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Zeitkritik mit drallen Damen

Ausstellung in Schönwalde-Dorf Zeitkritik mit drallen Damen

Der Maler Uwe Müller-Fabian zeigt beim Kreativ-Verein in Schönwalde-Dorf derzeit Arbeiten, die nicht brandneu sind, dennoch von ihrer Aktualität nichts eingebüßt haben und an sein bewegtes Leben erinnern.

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Der Maler Uwe Müller-Fabian mit dem Bild „Am Hafen“.

Quelle: Judith Meisner

Schönwalde-Dorf. Der Maler Uwe Müller-Fabian aus Vehlefanz ist im Havelland kein Unbekannter, seine Ausstellungen im Spandauer Gotischen Haus und in der Galerie des Museums in Falkensee sind in guter Erinnerung. Die Schau „Bilder und Grafiken von Uwe Müller-Fabian“ im Schönwalder Kreativ-Verein ist vergleichsweise familiär. Der Maler und Weltenbummler zeigt einen Querschnitt seiner Arbeiten aus den letzten 30 Jahren. „Bei der Auswahl habe ich bedacht, dass viele Vereinsmitglieder meine Malkurse besuchen“, sagt der Künstler.

Uwe Müller-Fabian, geboren 1947, fuhr als Student vier Jahre um die Welt, arbeitete als Seemann und Kulissenmaler, reiste auch zeitweise als Hobo wie ein moderner Vagabund unerlaubter Weise auf Güterzügen durch die USA. Auf diesen Reisen und als er später zwei Jahre lang durch die Südsee segelte, entstanden viele Skizzen. Von ihnen zehrt der Künstler noch heute, wie die Entstehungsdaten der Arbeiten nahelegen. „Große Bilder konnte ich auf See nicht malen. Die Matrosen hielten mich für einen etwas eigenwilligen Typen. Dass ich studierte, wusste niemand und das war auch in Ordnung“, erzählt Uwe Müller-Fabian über seine Fahrenszeit.

In Schönwalde hängen Arbeiten, die nicht brandneu sind, dennoch von ihrer Aktualität nichts eingebüßt haben. 1987 malte er ein Bild „Drei Damen am Strand“. Ein Jahr später entstand die Version, die in Schönwalde zu sehen ist, das gleiche Sujet, aber es kommt eine Komponente hinzu: Müll sammelt sich an, verklebt mit verquollenem Bauschaum. Die Assemblage heißt nun „Strandgut“.

Von 2014 stammt das Bild „Europa“. Eine dralle Dame in grellem Gelb räkelt sich auf einem Stier, in der Hand hält sie die dunkelblaue Fahne mit den Sternen, Symbole der EU-Mitgliedsstaaten. Frau und Fahne erinnern an ein großes Werk von Eugène Delacroix, „Die Freiheit führt das Volk“ von 1830, als in Frankreich die Julirevolution stattfand. Aber Uwe Müller-Fabians Europa führt niemanden, sie gibt sich höchstens Mühe, nicht allzu träge zu erscheinen und wedelt lau mit der Fahne. Einst strotzte der Stier vor Kraft – jetzt ist er zusammengebrochen. Die Botschaft des Malers: „Den Europäern geht es immer besser, aber die Tiere müssen leiden!“

Das Werk reiht sich ein in mehrere gesellschaftskritische Serien, vor allem gegen Tierversuche und falsch verstandene Tierliebe. Dazu gehört das Bild „Helden“, auf dem drei fette Jäger einen winzigen Hasen wie eine Trophäe präsentieren. Es ist in kühlem, fast flauen Pastellgrün gehalten und keineswegs in heldenhaftem Oliv, der Farbe der Jäger und Soldaten. Der Betrachter spürt sofort die Empathie des Malers mit der sinnlos getöteten Kreatur.

Korpulente Nackte tummeln sich auf mehreren Gemälden. Kleine Formate entstehen als Anschauungsmaterial während der Kurse. Oft bleiben sie in einem skizzenhaften Zustand und zeigen die Unmittelbarkeit des Schaffensprozesses.

Während Uwe Müller-Fabians Malstil oft schwungvoll Details vereinfacht, wirken seine Porträts dagegen statisch; etwa dasjenige des Kapitäns Konrad Schroth. Entsprechend der kunsthistorischen Tradition wird der Nautiker mit seinem Attribut dargestellt, mit einem Sextanten.

In den aktuellen Bildern finden sich Zeitungsausrisse, die den Malimpuls auslösten, eine Perle als Ohrring oder ein Stückchen Spitzenstoff. Diese Materialien brechen die Malerei auf, und gemeinsam mit dem Titel weisen sie auf den hintergründigen Humor und die Ironie des Künstlers. Er mäandert durch verschiedene Stile, vom Expressionismus kommend und die Jungen Wilden der 1980 Jahre streifend, bis hin zu den Materialbildern eines Anselm Kiefer.

Von Judith Meisner

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