Motor Mögelin – so hieß der Verein damals.

Filigrantechniker oder kompromissloser Abräumer?

Tebling: Na ja, ein begnadeter Fußballer war ich nicht. Aber sehr robust. Eisenfuß haben sie mich genannt. Heute bin ich immer noch Sportfan, aber eher der passiven Art. Vor allem Sport, der mit Bällen zu tun hat, kann mich begeistern.

Haben Sie ein Lieblingsteam?

Tebling: Ich drücke den Fußballern von Energie Cottbus die Daumen. Auch wenn es zurzeit nur zur dritten Liga reicht. Aber in den besten Zeiten war das Team ein Musterbeispiel dafür, wie man aus wenigen Mitteln mit sehr viel Leidenschaft sehr viel macht. Das bewundere ich.

Sie sind seit 1987 in der Kreisverwaltung tätig, sitzen die meiste Zeit im Büro. Müssen Sie sich manchmal mit Menschen auseinandersetzen, die Vorurteile gegenüber Verwaltungsleuten haben?

Tebling: Ja das kommt vor. Sogar die Familie meiner Frau war anfangs skeptisch. Ihre Brüder sind allesamt Handwerker und sehr bodenständig. Für die war ich am Anfang der Fuzzi aus der Verwaltung, der immer mit Schlips zur Arbeit geht. Das weckt Misstrauen. Aber sie haben schnell gemerkt, dass ich ein bodenständiger Typ bin. Die wenigsten wissen übrigens, dass ich auch was „Vernünftiges“ gelernt habe – Maschinen- und Anlagenmonteur. Also schweißen, brennen, im Dreck wühlen.

Bedeutet diese Vorbelastung, dass Sie in ihrer Freizeit viel herumfrickeln?

Tebling: Eher nicht. Als Anlagenmonteur gehört man zu den Grobmotorikern. Die Fummelei, die viele Heimwerker so lieben, ist nicht mein Ding, sonst wäre ich Uhrmacher geworden.

Aber ist nicht auch die Politik mit ihren langen Debatten und der Schwierigkeit, einen Konsens zu finden, eher was für Fummler?

Tebling: Ja, aber das macht mir Spaß. Probleme erkennen, auf Menschen zugehen, argumentieren, ausgleichen, Lösungen finden – das liegt mir.

Aber muss man in der Politik nicht auch mal auf den Tisch hauen und klare Kante zeigen, wie SPD-Urgestein Franz Müntefering es genannt hat?

Tebling: Ja, wenn es nötig ist, muss man auch mal gegenhalten und in den Krieg ziehen. Die Bebauung des Mühlenbergs hier in Mögelin war so ein Fall. Bürgermeister Roy Wallenta war dafür anfangs nicht zu gewinnen. Wir Mögeliner haben dafür gekämpft – und uns am Ende durchgesetzt. Und was wichtig ist: Wir können uns trotz der damaligen Auseinandersetzung heute immer noch in die Augen sehen. Streit in der Sache bedeutet ja nicht, dass man den anderen persönlich angreift. Dies ist mir übrigens ohnehin zuwider.

Zur Person: Ralf Tebling

Ralf Tebling wurde am 25. Februar 1962 in Rathenow geboren. Von 1969 bis 1979 war er Schüler an der heutigen Weinbergschule in Rathenow. Im Zeitraum von 1979 bis 1981 absolvierte er eine Lehrausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur im Wasseraufbereitungswerk Rathenow (WARA), heute MAP. In den Jahren 1981 bis 1987 leistete er seinen Armee- und Polizeidienst.

Seit 1987 ist Tebling Angestellter der Landkreisverwaltung. 1997 schloss er das Studium zum Diplomverwaltungswirt ab. Seit 1990 ist er im Büro des Landrates tätig. Bis 1994 bei Landrat Dieter Dombrowski im Altkreis Rathenow. Seit 1994 im Landkreis Havelland bei Landrat Burkhard Schröder.

1995 heirate er seine Frau Berit. 1997 zog Tebling, der zwei erwachsene Töchter und eine Enkelsohn hat, mit seiner Familie nach Mögelin. 1998 wurde er erstmals Gemeindevertreter in der ehemaligen selbstständigen Gemeinde. Seit dem freiwilligen Zusammenschluss mit Premnitz 2002 ist er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Premnitz. Am 22. September 2011 wurde er von Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung zu ihrem Vorsitzenden gewählt.

Tebling ist seit 2002 ehrenamtlicher Bürgermeister von Mögelin. Seit 2006 ist er auch Vorsitzender des Mögeliner SC 1913 e. V.

Als Hobbys nennt er: Fußball, Skat spielen, Kochen und Lesen - am liebsten historische Romane.

Der berühmte Premnitzer Weg also?

Tebling: Sollte ich die Wahl gewinnen, werde ich den weiter verfolgen. In der Sache kann man ja streiten, aber am Ende sollte die Verständigung, sollte eine Lösung stehen, die von allen getragen wird.

Kontinuität statt Wandel also?

Tebling: Ich habe mein Wahlprogramm nicht umsonst „Auf Kurs bleiben“ genannt. Die gute Entwicklung, die der Industriepark genommen hat, muss fortgesetzt werden. Auch den touristischen Schwung, den uns die Buga beschert hat, müssen wir mitnehmen. Premnitz entwickelt sich von einer grauen Industriemaus zu einer lebenswerten Stadt – diesen Prozess will ich forcieren. Dazu gehört, dass man die Angebote auf den Gebieten Freizeit, Bildung, Familie ausbaut. Aber eines ist klar: Wenn wir die Leute in der Stadt halten wollen, müssen wir ihnen zuallererst Jobs bieten. Das ist das A und O. Die Politik kann natürlich kein Unternehmen zwingen, sich hier anzusiedeln. Aber wir können die Rahmenbedingungen so gestalten, dass sich Investoren wohlfühlen.

Sie sind Mögeliner. Werden Sie die Interessen ihres Ortsteils besonders stark vertreten, wenn Sie zum Bürgermeister gewählt werden?

Tebling: Das ist Quatsch. Ich werde weder bevorzugen noch benachteiligen. Die Stadt Premnitz besteht aus drei gleichberechtigten Ortsteilen – Premnitz, Döberitz, Mögelin. Und so soll es bleiben wenn ich Bürgermeister werde. Zur Erinnerung. Als Vorsitzender der SVV und des Ausschusses für Soziales und Finanzen trage ich seit Jahren Verantwortung für die gesamte Stadt. Es gibt also keinen ersichtlichen Grund, daran etwas zu ändern.

In Rathenow geboren, nach Mögelin gezogen und seit fast 30 Jahren beim selben Arbeitgeber. Hatten Sie nie den Wunsch, in die weite Welt zu gehen?

Tebling: Immerhin hab ich mein Fachstudium Staats- und Verwaltungsrecht in Schleife absolviert (lacht!) Das ist bei Spremberg. Aber nein, ich wollte nie weit weg. Ich bin ein bodenständiger Mensch, ich liebe das Havelland, hier fehlt es mir an nichts.

Also keine Spur von Fernweh?

Tebling: Einen Traum habe ich, und den werde ich mir irgendwann erfüllen. Ich will einmal mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland reisen. Ich bin tief beeindruckt von diesem Land, von den grandiosen Landschaften und den Menschen. Das mal über einen längeren Zeitraum zu erleben und dann auch noch in einem legendären Zug zu reisen – das stelle ich mir großartig vor.

Aber im Zug kann man doch nicht viel machen?

Tebling: Das ist doch das Schöne. Man hat Zeit und Muße, liest ein dickes Buch – am besten einen historischen Wälzer - lässt die Landschaft auf sich wirken. So stelle ich mir den idealen Urlaub, die perfekte Entspannung vor.

Die Reise liegt ja noch in der Ferne. Wie entspannen Sie sich zuhause?

Tebling: Ich koche sehr gerne. Wenn ich am Samstag in der Küche stehe und das Essen für meine Frau und mich vorbereite, dann fällt jeder Stress von mir ab. Zutaten schnippeln, in Töpfen rühren, dabei ein Bier trinken und nebenbei im Fernsehen Fußball gucken – das ist für mich Entspannung pur.

Haben Sie ein Gericht, dass Sie besonders gut hinkriegen?

Tebling: Rouladen kann ich gut. Die haben sogar vor meiner Schwiegermutter bestanden. Und das will was heißen. Und dann bin ich Spezialist für ein Rezept der Schlesischen Küche. Man macht eine süßliche Grundsauce, und dann feuern Sie da rein, wo Sie Lust drauf haben. Kasslerscheiben, Bratwürste, Koteletts, Wiener – schön durchziehen lassen. Schmeckt super!

Nach vegetarischer Kost, die derzeit so gehypt wird, hört sich das aber nicht an?

Tebling: Da gibt es schon genug Spezialisten für. Mein Ding ist das nicht.

Zur Person: Ralf Tebling

Ralf Tebling wurde am 25. Februar 1962 in Rathenow geboren. Von 1969 bis 1979 war er Schüler an der heutigen Weinbergschule in Rathenow. Im Zeitraum von 1979 bis 1981 absolvierte er eine Lehrausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur im Wasseraufbereitungswerk Rathenow (WARA), heute MAP. In den Jahren 1981 bis 1987 leistete er seinen Armee- und Polizeidienst.

Seit 1987 ist Tebling Angestellter der Landkreisverwaltung. 1997 schloss er das Studium zum Diplomverwaltungswirt ab. Seit 1990 ist er im Büro des Landrates tätig. Bis 1994 bei Landrat Dieter Dombrowski im Altkreis Rathenow. Seit 1994 im Landkreis Havelland bei Landrat Burkhard Schröder.

1995 heirate er seine Frau Berit. 1997 zog Tebling, der zwei erwachsene Töchter und eine Enkelsohn hat, mit seiner Familie nach Mögelin. 1998 wurde er erstmals Gemeindevertreter in der ehemaligen selbstständigen Gemeinde. Seit dem freiwilligen Zusammenschluss mit Premnitz 2002 ist er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Premnitz. Am 22. September 2011 wurde er von Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung zu ihrem Vorsitzenden gewählt.

Tebling ist seit 2002 ehrenamtlicher Bürgermeister von Mögelin. Seit 2006 ist er auch Vorsitzender des Mögeliner SC 1913 e. V.

Als Hobbys nennt er: Fußball, Skat spielen, Kochen und Lesen - am liebsten historische Romane.

Von Markus Kniebeler

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