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Zu wenige Leute: Feuerwehr wird aufgelöst

Pessin Zu wenige Leute: Feuerwehr wird aufgelöst

Seit Jahren klagen die Feuerwehren im Land Brandenburg über fehlenden Nachwuchs. Nun muss sogar eine Feuerwehr aufgelöst werden. Weil es zum Schluss zu wenige Kameraden waren, ist die Feuerwehr Pessin (Havelland) zum Jahresende Geschichte. Es gelang einfach nicht, neue Kameraden zu gewinnen.

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Auch beim schweren Busunglück 2014 auf der B 5 war die Friesacker Amtsfeuerwehr im Einsatz und zeigte, wie wichtig eine gute Ausbildung ist.

Quelle: Nestor Bachmann

Pessin. Die Pessiner Feuerwehr wird zum Jahresende offiziell aufgelöst. Gemeinde und Amt ist es nicht gelungen, Kameraden für die Einheit zu gewinnen. Zum Schluss waren es zu wenige. Am Gerätehaus erinnern schon jetzt nur noch das rote Tor und die Sirene auf dem Dach an den ursprünglichen Zweck des Gebäudes. Und doch wird diese Sirene die Pessiner bald wieder aus dem Schlaf reißen – nämlich immer dann, wenn die Feuerwehren in Selbelang und Retzow alarmiert werden. Ab 1. Dezember wird es soweit sein.

„Wir wollen damit die beiden Pessiner Kameraden, die jetzt ihren Dienst in Selbelang verrichten, mit alarmieren. Aber wir wollen damit auch das Thema Feuerwehr bei den Pessinern nicht in Vergessenheit geraten lassen und ihnen vermitteln: Da stehen jetzt in beiden Orten Feuerwehrleute auf, die ihren Dienst tun, ihre Freizeit opfern und eventuell dabei sogar Pessinern zur Seite stehen“, sagt Amtsdirektor Christian Pust. Er bezeichnet es als schlimm, dass ein Ort mit 676 Einwohnern es nicht schafft, eine Feuerwehr auf die Beine zu stellen. Als positives Beispiel nennt er hingegen Wagenitz, wo knapp zwei Drittel Einwohner weniger leben.

Seit mittlerweile zwei Jahren ist die Pessiner Feuerwehr schon nicht mehr einsatzbereit, wurde aus der Alarmierung durch die Leitstelle herausgenommen. Zum Schluss waren nur noch neun Kameraden dabei, die aber zu wenig Ausbildungsstunden hatten. Es gab mehrere Anläufe, um die Wehr wiederzubeleben. Zu einer Informationsveranstaltung im Juli gingen 180 Einladungen raus an Einwohner im Alter zwischen 17 und 43 Jahren. Doch nur sechs Bürger kamen, davon waren zwei bereits Feuerwehrleute. Angesichts dieses Desinteresses sieht die Amtsverwaltung nun keine andere Lösung mehr, als die Wehr aufzulösen. „Eine Pflichtfeuerwehr aufzubauen, das bringt auch nichts“, ist sich Pust sicher.

„Es ist schade, dass ein so großer Ort keine Feuerwehr mehr hat“, bedauert Amtswehrführer Mario Haufe. „Wir wollen aber versuchen, dass wir innerhalb von fünf Jahren wieder eine schlagkräftige Wehr aufbauen. Aber es wird sehr schwierig.“ Wie wichtig eine Dorfwehr ist, habe man gerade erst wieder im Juli bei einem Feldbrand in Pessin gesehen, so Haufe. „Etliche Hektar standen in Flammen, die sich in Richtung des Hauses mit dem betreuten Wohnen bewegten. Zum Glück hat aber der Wind rechtzeitig gedreht“, sagt Haufe. Zwar war auch den zu Hilfe eilenden Feuerwehrleuten aus anderen Orten bekannt, wo sich in einiger Entfernung eine offizielle Löschwasserentnahmestelle befindet. Keiner der Auswärtigen wusste aber anfangs, dass auf dem Acker ein Teich ist, von dem aber die Einheimischen Kenntnis gehabt hätten. Wertvolle Zeit ging verloren.

Wie Haufe sagt, hatte sich die jetzige Situation schon seit ein paar Jahren angekündigt. Die damaligen Führungskräfte waren nicht bereit, zur Ausbildung nach Eisenhüttenstadt zu fahren. Die übrigen Feuerwehrleute nahmen auch kaum das Angebot an, die Ausbildung in Selbelang, Wagenitz, Friesack oder Retzow zu machen. 40 Stunden pro Jahr muss jeder Feuerwehrmann haben. Haufe schätzt, dass es in Pessin zum Schluss im Durchschnitt nur etwa fünf waren. Wohin das führen kann, erlebte er vor ein paar Jahren als Einsatzleiter bei einem Unfall auf der B 5. Die Selbelanger konnten nur das Rettungsgerät mit Schere und Spreizer hinbringen, die Pessiner wussten aber nicht, wie man damit umgeht, erst einige Minuten später konnten die eintreffenden Kameraden aus Retzow helfen.

Auch Pessins Bürgermeister Christian Meyer ist mit der Situation nicht glücklich. Den Grund dafür sieht er unter anderem darin, dass zuletzt einige Kameraden, die zu den Leistungsträger gehörten, aus verschiedenen Gründen ausgeschieden sind. Zudem würden sich die Leute dadurch, dass es mehrere Vereine im Ort gibt, auch verteilen. So habe die Feuerwehr nicht eine solch wichtige soziale Funktion wie in anderen Dörfern, meint Meyer.

„Wir haben alles versucht, aber es hat nicht funktioniert. Doch mit dem Holzhammer geht es nicht, man muss die Leute überzeugen“, sagt der Bürgermeister und setzt für die Zukunft auf eine verstärkte Nachwuchsarbeit auch in der Kita. Meyer ist optimistisch, dass es irgendwann auch wieder eine Feuerwehr in Pessin geben wird.

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Von Andreas Kaatz

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