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Zu viel Nitrat im Grundwasser

Havelland Zu viel Nitrat im Grundwasser

Zum Trinken nicht geeignet: Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben in Rathenow festgestellt. Nun fordert der Verein die Politik zum Handeln auf. Das Gesundheitsamt des Landkreises weist darauf hin, dass man nicht die Landwirtschaft allein verantwortlich machen darf.

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Diplom-Physiker und Pressesprecher der VSR-Gewässerschutz, Harald Gülzow (re.), im Gespräch mit einer Brunnennutzerin.

Quelle: VSR-Gewässerschutz

Rathenow. Viel zu hohe Nitratwerte im Grundwasser hat der VSR-Gewässerschutz bei den Brunnenwasserproben festgestellt, die im Rahmen der Informationsveranstaltung Anfang Juli in Rathenow abgegeben wurden. In jeder vierten untersuchten Probe lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter. Insgesamt wurden bei der Untersuchung das Wasser aus 98 privat genutzter Brunnen aus dem Raum Havelaue, Rathenow und Premnitz analysiert. Die Gewässerexperten warnen vor einer weiteren Überdüngung der landwirtschaftlichen Böden, weil es dadurch zu einer unnötig hohen Nitratauswaschung ins Grundwasser kommt.

Den Untersuchungen des VSR zufolge ist ein privat genutzter Brunnen in Rhinsmühlen mit 145 Milligramm Nitrat pro Liter belastet. Weitere mit Nitraten belastete Brunnen stellten die Umweltschützer in Elslaake mit 100, in Grütz mit 98, in Rathenow mit 86, und in Premnitz-Havelaue mit 112 Milligramm pro Liter fest. „Das Wasser ist wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet“, so der Diplom-Physiker und Pressesprecher der VSR-Gewässerschutz Harald Gülzow.

Dem Gesundheitsamt des Landkreises ist das Problem bekannt

Für André Kabus Sachgebietsleiter beim Gesundheitsamt des Landkreises Havelland sind diese Ergebnisse wenig überraschend und decken sich mit den im Gesundheitsamt vorliegenden Daten. „Die Nitrat-Belastung des oberflächennahen Grundwassers ist seit Jahrzehnten ein grundsätzliches Problem, nicht nur im Westhavelland. In unserer Gegend wird die Anreicherung von Stickstoffverbindungen (Nitrat) im Grundwasser auch durch die überwiegend vorherrschenden hydrogeologischen Bedingungen begünstigt“, so Kabus.

Zum einen steht das Grundwasser in der Region teilweise sehr oberflächennah an, zum anderen können Schadstoffe aufgrund des sehr sandigen Bodens und fehlender Deckschichten schnell ins Grundwasser eindringen. Für Gülzow erfordern die gemessenen Nitratkonzentrationen einen deutlichen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft. Das so belastete Grundwasser halte auch nicht die EU-Nitratrichtlinie ein.

EU-Kommission klagt gegen Deutschland

Ziel der Richtlinie ist es, die durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verursachte Gewässerverunreinigung zu reduzieren. Hierfür bedarf es einer Novellierung der Düngeverordnung, der aktuelle Entwurf reiche laut Gülzow aber nicht aus. Das hat auch die EU-Kommission festgestellt und eine Klage vor dem europäischen Gerichtshof eingereicht. Der VSR-Gewässerschutz begrüßt diesen Schritt.

Dem Anliegen, über die Problematik der Grundwasserbelastung aufzuklären und konkreten Handlungsbedarf gegenüber der Politik anzumahnen, stimmt auch André Kabus grundsätzlich zu. Allerdings erscheint ihm die Darstellung des VSR zu einseitig, wenn ausschließlich die Landwirtschaft für die Situation verantwortlich gemacht wird.

Nitratbelastung ist oft ein hausgemachtes Problem

„Gerade in den vom VSR untersuchten Haus- und Gartenbrunnen, die sich innerhalb von langjährig bewirtschafteten und bewohnten Siedlungsgebieten befinden, tritt ein häufig hausgemachtes Problem zutage: Die Ursache von Nitratbelastungen im Grundwasser liegt nämlich auch im unsachgemäßen Umgang mit Abwasser auf dem eigenen Grundstück, in undichten Fäkaliengruben, nicht ordnungsgemäßer Dunglagerung oder Tierhaltung sowie übermäßiger Gartendüngung begründet“, macht Kabus deutlich.

Zudem müsse man zwischen der Wasserqualität aus privaten Haus- und Gartenbrunnen und der aus öffentlicher Wasserversorgung unterscheiden, sonst könne der Eindruck entstehen, das Wasser im Havelland sei schlecht. „Dem muss sehr deutlich widersprochen werden! In keinem der Wasserwerke im Landkreis Havelland gibt es ein Nitratproblem“, erklärt Diplom-Ingenieur für Hygiene, André Kabus.

Der VSR-Gewässerschutz

Der VSR-Gewässerschutz entstand Anfang der 1980-iger Jahre als Zusammenschluss verschiedener Bürgerinitiativen am Rhein und Main.

Davon leitet sich auch der Name „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“, VSR-Gewässerschutz ab.

Heute führt der VSR-Gewässerschutz mit dem Labormobil Messfahrten im Einzugsgebiet der Flüsse wie Rhein, Ems, Maas, Weser, Elbe, Oder und Peene durch.

Bürger, die den Termin am Labormobil Anfang Juli verpasst haben, können ihr Brunnenwasser dem Verein auch mit der Post zuschicken.

Infos dazu gibt es auf der Homepage: www.VSR-Gewässerschutz.de.

 

Von Christin Schmidt

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