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Havelland Zu wenig Schleiereulen im Westhavelland
Lokales Havelland Zu wenig Schleiereulen im Westhavelland
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18:10 23.06.2016
René Riep vom Naturschutzbund (Nabu) bei der Beringung einer jungen Schleiereule. Quelle: Nabu
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Milow

Am Anfang hatte es sehr gut ausgesehen, doch dann ist bei der letzten Runde am Mittwoch die große Ernüchterung eingetreten. Die diesjährige Beringung und gleichzeitige Zählung der neu geschlüpften Schleiereulen im Westhavelland hat ergeben, dass der Bestand dieser Tiere auf einem relativ niedrigen Niveau geblieben ist. Waren im vergangenen Jahr 42 Junge bei neun Bruten gezählt worden, sind es dieses Jahr 43 Junge bei zehn Bruten gewesen. „Die Jungen sind in diesem Jahr alle noch recht klein“, erklärt René Riep vom Regionalverband Westhavelland des Naturschutzbundes (Nabu), „sie liegen gegenüber früheren Jahren in ihrer Entwicklung rund 14 Tage zurück.“

Trugen früher die jungen Schleiereulen Mitte Juni bereits ein Federkleid oder waren sogar schon aus dem Nest heraus, so sieht es in diesem Jahr ganz anders aus. Eine ganze Reihe der Nestlinge war noch so klein, dass es noch gar nicht möglich war, ihnen einen Ring ans Bein zu biegen. Anfang Juli werden deshalb ein paar Nabu-Leute eine zusätzliche Runde drehen, um die Beringung der dann hoffentlich größer gewordenen Zwerge noch nachzuholen. Konnten die Kontrolleure in früheren Jahren pro Eulen-Brutkasten oft zehn bis zwölf Eier zählen, sind es dieses Jahr nur fünf bis sechs gewesen.

Steckbrief: Schleiereule

Die Schleiereule hat ein verhältnismäßig helles Federkleid und ist relativ langbeinig.

Ihr Erkennungsmerkmal ist der herzförmige Gesichtsschleier mit verhältnismäßig kleinen schwarzen Augen.

In Mitteleuropa ist sie ein weit verbreiteter Brutvogel.

Die Größe von Schleiereulen liegt zwischen 33 und 35 Zentimetern. Sie haben eine Flügelspannweite von bis zu 95 Zentimetern.

Ihr Gewicht liegt in Europa bei 300 bis 400 Gramm.

Sie jagt in der Dämmerung und in der Nacht vor allem kleine Säugetiere. In Europa sind es vorrangig verschiedene Arten von Mäusen.

Nun ist ein niedriger Bestand von Schleiereulen grundsätzlich nichts Ungewöhnliches oder Dramatisches. Deren Zahlen können von Jahr zu Jahr stärker schwanken. Was die Naturfachleute diesmal aber ins Grübeln bringt, ist die Tatsache, dass 2016 eigentlich ein gutes Schleiereulenjahr sein müsste. Im Winter gab es wenig Schnee, so dass die Tiere ausreichend Nahrung fanden, und gegenwärtig ist das Futterangebot durchaus groß. Einfach gesagt: Es gibt viele Mäuse, das Hauptnahrungsmittel der Schleiereulen. Und normalerweise steigt (oder fällt) die Eulenzahl mit wenigen Jahren Verzug stets mit dem Mäuseangebot.

Nun schon das 24. Jahr beringen und zählen die Nabu-Vertreter Schleiereulen im Westhavelland, weil ihnen das wichtige Erkenntnisse über die Entwicklungen in der heimischen Tierwelt liefert. Die Ursprünge dieser Aktion reichen zurück zum Anfang der neunziger Jahre. Weil zu jener Zeit die Lebensräume für Schleiereulen enger wurden, nachdem viele Leute ihre Häuser und Stallungen sanierten und modernisierten, rief der Nabu zum Bauen von Brutkästen auf. Insgesamt wurden 70 Stück an verschiedensten Orten im Westavelland ausgebracht. In den Jahren danach kam der Nabu aber nicht umhin, bei den Brutkästen mal nach dem Rechten zu sehen und sie bei Bedarf zu säubern. So entstand die Beringungsaktion.

In der Buschower Kirche gibt es dieses Jahr drei Junge. Quelle: Nabu

Das Beringen liefert den Fachleuten wichtige Informationen über Ortstreue oder Ausbreitung der Schleiereulen. Deshalb weiß man heute, dass die meisten in einem Umkreis von 30 bis 40 Kilometern verbleiben. Eine hier beringte Eule ist aber auch schon 900 Kilometer entfernt in Schweden gesichtet worden.

Das Wachsen der Schleiereulenzahlen ist im Westhavelland eigentlich überfällig. Man bedenke, dass im Jahr 2005 als Nachwende-Höchstwert einmal 289 Junge gezählt worden sind. Durch einen langen und schneereichen Winter brach 2010 dann deren Zahl auf nur noch eine Brut mit fünf Jungen ein. Von diesem Schlag hat sich der Bestand bis heute nicht erholt, obwohl es gegenwärtig reichlich Mäuse gibt. Der Grund? Auf der Hand liegt er nicht. „Man könnte vorsichtig mutmaßen“, tippt René Riep. Es gebe immer weniger landwirtschaftliche Anlagen, in denen Schleiereulen Brutgelegenheiten finden, berichtet er. Seit einigen Jahren seien Eulenkästen in Ställen und Lagerräumen aus hygienischen verboten und es müssten sogar Giftköder für die schädlichen Nager ausgebracht werden. So sei es denkbar, dass derart vergiftete Mäuse als Nahrung für die Gesundheit von Schleiereulen nicht eben förderlich sind.

Von Bernd Geske

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