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Zeebra-Grundschule Vorreiter bei Inklusion

Bildungsministerin am Freitag zur Hospitation Zeebra-Grundschule Vorreiter bei Inklusion

Weil die Zeebra-Grundschule in Zeestow einen guten Ruf in Sachen Inklusion hat, kam am Freitag Bildungsministerin Martina Münch vorbei. Sie schaute sich den Unterricht an - 15 Minuten lang.

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Vorne macht Bernd Bessenbach Unterricht, hinten schaut Bildungsministerin Martina Münch konzentriert zu.

Quelle: Konrad Radon

Zeestow. Dreierreihen kann man auch mal auf eine lustige Art üben. Eins, zwei, Hasenpups. Vier, fünf, Hasenpups. Sieben, acht, Hasenpups. So ging das am Freitag in einer dritten Klasse der Zeebr@-Grundschule im Brieselanger Ortsteil Zeestow. Und egal, ob kleine Mathe-Asse oder Kinder mit Handicap -  alle machten mit. Sichtlich vergnügt über das Zahlenspiel, und das hatte nichts damit zu tun, dass hinten im Zimmer Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) und Schulleiterin Sylvia Hoffmann für etwa 15 Minuten hospitierten.

Lehrer Bernd Bessenbach und Doreen Gollasch als pädagogische Unterrichtshilfe versuchen mit den Drittklässlern täglich umzusetzen, was unter dem Namen Inklusion nach wie vor heftig diskutiert wird im Land Brandenburg: Schüler sollen nach ihren individuellen Fähigkeiten in einem Klassenzimmer unterrichtet werden: egal, ob sie sehr begabt oder im Lernen beeinträchtigt sind. So bekamen die Leistungsstarken bei Bessenbach gestern nach dem Zahlenspiel andere Matheaufgaben, als die, die noch nicht soweit sind.

Für Bildungsministerin Martina Münch dürfte es ein angenehmer Termin gewesen sein. Die Zeebr@-Grundschule im Brieselanger Ortsteil Zeestow ist eine der Pilot-Inklusionsschulen. Und sie hat den Ruf, mustergültig zu sein. Eltern bestätigten dies in einer etwa einstündigen Gesprächsrunde. Cordula Dicker zum Beispiel war des Lobes voll über das Klima an der Schule. Noch bevor ihr sechsjähriger Sohn, der eine Hörschwäche hat, eingeschult worden war, hatte sich Sonderpädagogin Berit Stegemann mit ihr in Verbindung gesetzt. Auch die Schulleiterin nahm sich Zeit für die Familie: sogar an einem freien Tag.

An der Zeebr@-Grundschule lernen 291 Kinder, davon 19 mit Förderbedarf. Drei Sonderpädagogen und zwei pädagogische Unterrichtshelfer hat die Inklusionsschule. Zwar sagt auch Schulleiterin Hoffmann: "Es könnten immer mehr sein." Sie würde sich auch manche Personalentscheidung zugunsten von Schule und Hort schneller wünschen. Aber an der Pilotschule ist man kreativ: Fällt zum Beispiel ein Lehrer aus der dritten Klasse kurzfristig aus, werden nicht einfach Klassen zusammengelegt, sondern die Schüler nach Niveaustufen aufgeteilt: Acht gehen dann vielleicht in die Parallelklasse, drei können in der vierten Klasse mitmachen und ein besonders Begabter lauscht schon mal in die fünfte rein. "Das ist dann kein verlorener Tag, sondern ein spannender", so Sylvia Hoffmann. Die Sonderpädagogen der Schule machen auch zahlreiche Förderangebote außerhalb des Unterrichts, sie nutzen dabei den Pool an frei verfügbaren Stunden.

Also, alles gut mit der Inklusion? Ganz so ist es auch in Zeestow nicht. "Immer zu zweit in einem Klassenraum wäre gut", sagt Lehrer Bessenbach, aber dies klappe nur zu 50 bis 80 Prozent, räumt er ein. Für die Schulleitung gehören Inklusion und Ganztag zusammen. Aber dafür braucht es mehr Räume für Unterricht und Hort, machte Sylvia Hoffmann deutlich. Da hakte Bürgermeister Wilhelm Garn (CDU) ein, die Gemeinde ist Schulträgerin: "Mit dem Raumbedarf stehen wir vor einem finanziellen Problem, das wir allein nicht lösen können, zumal wir 2014 wohl eine Million Euro weniger an Schlüsselzuweisungen erhalten werden." Das wusste die Ministerin offenbar nicht. Garns Appell: "Wir stehen voll hinter der Inklusion, brauchen aber finanziell Landeshilfe." Laut Mario Meier vom Fröbel-Hort, in dem die Kinder nachmittags betreut werden, benötigten gehandicapte Kinder auch nach Unterrichtsschluss Einzelfallhelfer. "Für ein Kind habe man hart mit dem Jugendamt darum gerungen und eine Finanzierung durchgesetzt", berichtete er.

Ministerin Münch, die von den Pilotschulen Erfahrungen sammeln will, konnte als Fazit aus Zeestow von Schulleiterin Hoffmann mitnehmen: "Inklusion kann gelingen." Dafür brauche es aber genug Personal und Ganztagsbetreuung. Und manches müsse schneller bewilligt werden.

Von Anke Fiebranz

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