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Wirte zahlen drauf

Fußball in der Kneipe Wirte zahlen drauf

Wirte in der Region zahlen immer mehr Geld dafür, dass sie ihren Gästen Bundesligaspiele zeigen können. Für das Schrääg’ Rüber in Falkensee und das Fairplay in Hennigsdorf ist das Geschäft kaum noch rentabel.

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Die Sonntagsspiele verfolgten im Schrääg’ Rüber am Wochenende nur eine handvoll Fans.

Quelle: Foto: V. Boche

Falkensee/ Hennigsdorf. Wenn er von der neuen Bundesliga-Saison spricht, legt Heiko Richter die Stirn in Falten. Nicht, weil seine Lieblingsmannschaft Dynamo Dresden etwa so weit von der Bundesliga entfernt ist wie der Hamburger SV vom Meistertitel. Den Falkenseer Wirt des „Schrääg’ Rüber“ plagt vielmehr der Preis für das Fußball-Abo von „Sky“. Rund 660 Euro überweist er diese Saison jeden Monat an den Münchener Sender, damit Richter in seiner Kneipe Spiele von Bundesliga und Champions League auf der Leinwand zeigen darf. „Das Geld kriegst du durch die Gäste aber nie wieder rein“, sagt der Falkenseer, der jeden Sonnabend zehn bis 15 Fußballfans in seinem Pub hat. Als er vor 15 Jahren anfing, Fußball zu zeigen, musste Heiko Richter nur um die 400 D-Mark an den Sky-Vorgänger Premiere zahlen. Nun kostet das Abo mehr als das Dreifache. „Und es wird jede Saison teurer“, so der Wirt. Als Grund habe Sky zuletzt gestiegene Kosten für Lizensierung und Produktion angegeben. Tatsächlich ist der Bezahlsender Hauptversorger des Profifußballs, in der vergangenen Saison zahlte Sky rund 615 Millionen an die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Der Betrag steigert sich bis 2016/17, dem Ende der Vertragslaufzeit, auf 673 Millionen. „Bei den Privatanschlüssen wird es nicht teurer, sondern nur bei uns Wirten“, klagt Heiko Richter.

Im Havelland und Oberhavel gibt es mittlerweile in jeder größeren Stadt Sky-Bars, unter anderem auch in Nauen, Hennigsdorf, Gransee oder Oranienburg. Unter den Preiserhöhungen leiden viele Wirte, im Netzwerk Facebook machen sie gegen die Erhöhungen mobil. Olaf Lücke, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg (Dehoga), kennt das Problem. Allerdings kenne er noch keinen Wirt, der wegen der Preisherhöhungen schließen musste. „Aber jeder muss die unternehmerische Entscheidung für sich selbst treffen, was er macht“, sagt Lücke wolkig. Kritisch zu den Preiserhöhungen äußert er sich nicht, was damit zusammenhängen kann, dass die Dehoga für ihre Mitglieder bei Sky noch Rabatte aushandelt.

20 000 Kneipen strahlen Sky-Fußball aus

Rund 1,3 Millionen Zuschauer verfolgen nach Sky-Angaben pro Spieltag die Spiele öffentlich, meist in einer Sportsbar. Auch die Champions-League-Spiele seien beliebt: In der letzten Saison hätten 6,5 Millionen Fans die Spiele in der Königsklasse öffentlich verfolgt.

Etwa 20 000 Gastronomen in Deutschland und Österreich haben Sky abonniert. Laut dem Pay-TV-Sender liege das öffentliche Schauen seit der WM 2006 voll im Trend.

Die Preise , die jeder Wirt monatlich für Sky zahlen muss, ergeben sich unter anderem aus der Größe und der Lage seines Lokals.

Ein Leuchtkasten mit dem Sky-Logo weist in der Regel darauf hin, dass das Lokal Livefußball ausstrahlt.

Illegale Ausstrahlungen in Kneipen ahndet Sky hart. Das stelle eine Straftat dar, die im gewerblichen Rahmen mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann. Darüber hinaus können zivilrechtliche Schadenersatzansprüche in Höhe von bis zu 15 000 Euro geltend gemacht werden.

Auch Jörn Ehrich, seit Februar Chef des Lokals „Fairplay“ in Hennigsdorf, profitiert als Dehoga-Mitglied von diesen Rabatten. Dennoch nennt er die 451 Euro, die er jeden Monat für Sky zahlen muss, „eine Unverschämtheit“. Auch für den Wirt, der an jedem Spieltag 20 bis 25 Gäste im Lokal hat, lohnt sich das Geschäft mit Sky nicht. Er denkt aber auch nicht daran, Eintritt zu verlangen oder die Bierpreise zu erhöhen. Immerhin liegt das Lokal direkt am Fußballplatz vom FC Hennigsdorf 98, die meisten Gäste seien Spieler. „Viele davon sind Schüler, Studenten und Azubis, die nicht so viel Geld haben“, sagt Jörn Ehrich. Wie lange er die Bundesligaspiele noch zeigen kann, weiß der Wirt noch nicht. „Wenn es noch mal 50, 60 Euro teurer wird, ist Schluss“, sagt Ehrich. Allerdings sei sein Lokal mit 100 Plätzen komplett auf Fußball ausgelegt, ohne funktioniere das nicht. „Wir sind mit der Hennigsdorfer Stadtverwaltung im Gespräch darüber, wie wir das Lokal erhalten können.“

Auch der Falkenseer Wirt Heiko Richter weiß noch nicht, wie lange er sich Sky noch leisten will. „Ich habe es ja schon jetzt nur noch aus Trotz abonniert.“ Er wird sein Abo wahrscheinlich auch in der kommenden Saison verlängern. Richter hofft, dass die Leute ihn unterstützen und im „Schrääg’ Rüber“ Fußball schauen. Sollten allerdings die Sky-Kneipen aussterben, würden irgendwann alle nur noch alleine vor dem heimischen Fernseher sitzen. „Und dann“, sagt Heiko Richter, „kann Sky dort an der Preisschraube drehen.“

Von Marco Paetzel

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