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„Wir leben in paradiesischen Zuständen“

Mit dem Fahrrad um die Welt „Wir leben in paradiesischen Zuständen“

Vor drei Jahren war Weltenradler Thomas Meixner in Rathenow und begeisterte das Publikum mit Bildern und Geschichten seiner Weltreise – zwei Jahre mit dem Rad rund um den Globus. Am 18. März stellt er im Kulturzentrum sein „Projekt Afrika“ vor. Vorab verrät er im MAZ-Interview, warum das Fahrrad das perfekte Verkehrsmittel ist, um die Welt zu entdecken.

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Quelle: Fotos: Thomas Meixner

Rathenow. Weltenradler nennt er sich. Thomas Meixner aus Sachsen-Anhalt fliegt nicht um die Welt, er radelt. Und wenn er nicht auf dem Sattel sitzt, durch Wüsten und über Berge fährt, erzählt er von seinen Erlebnissen. Am 18. März kommt er mit einem Vortrag nach Rathenow. Der MAZ hat er schon vorab ein Interview gegeben.

Warum fahren Sie mit dem Rad um die Welt?

Thomas Meixner : Weil es das preiswerteste ökonomische Reiseverkehrsmittel ist, da kann man mit wenig Geld lange unterwegs sein. Zudem hat man vom Fahrrad aus eine sehr spezielle Sicht auf die Dinge, man erlebt alles sehr intensiv. Es ist ja so, dass es kaum noch Abenteuer gibt und das Reisen mit dem Fahrrad ist zumindest noch ein kleines Abenteuer, es gibt einen Kick.

Und es ist schneller als zu Fuß.

Meixner: Zu Fuß ist es ist natürlich noch intensiver. Aber ich war schon immer gern mit dem Rad unterwegs. Das ist eine gute Kombination, man ist unterwegs, aber noch langsam genug, um die Umgebung zu spüren.

Wie oft schnappen Sie sich das Fahrrad, um die Welt zu bereisen?

Meixner: Um die Welt bin ich nur einmal gefahren, aber so alle zwei, drei Jahre bin ich unterwegs. Ansonsten mache ich auch in Deutschland viel, Bergsteigen, Klettern, Marathon. Das kommt zu kurz, wenn ich unterwegs bin.

Klingt als wären Sie ein Adrenalinjunkie.

Meixner: Für mich gehört Bewegung zum Leben. Das haben viele vergessen. Darum ist unsere Gesellschaft auch körperlich relativ krank. So ist meine Beobachtung.

Hatten Sie schon immer diesen Drang sich zu bewegen?

Meixner: Den sollte jeder haben. Es ist normal, sich täglich zu bewegen. Dafür ist unser Körper ausgelegt. Man muss ja nicht Marathon laufen, aber 20 Kilometer joggen könnte jeder. Früher war es normal zehn, fünfzehn Kilometer zur Arbeit zu radeln. In unserer weich gespülten Wellness-Gesellschaft ist das aber abhanden gekommen.

Haben Sie mit Ihrer Einstellung und Ihrer Art des Reisens schon andere angesteckt?

Meixner: Viele. Die fahren nicht unbedingt um die Welt, aber vielleicht am Wochenende mit dem Rad in die Natur und stellen ein Zelt auf. Das ist auch mein Ziel. Es geht nicht nur darum von der Reise zu erzählen. Ich will auch Botschaften übermitteln. Natürlich nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern etwas humorvoll.

Wie wählen Sie ihre Routen aus?

Meixner: Zunächst entsteht immer eine Idee. Zum Beispiel werde ich durch ein Buch oder eine Dokumentation auf etwas aufmerksam. Irgendwann packe ich es an, hole mir Karten von den Gebieten, die ich durchfahren will. Rechne durch, wie viele Kilometer es sind. Beschäftige mich mit dem Klima. Es steckt etwas Arbeit drin, bis so eine Idee umsetzbar ist.

Wie lange dauern diese Vorbereitungen?

Meixner: Unterschiedlich. Bei der Weltreise gab es kaum Vorbereitungen – Ergänzung der Ausrüstung, das Fahrrad ein bisschen überholen, Flugticket besorgen, Kartenmaterial kaufen, Versicherungen abschließen und Visa beantragen. Das ist inzwischen alles Routine und in zwei Monaten zu packen. Ich möchte aber noch eine Tour nach China über die Seidenstraße machen. Da brauche ich ab der Türkei für jedes Land ein Visa, was die Vorbereitung erschwert.

Was ist außer Ihrem Fahrrad das wichtigste Utensil auf Reisen?

Meixner: Rein praktisch gesehen Isomatte und Schlafsack, denn wenn man nicht sieben bis acht Stunden vernünftig schläft ist der Tag gelaufen. Essen ist natürlich auch wichtig, also der Kocher. Und ein Buch ist wichtig.

Ein Buch haben Sie dabei, wie sieht es mit einem Handy aus?

Meixner: Ich habe einen Laptop dabei, aber kein Handy.

Kein Handy? Sie können also im Notfall niemanden verständigen?

Meixner: Da halte ich ein Auto an. Für jedes Problem gibt es eine Lösung. Ich habe auch nur eine einfache Karte auf Papier gedruckt, was genauso schnell geht wie mit GPS-Gerät. Das sind nur Dinge, von denen der Kapitalismus uns einredet, dass wir sie brauchen.

Wie viele Stunden am Tag sitzen Sie auf Reisen auf dem Sattel?

Meixner: Unterschiedlich. Wenn nicht viel zu sehen ist und mich niemand zur Bärenjagd einlädt, dann sind es etwa acht Stunden. Wenn ich meine 100, 120 Kilometer weg habe, gucke ich nach einem Plätzchen.

Das verrückteste Erlebnis Ihrer Afrika Reise war was ?

Meixner: In negativer Hinsicht waren es Steine schmeißende Kinder im Norden von Äthiopien. Und einmal kamen zwei Typen mit Kalaschnikow ans Nachtlager, die haben dann erklärt sie seien Nachtwächter und ich würde hier ganz sicher schlafen.

Wie viele Kilometer haben Sie in all den Jahren zurückgelegt?

Meixner: Bei 300 000 sind wir auf der sicheren Seite, es können auch noch ein paar mehr sein. Mit Alltagskilometern vielleicht 340 000.

Und wie viele Fahrräder haben Sie dabei verschlissen?


Meixner: Also seit der Weltreise 2001 benutzte ich jetzt das dritte Rad.

Eine abschließende Frage: Was macht das Reisen mit Ihnen?

Meixner: Es gibt mir eine positive Lebenseinstellung. Ich sehe viele Dinge anders, nicht so verbissen. Die Problemchen der Leute hier sind für mich Pillepalle. Wir leben faktisch in paradiesischen Zuständen. Gesellschaftlich kann das nicht mehr gesteigert werden. Was soll noch besser werden? Und trotzdem wird gemeckert, da muss ich immer lächeln.

Der Weltenradler in Rathenow

Am Freitag, 18. März, kommt Thomas Meixner nach Rathenow.

Um 19.30 Uhr wird er im Kulturzentrum mit einer Dia-Show sein „Projekt Afrika – mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Kapstadt“ vorstellen.

Karten gibt es im Kulturzentrum,  0 33 85/51 90 51.


Von Christin Schmidt

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