Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Zu Besuch im Atelier von Anna Filimonova
Lokales Havelland Zu Besuch im Atelier von Anna Filimonova
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 12.04.2018
Anna Filimonova in ihrem Atelier in Finkenkrug – Hinter ihr ein Porträt ihrer Lehrerin Irina Balakova. Quelle: Hans-Peter Theurich
Finkenkrug

Am Stadtrand von Falkensee, im Ortsteil Finkenkrug, steht ein rotes Holzhaus, ein Schild weist auf das „Artelier Anna Filimonova“ hin. Die gebürtige Petersburgerin hat sich in der ehemaligen Garage ein stimmungsvolles Studio eingerichtet. Das war erst im Februar dieses Jahres. „Jetzt ist es schon zu klein“, sagt die zierliche Frau mit den dunklen Haaren. Sie unterrichtet traditionelle Ölmalerei und Aquarell. Die Zahl ihrer Schüler wächst so schnell, dass das Atelier bereits an seine Grenzen stößt.

An den Wänden präsentiert die Künstlerin viele ihrer Werke. Landschaften, Porträts und vor allem Stillleben. „Blumen male ich am liebsten, sie haben einen so feinen Schmelz wie die Haut eines Kindes“, sagt die 47-Jährige. Eindrucksvoll arrangiert sie schwere, gemusterte Textilien, zartes Glas, Töpfe aus Keramik oder Zinnbecher auf ihren Gemälden. All diese Gegenstände stehen griffbereit auf Regalen. „Ich habe die Sachen in Deutschland gekauft, auf Flohmärkten. Darunter sind chinesische Gefäße und feine Jugendstilvasen.“

Ausstellungen in vielen Ländern

Werke zeigte die Künstlerin unter anderem in St. Petersburg (1998), in Vicksburg, Mississippi, in den USA (2000), in Zürich (2002) und in Valbonne an der Cote d‘Azur in Frankreich (2005).

In Deutschland standen unter anderem Weinheim (2007), Senske (2008), Falkensee (2010), Potsdam (2013) und Berlin (2013) auf ihrer Ausstellungsliste.

Mehr über ihre Schaffen und Leben nim Internet unter anna-filimonova.de

Bevor sie nach Falkensee zog, lebte sie mit ihrem Mann Edmund Becker und dem Sohn in Südfrankreich an der Côte d’Azur. Von dort stammen viele Landschaftsaquarelle. Auch Italien liebt die Malerin sehr wegen des typischen Lichts des Südens. „In Petersburg haben wir nur drei Monate Sommer, da herrscht oft graues Wetter. Das ist interessant für Grafik.“

Das Brandenburger Licht empfindet sie als die Mitte zwischen der südlichen Sonne und dem trüben Petersburg. Ihre Liebe gehört den Farben, die Palette ist mal fröhlich und leuchtend, aber auch oft melancholisch-träumerisch mit dunklen Tönen.

Aquarell der italienischen Küstenstadt Sperlonga Quelle: Hans-Peter Theurich

Anna Filimonovas Talent fiel auf, als sie noch ein Kind war. Ihr Vater zeichnete von Berufswegen als Architekt, und der Großvater war bekannt für seine Zeichnungen. Mit elf Jahren begann sie ihre Ausbildung im Atelier von Irina Balakova in Petersburg. Diese Malerin hat sich dem Erbe des speziellen Pinselduktus und der realistischen Malweise des russischen Künstlers Pawel Petrowitsch Tschistjakow verschrieben. Zu dessen Schülern gehörte der berühmte Realist Ilja Jefimowitsch Repin (1844-1930).

Heute erinnert ein Museum in Petersburg an Tschistjakow. Anna Filimonova gehört zu den Gründungsmitgliedern des Instituts. Sie hat bis heute eine enge Beziehung zu Irina Balakova, die neun Jahre lang ihre Lehrerin war und sie auf das Studium der Malerei und Architektur an der „Akademie der bildenden Künste St. Petersburg, Ilja Repin“ vorbereitete.

Blick ins Atelier mit einem Porträt Kathleen Kunaths. Quelle: Hans-Peter Theurich

Anna Filimonovas Atelier sieht aus wie das klassische Studio eines Malers. Nicht so sehr die Pinsel und Farben beherrschen das Bild. Vielmehr die liebevoll drapierten schimmernden Stoffe, davor alte Porzellankannen, Blumen und Flaschen. Aus Rom hat sie Abgüsse antiker Masken mitgebracht. Auf den Bildern ist oft neben der Vase noch ein gläsernes Gefäß zu erkennen. Die Malerin zeigt damit, wie sehr ihr die verschiedenen Oberflächen und Materialien gefallen. Diese Bilder entstehen in althergebrachter Ölmalerei.

Auffällig erscheinen Anna Filimonovas Aquarelle: Die Farben werden nicht wie üblich geschichtet, sondern als Tupfen und Flächen nebeneinander aufs Papier gebracht. Im Auge mischen sie sich dann zu neuen Tönen. Ein ähnliches Verfahren entwickelten die Postimpressionisten um Georges Seurat und Paul Signac in Frankreich um 1900. Allerdings malten sie in Öl. Irina Balakova unterrichtet Aquarellmalerei in diesem Stil bis heute. „Nur 20 Künstler weltweit arbeiten in dieser Weise“, sagt die Malerin in ihrer weichen deutschen Aussprache.

Blick ins Atelier mit Abguss einer antiken Maske und Pfingstrosen. Quelle: Hans-Peter Theurich

Genrebilder lassen an den üppigen Luxus russischer Salons der Zarenzeit denken. Von ganz eigenem Zauber ist das Bild ihrer Tochter Maria. Das Kind in gelbem Kleid sitzt an einem Teetisch mit Samowar, gläserner Kompottschale, Gebäck und Äpfeln. Es erscheint wie ein sehr privater Blick in eine längst vergangene Zeit.

Im Atelier stehen viele klassische Porträts auf Staffeleien. Eines erscheint seltsam vertraut und zeigt eine Dame mit einem Hermelin. Tatsächlich ist es Kathleen Kunath aus Falkensee, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert. „Statt Hermelin hatte sie ein Tuch über der Schulter liegen, als ich gemalt habe“, berichtet die Künstlerin. Ein Hermelin zu ergänzen, ist für die Künstlerin ein Leichtes.

Ölgemälde: Blumenstrauß mit Kolibri. Quelle: Hans-Peter Theurich

Anna Filimonovas Ehemann Edmund Becker leitet das Finkenkruger Restaurant Hexenhaus. In den verwinkelten Räumen zeigt eine Dauerausstellung viele Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde, lauter echte Filimonovas.

Wer sich vom Charme der Gemälde einnehmen lässt, kann ein Porträt bei der Künstlerin in Auftrag geben. Oder selber bei ihr Unterricht nehmen.

Von Judith Meisner

Norwegische und deutsche Schüler gedachten am Dienstag im Falkenseer Geschichtspark den Opfern des Nationalsozialismus. Falkensees Bürgermeister Heiko Müller warnte indes vor den aktuellen politischen Entwicklungen. Umso wichtiger sei es daher, dass regelmäßig Jugendliche aus anderen Ländern nach Falkensee kommen.

29.09.2017

Jacob Davies aus Südengland wird einigen Rathenowern schon aufgefallen sein. Bis vor zwei Wochen saß der junge Mann regelmäßig in der Bahnhofsunterführung und machte Musik. Die MAZ stellte den Musikanten vor – und machte damit seine Mutter glücklich, die im fernen England auf den Artikel stieß und sich freute.

26.09.2017

Das Musikfestival Antaris lockt jedes Jahr viele tausende Besucher nach Stölln. Ob die Großveranstaltung auch weiterhin auf dem Flugplatz am Gollenberg stattfindet kann, ist ungewiss. Die Gemeindevertretung von Gollenberg hat die Veranstaltung für 2018 noch nicht genehmigt – und steht vor einer Grundsatzentscheidung.

30.09.2017