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Wutzetzer Wehr ist aufgelöst

Schlechter Ausbildungsstand und Unstimmigkeiten Wutzetzer Wehr ist aufgelöst

Die Einheit Wutzetz der Amtsfeuerwehr Friesack ist zum 31. Dezember vergangenen Jahres geschlossen worden. Zuvor hatten die meisten der aktiven Feuerwehrleute ihren Rücktritt erklärt. Sie hatten zuletzt kaum noch an Weiterbildungen teilgenommen, zudem gab es in der Wutzetzer Wehr auch interne Streitigkeiten.

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Der langjährige stellvertretende Ortswehrführer Karsten Beyer war bis zum Schluss Ansprechpartner für die Amtswehrführung.

Quelle: Andreas Kaatz

Wutzetz. Die Wutzetzer Feuerwehr rückt ab sofort nicht mehr zu Löscharbeiten oder Verkehrsunfällen aus. Zum 31. Dezember 2015 wurde die Einsatzabteilung der 1909 gegründeten Wehr aufgelöst. Eine Entscheidung, zu der es für die Friesacker Amtswehrführung am Ende keine Alternative gab. Denn kurz zuvor hatten sieben der neun Kameraden aus verschiedenen Gründen ihren Austritt erklärt. Damit war die Feuerwehreinheit nicht mehr handlungsfähig. Wutzetz ist nach Jahnberge der zweite kleine Ort im Amt Friesack, der keine Feuerwehr mehr hat.

Die Austritte hatten ihre Ursache vor allem im mangelnden Ausbildungsstand, den die Friesacker Wehrführung mehrfach kritisiert hatte, aber auch in internen Querelen innerhalb der Wutzetzer Wehr. Die Vorgeschichte reicht bis Anfang 2014 zurück. Damals wurde über die Auflösung beziehungsweise Zusammenlegung kleinerer Einheiten im Bereich Friesack diskutiert, um die Amtswehr leistungsfähiger zu machen. Auch Wutzetz und Zootzen spielten dabei eine Rolle. „Es gab einen Aufschrei, als es hieß, man will uns zumachen“, erinnert sich der langjährige stellvertretende Ortswehrführer Karsten Beyer.

Prekär wurde die Situation, als Anfang 2015 der damalige Ortswehrführer Mario Lehmann aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Er war der einzige, der die notwendigen Qualifikationen besaß, etwa als Gruppen- und Zugführer. „Er war der Motor und Initiator von vielen Sachen“, sagt Beyer. Doch wie andere wollte auch er nicht an Lehmanns Stelle rücken und dazu die nötigen Qualifikationen erwerben. Letztlich kam man im März mit der Amtswehrführung überein, dass Wutzetz einer von zwei Standorten unter Leitung der Zootzener Wehr sein soll. Und es gab Pläne, dass die Feuerwehr das benachbarte Dorfgemeinschaftshaus als Umkleide mitnutzt.

Allerdings forderte die Amtswehrführung auch weiterhin, dass die Wutzetzer sich qualifizieren. „Wir verlangen von allen Wehren, dass sie ihre Ausbildungsstunden absolvieren“, sagt Amtswehrführer Mario Haufe. 40 Stunden pro Jahr sollen es mindestens sein. Dazu wurden 2015 auch drei zentrale Ausbildungstage angeboten, seien jedoch von den Wutzetzern kaum wahrgenommen worden, obwohl laut Haufe der Stand der Weiterbildung bei den Wutzetzern schlecht sei. So etwas könne aber für das eigene Leben oder das anderer Feuerwehrleute im Einsatz gefährlich sein. Zumal die Zahl der Alarmierungen 2015 mit elf gegenüber den Vorjahren deutlich zugenommen hat. „Wir können es nicht mehr verantworten. Auch deshalb haben wir auf die Ausbildung gedrungen“, so Haufe. Wegen eines mangelnden Ausbildungsstandes ist auch schon die Feuerwehr Pessin „vom Netz genommen worden“. Hier hofft man aber, dass sich die Situation irgendwann wieder bessert, angesichts der recht hohen Bevölkerungszahl von 650 und der wichtigen Lage des Ortes an der B 5. Die Pessiner Wehr müsse sich aber erst noch neu finden, heißt es.

Auch wenn es für die Amtsfeuerwehr verkraftbar sei, dass es die Wutzetzer Wehr nicht mehr gibt, „so ist es immer schade, wenn Kameraden austreten, aus welchen Gründen auch immer“, so der stellvertretende Amtswehrführer Stefan Scharschmidt. Karsten Beyer ist indes der Ansicht, dass die Wehrführung es in Kauf genommen habe, dass es zu den Rücktritten kommt. „Die hohen Erwartungen bezüglich der Ausbildung hätten wir gar nicht erfüllen können“ sagt er. Der Altersdurchschnitt sei zu hoch, die Feuerwehrleute beruflich zu stark eingebunden und seit 1990 sei kaum ins Gerätehaus investiert worden. Allerdings macht Beyer auch keinen Hehl daraus, dass die Motivation bei den Wutzetzern nicht allzu hoch gewesen sei. „Wer Feuerwehrkarriere machen will, ist hier verkehrt.“ Feuerwehrarbeit sei eher als notwendiges Übel gesehen worden, so Beyer, der die Notwendigkeit zur Weiterbildung nicht unbedingt sieht. Auch wenn nicht in der ersten Reihe, so hätten die Wutzetzer seiner Ansicht nach künftig aber zumindest einfache, rückwärtige Arbeiten machen können – etwa die Wasserversorgung aufbauen, Brunnen abpumpen oder Bäume zersägen.

Von Andreas Kaatz

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