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Wirbelwind mit großem Herzen

Ela Wagner (1984 – 2016) Wirbelwind mit großem Herzen

Die Diagnose traf MAZ-Mitarbeiterin Ela Wagner (32) schwer: Leukämie. Schnell stand fest: Ohne Knochenmarkspende würde sie den Kampf gegen die Krankheit nicht gewinnen. Ela hatte Glück, ein Spender stand bereit. Gleich appellierte sie, die Knochenmarkspenderdatei zu unterstützen. Es ist ihr Vermächtnis: In der Nacht zu Mittwoch ist Ela gestorben.

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Ela Wagner (links) mit ihrer besten Freundin Mareike.

Quelle: privat

Brandenburg/Havel. Will man Ela Wagner beschreiben, dann war sie wie ein Wirbelwind. Schnell, überall gleichzeitig, immer einen coolen Spruch auf Lager. Immer im Mittelpunkt. Bekannt mit „Gott und der Welt“. Umarmung hier, Küsschen dort, Foto da – keine Party ohne Ela. Und quietschbunt.

Ein ganz normales Leben

Ela Wagner lebt „das ganz normale Leben einer 32 Jahre jungen Frau“. Ela ist das, was man einen „Hansdampf in allen Gassen“ nennt. Digital bestens vernetzt, beliebt, immer für einen Spaß zu haben. Und dann dieses verschmitzte Lachen. „Ich bin ein lustiger Typ“, beschreibt sie sich. Elas gute Laune steckt an – in ihrer Umgebung ging es immer fröhlich zu. Besonders zu schätzen wissen das auch die Kolleginnen und Kollegen von der Märkischen Allgemeinen, wo sie seit zwei Jahren erst als Onlineredakteurin und später Mediaberaterin arbeitet.

Hochzeit in Las Vegas

Ausgehen, Freunde treffen, verreisen, Konzerte besuchen – besonders gerne mit der Lieblingsband „Mia“. Natürlich auch viel arbeiten und mit dem Ehemann Tobias glücklich sein. Ihn hatte sie im Jahr 2014 während einer USA-Reise in Las Vegas geheiratet. Die ganz große Liebe, das ganz große Glück. Diese Hochzeit war, wie Ela selbst: Bunt und verrückt. Las Vegas eben.

Und dann immer dieses große Herz: Ela unterstützt ein Patenkind in Tansania, damit es zur Schule gehen kann. „Bildung ist doch das Wichtigste“, sagt sie. Ela kümmert sich um ihre Freunde, sie hilft bei der Jobsuche, sie hört zu, denkt immer zuletzt an sich selbst.

Der Tag, an dem alles anders wurde

Es war am 24. Mai, ein Dienstag, an dem sich das Leben von Ela Wagner so veränderte, dass nichts mehr so war, wie vorher. Sie war mit einem sehr schlechten Blutbild ins Krankenhaus gekommen. Und der Arzt hatte keine gute Nachricht: Leukämie. Ela Wagner informiert ihre Familie, enge Freunde: „Augen zu und durch“, sagt sie. Die Ärzte sagen: „Das kann man heilen.“

Und Ela wäre nicht Ela, wenn sie nicht so bleibt, wie sie immer war. Sie macht ihre Krankheit öffentlich, gründet eine Gruppe im Sozialen Netzwerk „Whatsapp“. Und sie verkündet: „Mein Ziel ist, hier mit einem blauen Auge rauszukommen. Ihr kennt mich. Wenn einer im Nachhinein eine coole Geschichte erzählen will, bin ich das.“ Und alle nehmen teil. Die Gruppe wird immer größer.

Erste Chemo ohne Erfolg

Es folgt die erste Chemotherapie in Potsdam. „Ich habe das irgendwie mit dem halben Hintern abgesessen“, erzählt Ela beim Interviewtermin vergangene Woche in der Klinik. Doch die Chemo schlägt nicht an. Ela benötigt einen Knochenmarkspender.

Hier in Deutschland ist die Deutsche Knochenmarkspender-Datei DKMS die Einrichtung, wo Speichelproben typisiert werden. Das heißt, hier wird festgestellt, ob jemand als Knochenmarkspender für eine bestimmte Person in Frage kommt. Die Speichelprobe ist schnell abgeschickt. „Aber jede Registrierung kostet 40 Euro“, weiß Ela. „Viele Proben sind noch gar nicht registriert, weil das Geld dafür fehlt.“

Die Nachricht, dass Ela eine Knochenmarkspende benötigt, mobilisiert ihre Freunde. Ein kleines Organisationsteam steht für eine Registrierungsaktion mit der DKMS in den Startlöchern. Dann die Mitteilung: Der Bruder von Ela ist ihr genetischer Zwilling und kann ihr sein Knochenmark geben. „Das ist absolut selten“, sagt Ela. Sie verbreitet die gute Nachricht – an diesem Abend, es ist der 10. Juni, wird hundertfach in Brandenburg und Umgebung auf ihre Wiedergenesung angestoßen.

„Mir ging es echt scheiße“

Zunächst muss Ela eine zweite Chemotherapie durchstehen und die hat es in sich. Den Kopf hatte sie sich schon während der ersten Chemo rasiert. Nun fallen die Haare tatsächlich aus, die Nebenwirkungen werden schlimmer. „Mir ging es echt scheiße“, sagt sie.

Aber: Die zweite Chemotherapie schlägt an. Gefeiert wird bei „Whatsapp“: „Wer hat keine Blasten (also böse Zellen) mehr? Ick, ick, ick!“ Und wieder feiert die Gemeinde mit. Obwohl sie keine Registrierungsaktion mehr benötigt, will Ela Geld für die DKMS einwerben. „Es wäre schön, wenn die Leute, die was für mich tun wollten, das jetzt für andere tun, die auch diese Krankheit haben“, sagt Ela. Und fügt hinzu: „Das ist mir sehr, sehr wichtig.“ Da ist es wieder – dieses große Herz.

Kämpfen wird schwieriger

Im Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum liegt Ela Wagner zum Interviewtermin bereits 45 Tage. Mal hat sie ein kleines Hoch, oft steckt sie im Tief. Das Immunsystem muss sich neu bilden – und das dauert. Krankenhauskoller, psychischer Druck – kämpfen wird immer schwieriger.

Nur wenige Besucher lässt sie vor. Familie und einige ausgesuchte Freunde. Immer an ihrer Seite ist Mareike. Die allerbeste Freundin. Mit der sie schon vor der schlimmen Diagnose fast alles geteilt hat. Ela nennt Mareike „Kleiner Schnauber“. Ein Spitzname, der passt. Mareike ist nicht groß gewachsen, aber sie wächst über sich hinaus. Ständig ist sie in der Klinik. Wenn mal wieder einer dieser beschissenen Tage ist liest sie Ela etwas vor. Es gibt Momente, da möchte Ela außer Mareike und Tobias niemand sehen. Sie möchte einfach nur noch raus, nach Hause. Ihr fehlt die Umgebung, ihr Brandenburg.

„Ich bin auch noch lustig“

Den Lebenswillen hat sie nicht verloren. „Ich bin auch noch lustig“, sagt sie und grinst ganz kurz verschmitzt das Lachen, das Familie und Freunde so an ihr lieben. Selbst die Ärzte schmunzeln, wenn sie nach der Visite Elas Zimmer verlassen. Ela zieht sich daran hoch, in absehbarer Zeit mal kurz nach Hause zu dürfen, bevor es wieder zurück ins Krankenhaus geht.

„Ich hoffe echt, dass die DKMS-Aktion ein Erfolg wird“, sagt sie noch. „Das würde mich wieder ein Stück vorwärts bringen“.

Den Erfolg ihrer Aktion wird Ela nicht mehr erleben. Am späten Montagabend erleidet sie einen schweren Schlaganfall. Zunächst hoffen Freunde und Familie noch, doch dann die Gewissheit: Ärzte können Ela nicht mehr helfen. Es folgt der Abschied – letzte Worte am Krankenbett.

In der Nacht zu Mittwoch ist sie im Kreise ihrer Liebsten friedlich eingeschlafen.

Die MAZ und Ela bitten um Spenden


Ela Wagner hat kurz vor ihrem Tod im MAZ-Gespräch alle Brandenburgerinnen und Brandenburger und alle Menschen in der Region aufgerufen, die Deutsche Knochenmarkspenderdatei – DKMS – mit einer Spende zu unterstützen. Die Märkische Allgemeine unterstützt den Aufruf und bittet alle Leser, zu spenden.

40 Euro kostet es, eine Speichelprobe zu typisieren und zu registrieren. Bei der DKMS treffen viel mehr Speichelproben ein, als registriert werden können. Es fehlt das Geld.

Die DKMS hat ein Konto für die Aktion. IBAN: DE64 6415 0020 0000 2555 56; BIC SOLADES1TUB;
Verwendungszweck (sehr wichtig, unbedingt angeben) DKMS-ELA .

Die Märkische Allgemeine wird zu gegebener Zeit über das Ergebnis der Spendenaktion berichten.

Von Joachim Wilisch

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