Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Wie sicher sind die Asyl-Unterkünfte?

Nach dem Brandanschlag in Nauen Wie sicher sind die Asyl-Unterkünfte?

Nach dem Brandschlag auf die Turnhalle in Nauen, die eine Notunterkunft für Flüchtlinge werden sollte, stellt sich die Frage: Wie sicher sind die bestehenden Unterkünfte? Der stellvertretende Landrat überlegt, ob die Standards verbessert werden können. Anfang September soll die Notunterkunft auf dem Essilor-Gelände in Rathenow bezogen werden.

Voriger Artikel
Wasserretter üben Hilfeleistung
Nächster Artikel
Mahnwache nach Feuer in Nauen

Anfang September soll die einstige Kantine auf dem Essilor-Gelände in Rathenow als Notunterkunft für 100 Asylbewerber in Betrieb genommen werden.Gegenwärtig werden dort Container für die Sanitäranlagen installiert.
 

Quelle: Bernd Geske

Nauen/Rathenow. Nachdem am frühen Dienstagmorgen die Sporthalle des Nauener Oberstufenzentrums (OSZ) abgebrannt ist, sucht die Polizei fieberhaft nach den Tätern. Es wird von schwerer Brandstiftung ausgegangen. Die Halle sollte ab spätestens Mitte September für einige Zeit als Notunterkunft für etwa 100 Flüchtlinge dienen.  Mittlerweile wird diskutiert, ob eventuell die Sicherheitsmaßnahmen für die Turnhalle nicht ausreichend waren, die Tat vorhersehbar war. Denn Nauen hat in den vergangenen Monaten durch mehrere Demonstrationen gegen das Asylbewerberheim, das Anfang 2016 am Waldemardamm eröffnen soll, Schlagzeilen gemacht. Zudem haben Rechtsextreme im Februar beinahe eine Stadtverordnetenversammlung zum Abbruch gebracht. Anschläge auf die Parteibüros der Linken und der SPD in Nauen sowie Drohungen gegen den Verein Mikado kamen hinzu.

In allen belegten Wohnheimen gibt es 24-Stunden-Wachschutz

Der stellvertretende Landrat Roger Lewandowski (CDU) ist indes nicht der Ansicht, dass man das Thema Sicherheit im Falle der Turnhalle unterschätzt habe. „Wir haben für die Halle einen Wachschutz“, sagte er. Der sei zwar nicht rund um die Uhr vor Ort gewesen, aber die Notunterkunft für Flüchtlinge habe sich auch erst im Aufbau befunden. Betten und andere Ausstattung fehlten noch. Lediglich die Sanitärcontainer stehen bereits auf dem Gelände. In den schon belegten Heimen gebe es jedoch einen 24-Stunden-Wachschutz. „Gleichwohl werden wir das aber zum Anlass nehmen, um kurzfristig gemeinsam mit der Polizei zu schauen, ob man die Sicherheitsstandards noch verbessern kann“, so Lewandowski. Dies gelte sowohl für belegte Heime als auch für Baustellen von geplanten Einrichtungen oder für künftige Notunterkünfte wie die auf dem Essilor-Gelände in Rathenow.

10b546e0-4b1d-11e5-a5bd-9a982a66757f

In der Nacht zu Dienstag, 25. August 2015, ist in Nauen (Havelland) ein Brandanschlag auf eine geplante Notunterkunft für Asylbewerber verübt worden. Die Turnhalle ist komplett niedergebrannt.

Zur Bildergalerie

Der Nauener Bürgermeister Detlef Fleischmann (SPD) hält Vorwürfe für fehl am Platz. „Der Wachschutz war vor Ort, die Polizei hat es bestreift. Schuld sind die Kriminellen, die das Feuer gelegt haben“, sagt er. Viele Bürger in Nauen zeigten sich schockiert über die nächtlichen Vorfälle. „Das ist furchtbar, wir sind bestürzt“, sagte ein Ehepaar. „Ich bin nur froh, dass die Schule noch nicht wieder angefangen hatte und niemand zu Schaden gekommen ist“, meinte eine Mutter, die ihren Namen wie die meisten nicht in der Zeitung lesen will – aus Angst vor möglichen Übergriffen der Rechten. Beim Friseursalon in der nahen Mittelstraße war der mutmaßliche Brandanschlag Gesprächsthema Nummer eins. „Die Kunden reden sehr viel darüber“, berichtete die Angestellte Susann Woita. Viele befürchteten, dass es nicht die letzte derartige Tat gewesen sein könnte. „Das macht auch mir Angst“, so Woita.

Viele befürchten, dass Nauen einen Imageschaden erleidet

Vereinzelt gab es jedoch auch andere Meinungen. Sie habe sich über das Feuer gefreut, sagte eine junge Frau, weil dadurch die Turnhalle „denen“ – also den Asylbewerbern – erst einmal nicht zur Verfügung steht. Dabei verkannte sie aber, dass nun auch die Schüler des OSZ ohne Sporthalle da stehen. „Dafür habe ich absolut kein Verständnis“, sagte eine andere Nauenerin. Jeder dürfe seine Meinung sagen – „aber doch nicht so!“ Wie so viele befürchtete auch sie, dass die Stadt durch den Brand einen großen Imageschaden erlitten hat. Allerdings habe man damit fast schon rechnen müssen, meinte eine andere. „Es hat sich angedeutet“, sagte sie – und verwies auf die Demonstrationen, die Anschläge auf das Büro der Linken und das Auto vom Verein Mikado in Nauen.

Gegenüber der abgebrannten Turnhalle befindet sich der Leonardo-da-Vinci-Campus. In einem Rundschreiben verurteilte Geschäftsführerin Irene Petrovic-Wettstädt den mutmaßlichen Brandanschlag als „menschenverachtend und mit unserem Leitbild unvereinbar“. Den Lehrern legte sie nahe, den ersten Schultag amMontag zu nutzen, um eine intensive Diskussion zum Thema Asyl zu beginnen.

Auch anderswo saß der Schock am Dienstag tief. „Wir fühlen mit den Nauenern“, sagte Dallgows Bürgermeister Jürgen Hemberger (Freie Wähler). Einige der Flüchtlinge, die übergangsweise in die Turnhalle einziehen sollten, wären später in die Unterkunft in Dallgow gezogen. „Das waren also künftige Bürger unserer Gemeinde“, so Hemberger. Er regte an, die Sicherheitsdienste an den Asylbewerberheimen künftig schon während der Bauphase einzusetzen. Die Entscheidung darüber trifft allerdings der Landkreis. Am Dienstagabend fand anlässlich des Brandanschlages eine Mahnwache demokratischer Kräfte am Standort des künftigen Asylbewerberheimes am Waldemardamm statt.

Der Rathenower Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) sagte, er sei bestürzt über den mutmaßlichen Brandanschlag auf die OSZ-Turnhalle. „Ich bin jetzt ganz dicht bei meinem Amtskollegen Fleischmann in Nauen“, betonte er. So etwas wie dort könne überall passieren, die Verantwortlichen beim Kreis, in den Städten und Gemeinden seien „ziemlich machtlos“. Er gehe davon aus, dass es sich um einen bewussten und vorsätzlichen Brandanschlag handele, erklärte Ronald Seeger. So etwas dürfe man nicht zulassen, die Täter seien mit aller Schärfe des Gesetzes zu betrafen. Es gebe Handlungsbedarf, sagte der Rathenower Bürgermeister. Er meine damit aber nicht Deutschland, sondern die EU. Die Bundesrepublik tue genug. Von einigen anderen Staaten der EU müsse jetzt unmissverständlich verlangt werden, ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Notunterkunft am Hasenweg in Rathenow geht im September in Betrieb

In Rathenow gibt es bislang zwei Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber. Im Heim am Birkenweg sind gegenwärtig 198 Asylbewerber untergebracht. In der neu gebauten Unterkunft am Grünauer Weg wohnen derzeit 87 Personen. Eigentlich wollte der Landkreis im September zwei Notunterkünfte in Betrieb nehmen. Da die OSZ-Turnhalle ausfällt, bleibt nun vorerst nur das stillgelegte Betriebsgelände der Firma Essilor in Rathenow am Hasenweg. Dort soll Platz für 100 Flüchtlinge geschaffen werden. Gegenwärtig werden die Container mit Sanitäranlagen installiert. Das Gelände ist weiträumig eingezäunt, vom Anbringen zusätzlicher Sicherungsanlagen war am Dienstag dort nichts zu sehen.

Die Gemeinschaftsunterkunft in Premnitz ist derzeit mit 83 Flüchtlingen belegt. Wie Bürgermeister Roy Wallenta (parteilos) sagt, seien in seiner Stadt alle Einwohner erschüttert wegen des mutmaßlichen Brandanschlags in Nauen. Bei allem Respekt vor anderen Meinungen, betonte er, für solch eine brutale Gewalt und Symbolik könne es keinerlei Verständnis geben. Er hoffe, dass es der Polizei schnell gelinge, die Täter zu ermitteln. Jeder anständig denkende Mensch könne so etwas nur verabscheuen.

Von Andreas Kaatz, Philip Häfner und Bernd Geske

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg