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Havelland Zu viele Windräder und zu wenige Laptops
Lokales Havelland Zu viele Windräder und zu wenige Laptops
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10:16 20.03.2017
50 Schüler der neunten Klassen der Ketziner Theodor-Fontane-Oberschule im Dialog mit Landtagsabgeordneten.  Quelle: Wolfgang Balzer
Ketzin/Havel

 Gleich fünf Landtagsabgeordnete der im Brandenburger Landtag vertretenen Parteien des hiesigen Wahlkreises besuchten am Freitag die Ketziner Oberschule „Theodor Fontane“.

Thementische Vielfalt

„Wir haben uns um die Teilnahme am Projekt ,dialogP’ des Landtages erfolgreich beworben“, erklärte Winnie-Karen Giera, Lehrerin und Koordinatorin an der Schule, diese ungewöhnliche Möglichkeit, Spitzenpolitiker an den fünf Thementischen hautnah mit den sie bewegenden Fragen konfrontieren zu können. Und diese bezogen sich auf die Begrenzung von Windkraftanlagen, auf mehr inklusive Schulen, aber auch auf die Erhöhung der Polizeipräsens und der Videoüberwachung, auf die schulische Ausstattung jedes Schülers mit einem eigenen Laptop und auf die Senkung der EEG-Umlage. Alles Themen, die sich die 53 Neuntklässler während der Vorbereitung auf diesen Dialog gemeinsam erarbeitet hatten. Und die Antworten von Udo Folgart (SPD), Barbara Richstein (CDU), Andrea Johlige (Linke), Andreas Galau (AfD) und Ursula Nonnemacher (B 90/Grünen) fielen dann erwartungsgemäß auch recht differenziert aus. Beispiel Windenergie. So fasste Schülermoderator Moritz in der Auswertung zusammen, dass sich in den Dialogen mit den Politikern herausstellte, dass es mehr Argumente für als gegen die Windkraft gegeben habe. Vier der fünf Politiker bekannten sich unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile für die Nutzung der Windkraft. Die Meinungen der Schüler waren nach dem Dialog geteilt, denn auch bei den Befürwortern war so manches „aber“ zu hören. Zum Beispiel von Udo Folgart: „Wir brauchen Windkraft im Energiemix und dafür mehr Akzeptanz, aber auch Veränderungen der Zahlungsströme“, sagte er den Schülern. Die Bürger müssten etwas vom „Kuchen“, den Einspeisegebühren, abbekommen. Hier müsse es Veränderungen geben. Andreas Galau sah die Technologie „ausgesprochen kritisch“. Weil der Wind nicht immer wehe, müsse die alte Technologie weiter vorgehalten werden. Wie sie zur Aufhebung der auch in Ketzin viel diskutierten Höhenbegrenzung für Windenergieanlagen stehe, so die Frage von Chiara an Barbara Richstein. Die Landtagsabgeordnete lehnte das ab, sprach von Wildwuchs und einem Zuviel von Windenergieanlagen in der hiesigen Region. Auch sprach sie sich für den oft geforderten größeren Mindestabstand zur Wohnbebauung aus. Der sollte das Zehnfache der Anlagenhöhe betragen. Gegenwärtig sind lediglich 1 000 Meter einzuhalten.

 

Laptop für jeden Schüler

Auch zum Wunsch nach einem Laptop, der von der Schule jedem Schüler zur Verfügung gestellt werden sollte, fühlten die Schüler die Politiker auf den Zahn. Zusammengefasst das Fazit aus den Diskussionen: Es gibt dafür wenig Hoffnung. Andrea Johlige betonte, wie andere auch, zwar die Wichtigkeit der Digitalisierung für das Berufsleben. Sie bezifferte die Kosten für das Land auf 100 Millionen Euro und setzte andere Prioritäten für die Schulen. Dazu gehörten die bessere Personalausstattung für die Schulen und mehr Mittel für die Landkreise für die Schulsozialarbeit, sagte sie. Andere Landtagsabgeordnete befürchteten eine Vernachlässigung der Rechtschreibung und der Handschrift sowie eine Ablenkung im Unterricht, beispielsweise durch Spiele. So meinte Schüler Henry, dass erst frühestens ab der siebten Klasse Laptops zum schulischen Arbeitsmittel werden sollten und vorher schreiben und lesen beherrscht werden müssten.

Polizei und Sicherheit

Bezüglich erhöhter Polizeipräsens und Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen war die Meinung sowohl der Politiker als auch der Schüler ziemlich einhellig. Nur wenige Schüler sprachen sich dagegen aus. In den Gesprächen hatte Ursula Nonnemacher sich für ausreichend Polizeipräsens ausgesprochen. Hier sei die falsche Politik teilweise korrigiert worden. Und dann das oft gehörte „aber“: Polizei könne nicht in jeder Straße 24 Stunden präsent sein. Und: Durch Videoüberwachung ließen sich keine Anschläge verhindern, sie könnte aber zu einer besseren Aufklärung beitragen. Es sei eine Illusion, mit totaler Videoüberwachung die Kriminalität in den Griff zu bekommen, sagte sie zu den Schülern. Sie befürwortete diese aber durchaus an Hotspots. Alles in allem lobte sie diesen Dialog mit den Schülern und würde ihn gern im Landtag fortsetzen. Hierhin lud sie dann auch die Schüler ein.

Von Wolfgang Balzer

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