Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Wustermark Große Feier zum 100-jährigen Bestehen
Lokales Havelland Wustermark Große Feier zum 100-jährigen Bestehen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:46 30.09.2018
Die richtige Kleidung zum 100. Geburtstag der Siedlung hatte sich auch Peter Wegener vom Verein Historia Elstal rausgesucht. Quelle: Tanja M. Marotzke
Elstal

 Es ist genau 100 Jahre her, als der Gutsbezirk Elstal gebildet und der Grundstein für den Bau der Eisenbahnersieldung gelegt wurde. Das große Jubiläum wurde am Wochenende gebührend gefeiert. Mehrere hundert Elstaler und viele Gäste von außerhalb versammelten sich auf dem Karl-Liebknecht-Platz. Rund um die Kirche stellten sich viele Vereine vor, es gab ein Bühnenprogramm von Schule und Kita, und alle Wustermarker waren aufgerufen, am Stand der Gemeinde über die Vorschläge zum Bürgerhaushalt 2019 abzustimmen, während vor der Kirche ein ökumenischer Gottesdienst abgehalten wurde.

Impressionen vom Festumzug und dem Geschehen auf dem Karl-Liebknecht-Platz

Den Auftakt des Festtages bildete am Vormittag der Umzug mit vielen historischen Kostümen, die den Besuchern einen Eindruck davon vermittelten, wie das Leben in Elstal einst aussah. Wer Genaueres über die Geschichte der Siedlung erfahren wollte, hatte dazu bei einer Fahrt mit dem historischen Doppeldeckerbus die perfekte Gelegenheit. Elke Schiller vom Verein Historia Elstal, der die Jubiläumsfeier gemeinsam mit der Gemeinde Wustermark auf die Beine gestellt hatte, wusste viel über die Entstehung des Ortes zu berichten.

Busfahrt durch die Stahlhaus-Siedlung

Von der Puschkinallee, unweit des Festplatzes, suchte sich der Bus den Weg durch die engen Straßen der Siedlung, vorbei am Sportplatz und der Stahlhaus-Siedlung. „Die Stahlhaus-Siedlung entstand in den 1930er-Jahren. Es waren die ersten Fertighäuser, die ursprünglich von der Wehrmacht in den Ostgebieten zur schnellen Besiedlung nach dem Krieg verwendet werden sollten. Dazu kam es ja aber Gott sei Dank nicht“, erklärte Elke Schiller.

Vorbei an den alten Militärgaragen, machte der Bus schließlich am Eingang zum Olympischen Dorf halt. „Nachdem das Gelände lange vor sich hin gammelte, soll es nun vorangehen“, erklärte Schiller den Fahrgästen. Ab 2019 sollen im Speisehaus der Nationen Wohnungen gebaut werden.

Endstation der historischen Rundreise war schließlich der Elstaler Bahnhof. Wer wollte, konnte sich ein wenig in dem nicht gesperrten Bereich des Areals umsehen und die eine oder andere Lok bestaunen.

Modellbahnparadies öffnete seine Türen

Unzählige Bahnhöfe, Loks, Weichen und Signale erwarteten die Festbesucher auch in der Breiten Straße. Allerdings im Maßstab 1:20,3. Jens Handro hatte das Ortsjubiläum und das gute Wetter genutzt, um seine Gartenbahn der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Elstaler hat schon als Fünfjähriger mit dem Modellbau begonnen. Doch dabei blieb es nicht. „Ich habe selbst 15 Jahre auf dem Rangierbahnhof als Wagenmeister gearbeitet“, erzählte Handro. Allein mit der Modellbahn im Keller zu sitzen, wurde ihm schon bald zu langweilig. Daher hat er vor mittlerweile rund 20 Jahren damit begonnen, seinen Garten in ein Modellbahnparadies zu verwandeln. „Das Besondere an unserer Bahn ist, dass alles originalgetreu ist, also jedes Gebäude, das wir nachgebaut haben, tatsächlich so existiert“, betont Jens Handro.

Während in der Breiten Straße die Modellzüge ihre Runden drehten, berichteten auf der Bühne alteingesessene Elstaler aus ihrem Leben in der Siedlung. Der Verein Historia hatte Zeitzeugen eingeladen, die ein ganz normales Leben in Elstal geführt haben. „Wir wollten Menschen zu Wort kommen lassen, die etwa als Verkäufer gearbeitet und durch ihren Fleiß das Leben in der Siedlung aufrechterhalten haben“, erklärte Vorstandsmitglied Eckhard Bärensprung.

Zeitzeugin erzählte von selbst gebauten Bunkern

So erzählte auch Ingrid Schönefeld, was sie in all den Jahren, sie wohnt immerhin schon seit 1937 in Elstal, alles erlebt hat. „Es gab viele schöne Sachen, aber natürlich auch einiges, das traurig war“, sagte sie. Damit meinte sie vor allem den Zweiten Weltkrieg, als auch auf Elstal Bomben fielen. „Viele in der Siedlung hatten sich aus Eisenbahnschwellen eigene Bunker gebaut. Wenn die Sirenen aufheulten, durften wir mit in den Bunker unseres Nachbarn“, erinnerte sich Schönefeld. Dann hörten sie, wie die Bomben detonierten und der Sand durch die Luft flog. „Wir mussten etwas Essbares retten und haben Badewannen mit Marmelade aus den Güterzügen vollgepackt“, so Schönefeld.

Neue Chronik nach wenigen Stunden vergriffen

Vieles, was die Zeitzeugen erlebt haben, findet sich in der neuen Chronik, die der Verein in den vergangenen drei Jahren erarbeitet hat und zum Jubiläum erstmals vorstellte. 400 Exemplare hatten die Macher drucken lassen, schon am frühen Nachmittag waren alle Bücher vergriffen. „Wir waren von der Resonanz völlig überrascht und werden der Nachfrage entsprechend weitere Bücher nachdrucken lassen“, erklärte Eckhard Bärensprung.

Besonders freute es die Ortschronisten, dass auch viele Neu-Elstaler die Chronik gekauft haben, weil sie mehr über die 100-jährige Geschichte der Siedlung erfahren wollen.

Von Danilo Hafer

Der Rohbau der Immanuel Diakonie in Elstal ist fertig. Im Frühjahr sollen die ersten Bewohner einziehen. Jetzt beginnt die aktive Suche nach Fachpersonal.

28.09.2018

Der Verein Historia Elstal hat eine Informationstafel aus Stahl am Karl-Liebknecht-Platz installiert, um Informationen zur Geschichte der Siedlung an jedermann weiterzugeben. Weitere Stelen sollen folgen.

28.09.2018

Bis zum 14. Oktober dürfen die Wustermarker noch entscheiden, welche Vorhaben im kommenden Jahr aus dem Topf des Bürgeretats finanziert werden sollen. Sonntag können sie in Elstal ihre Stimmen direkt abgeben.

28.09.2018