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Zerstörungswut in der Innenstadt

Rathenow Zerstörungswut in der Innenstadt

Der Vandalismus rund um den Märkischen Platz in Rathenow entwickelt sich zu einem echten Problem. Beinahe täglich werden Wände beschmiert, Mülleimer umgetreten oder Bänke zerstört. Selbst mit verstärkten Kontrollen durch die Polizei und private Wachschützer ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen.

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Blinde Zerstörungswut: Von den Parkplatzleuchten, die auf dem KWR-Parkplatz in der Berliner Straße stehen, ist keine mehr ganz.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Die letzte Zerstörungswelle liegt noch nicht lange zurück. In der Nacht zu Donnerstag wurden im Rathenower Zentrum Scheiben eingeschlagen, Papierkörbe umgetreten und Wände beschmiert. Sogar vor dem Rathaus machten die Randalierer nicht halt. Ein provisorisch zugeklebtes Loch im Glas der Eingangstür zeugt von den jüngsten Ausfällen. Die Täter wurden nicht gefasst, die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet – alles wie immer.

Bei dem Geschilderten handelt es sich um keinen Einzelfall. Seit rund anderthalb Jahren häufen sich Klagen über Gruppen junger Leute, die sich auf dem Märkischen Platz versammeln und von dort zu ihren Zerstörungstouren aufbrechen. Bettina Götze, Leiterin des Kulturzentrums, setzte im vergangenen Jahr einen Hilferuf ab. Binnen weniger Monate waren am Gebäude durch mutwillige Zerstörung Schäden entstanden, die nicht mehr als Bagatellen bezeichnet werden können: eingeschlagene Scheiben, beschmierte Fassaden, abgerissene Dachrinnen, eine zerstörte Klingelanlage. Die Anzeigen wegen Sachbeschädigung gegen Unbekannt füllen inzwischen mehrere Ordner. Allein die Reparatur der Klingelanlage kostete über 2000 Euro.

Hartmut Fellenberg, Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow, weiß, wovon Bettina Götze spricht. Auch die KWR, die im Zentrum hunderte Mieter hat, leidet massiv unter den Auswüchsen der Cliquen, die auf dem Märkischen Platz ihr Unwesen treiben. Fast täglich sind KWR-Mitarbeiter unterwegs, um beschmierte Fassaden zu überpinseln. Und das ist noch das geringste Problem. Auch dem Wohnungsunternehmen sind bereits erhebliche finanzielle Schäden entstanden. Von den rund ein Dutzend Gehweg- und Parkplatzleuchten etwa, die hinter dem aufwändig sanierten Block in der Berliner Straße installiert wurden, ist keine einzige mehr ganz. Mit roher Gewalt wurden die Lampen zertrümmert.

Vandalismus in Rathenow

Vandalismus in Rathenow: In der Nacht zu Donnerstag wurde eine Scheibe der Rathaus-Eingangstür, eingeworfen.

Quelle: Markus Kniebeler

Kaum ein Rathenower Bau- oder Ordnungsausschuss, bei dem das Thema nicht zur Sprache kommt. Am Dienstagabend war die Empörung ebenso groß wie die Ratlosigkeit. Es sei doch immer dieselbe Gruppe, die für diese Taten verantwortlich ist, hieß es unisono. Es könne doch nicht angehen, dass ein paar Jugendliche der Stadt permanent Schaden zufügen, ohne für ihr Tun zur Rechenschaft gezogen zu werden. Jürgen Vogeler (SPD) forderte, den Märkischen Platz endlich von Kameras überwachen zu lassen. „Wir müssen was tun“, sagte er. „Es kann nicht sein, dass beim Bürger das Gefühl aufkommt, die Stadt schaue weg.“

Tut sie auch nicht. Im vergangenen Herbst kamen im Rahmen einer Stadtteilkonferenz Vertreter der Polizei, der Stadt, des City Centers, des Kinder- und Jugendparlaments, der Schulen, Sozialarbeiter und Mitarbeiter des Kulturzentrums zusammen, um über das Problem zu beraten. Seitdem hat die Polizei ihre Streifenfahrten rund um den Märkischen Platz verstärkt. Aber man könne nun mal nicht die ganze Nacht kontrollieren, heißt es von der Einsatzleitung. Das sei personell nicht machbar.

Nächtliche Streifen des städtischen Ordnungsamtes fanden zuletzt allerdings nicht mehr statt. Kein Geld. Immerhin soll es vor dem Hintergrund der jüngsten Vorfälle nun an zwei Freitagabenden im Februar gemeinsame Patrouillen mit der Polizei geben. „Wir wollen uns einen Überblick über die Situation verschaffen“, sagt Ordnungsamtsleiter Matthias Remus. Danach werde man erneut über das Thema beraten. Klar sei aber jetzt schon, dass mehr Kontrollen mehr Geld kosten. „Ob das zur Verfügung gestellt wird, ist am Ende eine politische Entscheidung“, so Remus.

Dass Kontrollen kein Allheilmittel sind, hat Hartmut Fellenberg feststellen müssen. Seit November hat die KWR einen privaten Wachdienst beauftragt, rund um den Märkischen Platz nach dem Rechten zu sehen. Die erwähnte Zerstörung der Lampen und diverse Schmierereien konnten so allerdings nicht verhindert werden. Demnächst will Fellenberg auf dem KWR-Gelände Überwachungskameras installieren lassen. Auf privatem Grund sind die Hürden für eine Videoüberwachung längst nicht so hoch wie im öffentlichen Raum, wo alle möglichen Genehmigungen eingeholt werden müssen.

Weiter verfolgt werden soll der Ansatz, über die Rathenower Streetworker Einfluss auf die problematische Klientel zu bekommen. Allerdings hat auch diese Strategie bislang keine spürbare Besserung der Situation bewirkt. Ansonsten bleibt es beim Behandeln der Symptome. Überpinseln, reparieren, aufräumen. Aber das – da sind sich alle, die sich mit dem Thema befassen, einig – kann nicht die Lösung sein.

Von Markus Kniebeler

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