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Wustermark: Frauen verteidigen sich selbst

Das erste Ding muss sitzen Wustermark: Frauen verteidigen sich selbst

Seit diesem Jahr bietet der SV Wustermark Selbstverteidigungskurse für Frauen an. Trainer Patrick Müller übt mit den Teilnehmerinnen schnelles Handeln in Gefahrensituationen und effektive Techniken, die einen Angreifer überraschen sollen – das erste Ding muss sitzen.

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Trotz des ernsten Themas ist der Spaßfaktor beim Selbstverteidigungstraining groß.

Quelle: Laura Sander

Wustermark. Blitzschnell zieht Cathleen die Schultern nach oben, wehrt so den Würgeangriff von Trainer Patrick Müller ab und lässt ihren Arm nach vorne schnellen. Sie trifft ihren Gegner am Oberkörper. Er lässt von ihr ab und es folgen gezielte Faustschläge sowie ein kräftiger Kick mit dem Knie, die glücklicherweise bloß das große schwarze Kissen treffen. Angreifer erfolgreich abgewehrt. Seit vier Wochen trainiert die 36-Jährige gemeinsam mit fünf weiteren Frauen beim kampfsporterfahrenen Patrick Müller Selbstverteidigung. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man sich in einer Gefahrensituation verteidigen könnte. Es gab glücklicherweise noch nie eine solche Situation in meinem Leben, aber man weiß ja nie“, so Cathleen Person. „Es ist einfach schlimm, was man täglich für Schreckensmeldungen hört. Da bekommt man tatsächlich Angst“, sagt auch Anja Koch aus Elstal, die jeden Tag mit der Bahn nach Berlin zur Arbeit fährt. „Im Dunkeln nach Hause oder am Berliner Hauptbahnhof herum zu laufen, ist nicht gerade angenehm. Die Selbstverteidigung gibt mir mehr Selbstvertrauen und das strahlt man dann auch aus“, so die Elstalerin.

Bereits seit 2008 veranstaltet der SV Wustermark regelmäßig Selbstverteidigungskurse für Vereinsmitglieder und Freunde. In diesem Jahr hat Patrick Müller seine offizielle Trainerlizenz für Frauen-Selbstverteidigung beim deutschen Jiu-Jitsu-Verband abgelegt. „Den Kurs kann jetzt jede Frau besuchen, die Interesse hat.“ In insgesamt zehn Zeitstunden üben die Frauen Techniken zur Gefahrenabwehr, erfahren alles über die Gesetzeslage bei Notwehrhandlungen und kommen beim Training so richtig ins Schwitzen. „Wir wollen, dass die Frauen sich mit dem Gedanken auseinandersetzen und so in der jeweiligen Situation besser reagieren können. Wir bringen ihnen kurze, effektive Techniken bei, die ihren Gegner überraschen sollen“, so Müller, der 1998 mit dem Kampfsport Jiu-Jitsu angefangen hat. „Das erste Ding muss sitzen. Langes Wehren bringt meist gar nichts, weil sich der Gegner darauf einstellen kann.“ Was zählt, ist der Überraschungseffekt, den man oft schon mit einem lauten Schrei, einem energischen Fußstampfer oder einem Spruch erzielt, der den Angreifer aus der Fassung bringt. „Es geht lediglich um Abwehr – egal in welcher Form. Das ist für viele Frauen eine Überwindung – die Hemmschwelle jemandem weh zu tun ist groß“, sagt der 28-Jährige. „Je öfter sie es üben, desto mehr Routine bekommen sie. Mitdenken und schnellstmöglich handeln ist die Devise in einer Gefahrensituation“, sagt Müller.

SV Wustermark

Neben den Selbstverteidigungskursen gibt es bei dem im Jahr 2000 gegründeten Sportverein Wustermark die Trainingsbereiche Jiu-Jitsu, Kantaera, Breitensport, Rückenfit, Kampfsportfitness, Yoga, Volley- und Basketball.

Wann der nächste Selbstverteidigungskurs stattfindet, steht noch nicht abschließend fest. Wer Interesse hat, kann sich auf der Homepage des Vereins www.sportverein-wustermark.de informieren oder sein Interesse per Mail an Kampfsporttrainer@vodafone.de bekunden.

Dass das gar nicht so einfach ist, weiß Rosi Bokowski, erste Vorsitzende beim SV Wustermark. „Wie oft ist es schon vorgekommen, dass selbst Frauen, die eine Kampfsportausbildung haben, in einer Gefahrensituation vor Schreck nicht reagieren konnten. Wie soll das eine Frau schaffen, die diese Erfahrung nicht hat.“ Um diese Hemmschwelle zu überwinden, möchte der Verein, der in der Wustermarker Grundschulhalle trainiert, einen Vollkontaktanzug für rund 2000 Euro anschaffen. „Die Frauen könnten mal richtig zupacken und ihre Scheu verlieren. Ich persönlich möchte aber nicht unbedingt in dem Anzug stecken“, lacht Bokowski mit Blick auf das schwarze Kissen, das von der 33-jährigen Katja Bischoff gerade einen kräftigen Tritt bekommt.

Von Laura Sander

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