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Wohnung vier Monate leer – Miete fließt weiter

Flüchtlinge Wohnung vier Monate leer – Miete fließt weiter

Eine über 150 Quadratmeter große Erdgeschosswohnung in Rathenow steht über vier Monate leer. Im Sommer 2015 waren Flüchtlinge aus Syrien eingezogen und Anfang Februar plötzlich verschwunden. Die Miete werde bezahlt, ist vom Vermieter zu erfahren. Der Landkreis teilt mit, die Familie erhalte längere Zeit keine finanziellen Leistungen mehr. Rätselhaft.

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In dieser Erdgeschosswohnung am Dunckerplatz hat eine große Flüchtlingsfamilie gewohnt, jetzt steht sie seit vier Monaten leer.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Rätselhafte Dinge geschehen mit einer Erdgeschosswohnung am Dunckerplatz 9 in Rathenow. Bis Anfang Februar hatte eine große Flüchtlingsfamilie darin gewohnt, seit über vier Monaten steht sie aber nun schon leer. Die Mietzahlungen fließen weiter, ist vom Vermieter zu erfahren. Der Landkreis Havelland teilt dazu jedoch mit, dass sich die Flüchtlingsfamilie dort nicht mehr im Leistungsbezug befindet. Wer bezahlt dann also die Miete? Das aufzuklären übersteigt die Möglichkeiten dieser Zeitung. Dass eine zugereiste Flüchtlingsfamilie dafür aufkommt, ohne überhaupt die Wohnung zu nutzen, ist sehr unwahrscheinlich. Angesichts dessen, dass Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) erst vor wenigen Tagen die Bürger der Republik um mehr Wachsamkeit gebeten hat, ist es nachvollziehbar, dass die Nachbarn der genannten Wohnung sich Gedanken machen.

Im Sommer des vergangenen Jahres sei die Familie H. aus Syrien dort eingezogen, berichtet eine Nachbarin. Vater, Mutter und vier Kinder. Nette Leute seien es gewesen, aber weil sie der deutschen Sprache kaum mächtig waren, sei außerhalb von ein paar freundlichen Gesten und Bemerkungen die Verständigung schwierig gewesen. Weil ein Kind der Familie auf einen Rollstuhl angewiesen war, sei auf Kosten des Trägers der sozialen Leistungen die größere Erdgeschosswohnung noch über einen Durchbruch um die zweite, kleinere Erdgeschosswohnung erweitert worden. Beide zusammen hätten mehr als 150 Quadratmeter. Außerdem hatte es geheißen, dass noch drei weitere Verwandte mit einziehen sollten. Insgesamt dann neun Personen. Zu Beginn der Winterferien, also Anfang Februar, seien aber alle Bewohner von einem Tag auf den anderen verschwunden.

1200 Asylbewerber im Kreis

Rund 1200 Asylbewerber sind gegenwärtig im Landkreis Havelland untergebracht.

Etwa ein Drittel von ihnen hat Wohnungen bekommen, meist handelt es sich um Familien.

Als Neuzugänge sind in diesem Jahr bislang 150 Personen aufgenommen worden.

An die 570 Flüchtlinge erhalten im Landkreis mittlerweile finanzielle Leistungen nach dem SGB II. Für sie ist das Jobcenter zuständig. Viele von ihnen wohnen weiter in Gemeinschaftsunterkünften, weil es für sie zu wenig Wohnungen gibt.

Das Aufnahmesoll des Landkreises war im November vom Land noch mit 2281 Flüchtlingen beziffert worden. Viel weniger sind aber gekommen. Ein aktualisiertes Aufnahmesoll gibt es nicht.

Seitdem steht die Wohnung nun leer. Wenige Tage nach dem Verschwinden habe ein Bewohner des Aufgangs im Hausflur einen jungen Mann getroffen, ist zu erfahren, der habe sich als „Neffe“ des Vaters bezeichnet. Er nahm Anzeigenblätter und wohl auch Post aus dem Briefkasten und soll gesagt haben, die Familie H. werde wieder kommen. Das ist bislang aber immer noch nicht geschehen.

Vermieter der Wohnung am Dunckerplatz ist die Wohnungsbaugesellschaft Deutsches Heim, die ihren Sitz in München hat. Von dort ist zu erfahren, es sei nichts davon bekannt, dass die Wohnung leer stehen soll. Es gebe ein „ganz reguläres Mietverhältnis“, die entsprechenden Zahlungen würden regelmäßig geleistet.

Keine finanziellen Leistungen mehr nach SGB II

Da es sich um Flüchtlinge handelt, ist naheliegend, dass die Familie H. finanzielle Leistungen des Landkreises erhält – oder erhielt. Caterina Rönnert, Pressereferentin des Landkreises, teilt mit, dass die Familie tatsächlich finanzielle Leistungen gemäß Sozialgesetzbuch (SGB) II vom Jobcenter erhalten hat. Sie habe jetzt aber seit einiger Zeit keinen Flüchtlingsstatus mehr und befinde sich auch nicht mehr im Leistungsbezug. Der Landkreis sei für sie also nicht mehr zuständig.

Für die Nachbarn der Wohnung am Dunckerplatz 9 ist nicht nachvollziehbar, wie es zugehen soll, dass dafür über vier Monate lang offenbar Miete bezahlt wird, ohne dass jemand drin wohnt. Durch die Fenster hinein schauen könne man kaum, ist zu erfahren. Diese seien weitgehend durch die Gardinen zugehängt. Es würden einige Möbel fehlen, das könne man erkennen. Vor vier Wochen seien einmal zwei Männer zusammen mit dem Vater der Familie kurz dort gewesen, hat jemand gesehen. Sie hätten in der Wohnung wohl etwas geräumt, man habe es rumpeln hören. Dann seien sie aber bald wieder fort gewesen.

Aus noch einem Grund ist nur schwer zu verstehen, warum eine so große Wohnung in Rathenow so lange leer steht. Es ist allgemein bekannt, dass gerade größere Wohnungen dringend gesucht werden, um darin Familien von Flüchtlingen oder Asylbewerbern mit mehreren Kindern unterbringen zu können. Sie könnte doch wieder neu belegt werden.

Von Bernd Geske

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