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Havelland Wie das „rote Schloss“ verschwand
Lokales Havelland Wie das „rote Schloss“ verschwand
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00:26 16.01.2016
Helmut Augustiniak (r.), Bürgermeister Bernd Lück (M.) und Volkmar Pietsch. Quelle: Wolfgang Balzer
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Ketzin/Havel

„Die 54 Bewohner aus den 19 Wohnungen des im Volksmund nur ’rotes Schloss’ genannten und inzwischen abgerissenen Gebäudes an der Ecke Rudolf-Breitscheid- und Feldstraße teilten sich einst drei Außentoiletten“, erinnert sich schmunzelnd noch heute Helmut Augustiniak vom Ketziner Heimatverein. Er muss es wissen.

Hier verbrachte er seine Kinder- und Jugendzeit. Die historischen Fotos vom Leben in diesem Gebäude, das inzwischen dem Bau eines modernen Wohnkomplexes gewichen ist, die Fotos von den Abrissarbeiten und nur wenige Tage alte Ansichten der neuen Bebauung sind Bestandteil einer dokumentativen Ausstellung über die Geschichte und die gegenwärtige Gestaltung von Ketzins neuer Mitte, die der Heimatverein am Vorabend des Neujahrsempfanges im Stadthaus an Bürgermeister Bernd Lück übergeben hat.

So wird unter anderem mit zahlreichen historischen, aber auch aktuellen Fotos und Texten vom Heimatverein die Geschichte des Späth’schen Gutshofes geschildert, den einst der Ackerbürger Wilhelm Albrecht gebaut hat und der 1917 vom Baumschulbesitzer Helmuth Späth gekauft wurde. Das denkmalgeschützte Bauensemble verfiel nach der Wende zusehends. Dank der mutigen Investitionsentscheidung von Helga Breuninger entstand unter Beachtung von vielerlei Denkmalschutzauflagen dass heutige Herzstück von Ketzins neuer Mitte. Historische Ansichten, Abriss, Neubauarbeiten und schließlich die feierliche Einweihung im vergangenen Jahr sind Bestandteil der Dokumentation, die nun zu den Öffnungszeiten des Stadthauses besichtigt werden kann.

Das sei für die Stadtgeschichte eine historisch korrekte und wichtige Dokumentation über die städtebaulich bedeutenden Objekte im Ketziner Zentrum, lobte der Bürgermeister die aufwändige Arbeit des Heimatvereins.

Die dokumentierten ehemaligen Objekte hätten der Stadt auch Jahrzehnte genug Probleme bereitet, blickte er zurück. So bedurfte es beispielsweise rund 20 Jahre Verhandlungen mit der dreizehnköpfigen Erbengemeinschaft des zunehmend verfallenden und überschuldeten roten Schlosses, bis es von der Stadt erworben, abgerissen und die neue Bebauung mit altersgerechten Wohnungen geplant werden konnten.

Obwohl Helmut Augustiniak als Gestalter der Ausstellung auch langjähriger Mieter im roten Schloss war, kennt er die Herkunft des Namens nicht so genau. Der könne sich auf die roten Ziegel beziehen aber auch auf ein zeitweiliges Rotlichtmilieu hinweisen, meinte er scherzhaft.

Entstanden ist die Idee für die stadtgeschichtlich bedeutsame Ausstellung vor zwei Jahren, als Augustiniak dem Bürgermeister eine Dokumentation über die Geschichte und den Abriss besagten Gebäudes vorschlug. Beide waren sich schnell einig, das Vorhaben auf die gerade im Entstehen begriffene neue Mitte der Stadt zu erweitern.

Von Wolfgang Balzer

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