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Wustermark Umgehungsstraße spaltet die Wernitzer
Lokales Havelland Wustermark Umgehungsstraße spaltet die Wernitzer
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16:53 29.08.2018
Protest in Wernitz gegen die Lärmbelästigung durch Lkw. Quelle: Wolfgang Balzer
Wustermark/Wernitz

Eine Umgehungsstraße für Wernitz ohne eine Erweiterung des Gewerbestandortes Etzin in Richtung Wernitz – das wäre die Ideallösung für die Bewohner in dem Wustermarker Gemeindeteil. So sehen es die meisten Wustermarker Gemeindevertreter.

Trotzdem folgte die Mehrheit Dienstagabend einem Beschlussvorschlag der Gemeindeverwaltung, der viele Anregungen der Bündnisgrünen beinhaltete aber auch Alternativen nicht ausschließt. Im Kern geht es jetzt darum, dass die Gemeindeverwaltung ergebnisoffen prüfen soll, ob eine Umgehungsstraße mit und ohne weitere Gewerbeansiedlungen im Bereich Etzin/Wernitz möglich und finanzierbar ist. „In dem Findungsprozess werden wir die Wernitzer Bürger mitnehmen, sie können sich mit Ideen und Meinungen beteiligen“, versprach Bürgermeister Holger Schreiber. Eine Anwohnerversammlung werde vorbereitet.

Schon jetzt 6000 Fahrzeuge pro Tag

„Schon jetzt ist die Verkehrssituation mit etwa 6000 Fahrzeugen täglich unhaltbar und eine starke Belastung für die Anwohner, aber wenn weitere Industrie- oder Gewerbeansiedlungen hinzukommen, würden die Belastungen für Mensch und Umwelt noch größer“, so hatte die Bündnisgrünen ihren Vorstoß zum Verzicht auf ein weiteres Gewerbegebiet begründet.

Zudem übergab Andreas Wilczek, Sprecher der Bürgerinitiative „Für ein lebenswertes Wernitz“ an den Bürgermeister eine Liste mit 109 Unterschriften von Wernitzern, die sich gegen einen weiteren Gewerbestandort aber für eine Umgehungsstraße aussprechen.

Finanzierung ist der Knackpunkt

Knackpunkt ist die Finanzierung dieser möglichen Straße. „Die Chancen auf Fördermittel für den Straßenbau sind wesentlicher geringer, wenn es keine neue Gewerbeflächen gibt“, sagt Rüdiger Hage von der IPG Potsdam, die im Auftrag der Gemeinde Wustermark an den bereits gelaufenen Gesprächen mit dem Infrastrukturministerium, dem Landkreis, den Kommunen Ketzin/Havel und Nauen sowie den privaten Investoren den Firmen Mosolf und Hermes beteiligt war. Letztere würden sich natürlich nur an der Finanzierung einer Umgehungsstraße beteiligen, wenn die Gewerbefläche erweitert wird, so Hage.

Und klar sei auch, dass Mosolf auf dem bisherigen Areal in Etzin Baurecht hat und viele der jetzt als Stellplätze genutzten Flächen theoretisch bebauen und anderweitig nutzen könnte, sagte Uwe Schollän von der Gemeindeverwaltung Wustermark im Bauausschuss.

„Weil die Gemeinde Wustermark allein diesen Straßenbau nicht finanzieren kann, gehe die Gemeindeverwaltung davon aus, dass die Ortsumfahrung nur realisierbar ist, wenn 40 bis 50 Hektar zwischen Etzin und Wernitz als Gewerbefläche neu ausgewiesen werden“, hatte der Bürgermeister im Bauausschuss geäußert. Auf jeden Fall müsse es, um an die Fördermittel zu kommen, ein interkommunales Vorhaben sein, so Schreiber. Das heißt: Mindestens die beiden Kommunen Wustermark und Ketzin/Havel müssen sich beteiligen.

Es läuft auf einen Kompromiss hinaus

Dabei sitzt allen die Zeit im Nacken, denn das Förderprogramm, das für eine Umgehungsstraße einen 90prozentigen Zuschuss ermöglichen könnte, endet 2020. „Wir brauchen zügig eine Grundsatzentscheidung der Gemeinde Wustermark, sonst sind die Planungen nicht mehr fristgerecht zu schaffen“, so Rüdiger Hage. Außerdem sei klar: Eine Umgehungsstraße mache nur dann Sinn, wenn die jetzige Landesstraße gekappt wird.

Die bisher im Raum stehenden möglichen Streckenvarianten für eine Umgehung sorgen in Wernitz für Unruhe. Einige Anwohner befürchten, den Lärm vor ihre Haustür zu bekommen, wenn eine neue Straße gebaut wird. Andere wollen nicht vom Dorf abgeschnitten werden, wenn die jetzige Landesstraße gekappt wird. Die Anlieger an der jetzigen Landesstraße wiederum sehnen sich nach einer Ortsumgehung, weil sie den Krach kaum noch aushalten, wie Christian Bommer erklärte.

Bürgermeister Holger Schreiber wäre grundsätzlich mit einer finanzierbaren Variante ohne Gewerbeerweiterung sehr glücklich, wie er Dienstagabend vor den gut 50 anwesenden Einwohnern in der Gemeindevertretersitzung sagte. Gleichzeitig nahm er den Wernitzern aber auch manche Illusion: „Eine für alle zufriedenstellende Lösung wird es nicht geben. Es läuft auf einem Kompromiss hinaus.“

Von Jens Wegener

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