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Fischer fangen nur noch selten Zander

Havelland Fischer fangen nur noch selten Zander

Havelzander – das steht auf fast jeder Speisekarte von Restaurants im Havelland. Aber kommt der Zander tatsächlich noch aus der Havel? Eher nicht. Denn der Fluss führt immer mehr klares Wasser – das mag der Zander nicht. Fischer und Gastronomen wissen sich aber zu helfen.

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Benno Schöpp im Winterquartier.

Quelle: Norbert Stein

Hohennauen. Winterarbeit für den Fischer. Benno Schöpp bessert auf seinem Betriebshof in Hohennauen Reusen und Netze aus. Anfang März wird er mit dem Kahn wieder hinausfahren und die ersten Fanggeräte ins Wasser stellen. Natürlich hofft der Fischer auf eine gute Saison. Sicher ist er sich aber keineswegs. In den letzten Jahren hat er immer weniger Fische aus dem Wasser geholt.

Schleie zum Beispiel hat er noch immer reichlich gefangen. Doch der Schlei ist als Speisefisch nicht sonderlich gefragt im Havelland. Der Zander hingegen ist als Speisefisch beliebt. Doch Zander fängt Schöpp nur noch selten. Die Jahre, in denen er 250 bis 300 Kilogramm Zander im Jahr aus der Havel oder dem Wolzensee fischte, sind längst Vergangenheit. Lediglich 15 bis 20 Kilogramm sind es jetzt noch im Jahr.

Der Zander lebt als Raubfisch in langsam fließenden Seen, Flüssen und Kanälen. Der Zander wird auch Schill, Hechtbarsch, Zahnmaul oder Fogasch genannt. Er gehört zur Familie der Barsche und ist der größte im Süßwasser lebende barschartige Fisch Europas. Er kommt vom Stromgebiet des Rheins bis zum Ural und in Westasien in der nordwestlichen Türkei und rund um das Kaspische Meer vor. Dazu auch im Brackwasser der gesamten Ostsee vor. Sie fehlen aber im nördlichen Teil der skandinavischen Halbinsel, im äußersten Norden Russlands und in der südlichen Balkanhalbinsel.

Besonders wohl fühlt er sich in tiefen und trüben Gewässern. Und davon gibt es immer weniger in der Region. Weil in seinem Hauptfischgebiet, der Havel, das Wasser klarer geworden ist, fängt der Fischer nun auch weniger Zander in dem Fluss. Dass die Fischart seltener wird in der Havel, hat für Benno Schöpp noch eine weitere Ursache. „Durch die automatische Regelung der Wehre wird der Wasserstand häufiger verändert. Dadurch komme Unruhe in den Fluss, was Zander gar nicht mögen.“ Weniger Zander fängt er auch im Wolzensee. Eine umfassende Erklärung dafür hat er nicht. Deutlich weniger Wasser im See könnte aber eine Ursache sein, meint er.

Schöpp fischt zwischen Rathenow und Bahnitz auf der Havel. Sein Berufskollege Wolfgang Schröder flussabwärts bei Strodehne. „Der Zander ist in der Havel rar geworden“, sagt auch Schröder. Er hat den begehrten Spielfisch deutlich seltener im Netz. Schröder fischt auch auf der Elbe und dem Gülper See, wo er Zander noch häufiger einfängt. „Die Elbe und der Gülper See bringen beim Zander etwas Ausgleich zur Havel“, sagt der Fischer vom Gahlberg.

Auch Roland Menzel bestätigt das. Er ist der Vorsitzende der Fischereischutzgenossenschaft Brandenburg an der Havel – das Havelland gehört dazu. „Die Erträge sind rückläufig“, sagt Menzel. „Das klare Flusswasser ist eine wesentliche Ursache.“ Die Ursache sei aber gewollt von der Allgemeinheit, so der Vorsitzende der Fischereischutzgenossenschaft. Weil auch andere Flüsse, Seen und Gräben sauber werden, spricht Menzel von einem generellen Problem für die Fischer, die mit den Veränderungen in der Natur auskommen müssen.

Hecht und der Wels haben sich Menzel zufolge mit den Gewässerveränderungen im Havelland gut entwickelt. Noch nicht festlegen möchte sich der Vorsitzende der Fischereischutzgenossenschaft zu möglichen Auswirkungen der Renaturierung der Unteren Havel auf den Fischbestand in der Region und damit auf den Berufsstand der Fischer. Dazu eine Einschätzung zu gelben, hält Menzel für verfrüht. „Wir müssen abwarten“, sagt er, auch wie der Zander mit den sich verändernden Bedingungen klarkommt. Im Frühjahr laicht der Zander und wird hoffentlich auch im Havelland für besseren Fischnachwuchs sorgen.

Von Norbert Stein

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