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Kein Märchen: Wölfe in Rathenow gesichtet

Wildtiere in Brandenburg Kein Märchen: Wölfe in Rathenow gesichtet

Die Wölfe sind seit langem zurück in Brandenburg. Doch jetzt will ein Mann erstmals drei Wölfe im Rathenower Stadtwald nahe des Havellandradweges gesehen haben. Der Stadtförster und der Vorsitzende des Rathenower Jagdverbandes halten die Sichtung für glaubhaft.

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Stefan Meyer und Thomas Querfurth (re.) an jener Stelle, wo das Wolfstrio gesichtet wurde.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Überrascht war Rathenows Revierförster Thomas Querfurth nicht, als ihn die Meldung erreichte: Ein Mann teilte ihm mit, er habe am 30. Dezember des vergangenen Jahres drei Wölfe im Stadtwald gesehen. Nach Wolfsmeldungen aus Potsdam-Mittelmark, Klietz und dem Amt Rhinow sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann der Wolf erstmals im Stadtwald auftauchen wird, so der Stadtförster.

Querfurth hält den Informanten für sehr verlässlich. Der Mann habe seine Beobachtung sehr glaubhaft geschildert und überhaupt einen äußerst seriösen Eindruck gemacht. Stefan Meyer, Vorsitzender des Jagdverbandes Rathenow, bestätigt diese Aussage des Stadtförsters. Er habe den Zeugen angerufen und sich den Vorfall noch einmal detailliert schildern lassen, sagt Meyer. „Es besteht kein Anlass, die Meldung anzuzweifeln.“

Demnach ereignete sich die Begegnung am Tag vor Silvester gegen 14.30 Uhr. Der Mann war mit dem Rad aus Richtung Stechow auf dem Havellandradweg unterwegs, als er rund 400 Meter vor dem Sportplatz in Rathenow-Ost erst ein, dann zwei weitere Tiere im Unterholz neben dem Weg entdeckte. Erst dachte er an Schäferhunde, doch schnell erkannte er an Größe und Haltung, dass es sich um Wölfe handeln musste. Rund zehn Minuten beobachtete er das Trio, das sich sehr entspannt verhalten habe. Dann hätten die Tiere den Radweg überquert und seien im Unterholz verschwunden.

Weitere Indizien stützen die Wolfsmeldung

Abgesehen von der Glaubwürdigkeit des Zeugen gibt es laut Querfurth noch andere Indizien, die dafür sprechen, dass es sich wirklich um Wölfe gehandelt hat. Zum einen seien vor Weihnachten zwischen Stechow und Nennhausen ebenfalls drei Wölfe gesehen worden. Es könne sich also durchaus um ein und dasselbe Trio handeln. Zum zweiten sei die Wahrscheinlichkeit, dass drei große Hunde gemeinsam im Wald unterwegs sind, ausgesprochen gering. Und zum dritten – das bestätigt Stefan Meyer – habe sich das Verhalten des Rehwilds im Stadtwald seit einiger Zeit verändert: die Tiere seien vorsichtiger geworden, kämen seltener aus der Deckung und bewegten sich in größeren Rudeln. Das alles deute darauf hin, dass sich die Gefahr im Revier – eben durch einen neuen Beutejäger – erhöht habe.

Die Rathenower Wolfssichtung wurde bereits erfasst und als „qualifizierte Meldung“ an den Landesjagdverband weitergeleitet. In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz wird dort an einem so genannten Monitoring gearbeitet. Ziel ist es, alle verlässlichen Wolfsmeldungen aus den Revieren zusammenzuführen und zu analysieren. Die Experten hoffen, aus den verschiedenen Einzelmeldungen irgendwann ein Gesamtbild zusammenzusetzen, das Aufschluss gibt über das Vorkommen und die Entwicklung der Wolfspopulation in der Region.

Eine Sache muss natürlich noch geklärt werden: Muss der Mensch im Stadtwald künftig Angst haben, von Wölfen attackiert zu werden? „Eher nicht“, sagt Querfurth. „Der Mensch passt nicht ins Beuteschema des Wolfes.“ Für einen Hund, der vom Herrchen im Wald von der Leine gelassen werde (was übrigens nicht erlaubt ist), gelte das freilich nicht. „Wenn der Wolf Appetit hat, dann sieht es für den Hund schlecht aus.“

Der Wolf in Brandenburg

Zum ersten Mal nach langer Abwesenheit wurden nach Auskunft des Landesamts für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) im Jahr 2000 wieder wildlebende Wölfe in Deutschland, in der sächsischen Lausitz, geboren.

In Brandenburg erfolgte die erste territoriale Ansiedlung eines Wolfspaares im Jahre 2007 im äußersten Südosten des Landes. 2009 wurden erstmals seit über einem Jahrhundert Wolfswelpen in Brandenburg aufgezogen. Seitdem ist der Bestand kontinuierlich angewachsen. Nach aktuellem Kenntnisstand leben im Land Brandenburg elf Wolfsrudel. Darüber hinaus sind 1 Paar und 2 Einzeltiere nachgewiesen.

Im Jahresverlauf schwankt die Anzahl der Wölfe innerhalb eines Familienrudels. Dies ist davon abhängig, wie viele Wölfe geboren werden, wie viele vorjährige Wölfe im Rudel verbleiben und wie hoch die Sterblichkeit ist. Als grober Richtwert kann zum Jahresende 2015 von 100-120 Wölfen im Land Brandenburg ausgegangen werden.

Seit 1990 wurden im Land Brandenburg neun Wölfe illegal geschossen, 33 fielen dem Straßenverkehr (darunter eines der Eisenbahn) zum Opfer, vier der gefundenen toten Wölfe kamen krankheitsbedingt um, bei einem Tier konnte die Todesursache nicht mehr ermittelt werden und bei einem weiteren Tier sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. (Quelle: LUGV)

 

Von Markus Kniebeler

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