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Zum Arbeiten nach Nauen

Neue Heimatausstellung Zum Arbeiten nach Nauen

Nostalgie pur erleben die Besucher der aktuellen Heimatausstellung in der Nauener Galerie am Blauen Haus. Weit über 100 Fotos und Relikte aus vergangenen (Arbeits-)Tagen in Nauener Betrieben zur DDR-Zeit können noch bis zum 28.Oktober bestaunt werden - Erinnern, Austausch und Diskussion über die beste Betriebsfeier inklusive.

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Ute Richter arbeitete 40 Jahre lang bei der Post und kam zur Ausstellungseröffnung in Uniform.

Quelle: Laura Sander

Nauen. Zwischen Konsum-Waage, holzverkleidetem Radio und einer Kaffeemaschine mit Sammlerwert schwelgten die ersten Besucher der Nauener Heimatausstellung in der Galerie am Blauen Haus in Erinnerungen. Auf den weit über 100 ausgestellten Fotos aus Nauener Betrieben der DDR-Zeit erkannte der ein oder andere Nachbarn, Freunde, ehemalige Arbeitskollegen oder gar sich selber wieder. So auch Rita Kalkowski, die 25 Jahre lang in der Nauener Zuckerfabrik am Fließband gestanden hat und sich auf einer der Schwarz-Weiß-Aufnahmen entdeckte. „Ich erinnere mich genau – die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, die Kollegen waren alle sehr nett. Ursprünglich stamme ich aus Ketzin und bin für meinen Mann, den ich damals in der Fabrik kennengelernt habe, nach Nauen gezogen“, so die heute 65-Jährige.

Viele Besucher erkannten Familienmitglieder, Freunde oder ehemalige Arbeitskollegen auf den Fotografien wieder

Viele Besucher erkannten Familienmitglieder, Freunde oder ehemalige Arbeitskollegen auf den Fotografien wieder.

Quelle: Repro MAZ

Stolz auf ihre Tätigkeit bei der Deutschen Post in der Funkstadt war auch Ute Richter, die es sich anlässlich der Ausstellungseröffnung nicht nehmen ließ, noch einmal ihre alte Uniform überzustreifen – natürlich in blau. Die Farbe steht für das ehemalige Funkamt, das zu DDR-Zeiten der Post unterstellt war. „Ich habe in Gransee angefangen und bin über Oranienburg schließlich in Nauen gelandet. Zur Post kam ich eher durch einen Zufall – bereut habe ich es jedoch nie“, so die Nauenerin. „Ich erinnere mich noch an die schönen großen Backsteingebäude, in denen wir saßen“, sagte Richter und identifizierte sogleich einen ehemaligen Auszubildenden auf einer der Fotografien.

Opa, wo hast du früher gearbeitet?

„Jedes Bild ist nachbearbeitet – viele waren zerkratzt oder zerknickt. Anfang des Jahres haben wir gemeinsam mit dem Heimatvereins mit dem Sammeln begonnen und im April den ersten Aufruf gestartet, auf den sich tatsächlich viele Nauener gemeldet haben“, sagte Jana Müller, Vorsitzende des Kulturkreises Nauen. „Außerdem haben alle Mitwirkenden im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis nachgeforscht und so ebenfalls eine Menge Material zusammentragen können.“ Entstanden sei die Idee zu der Ausstellung aus einer unbedarften Kinderfrage heraus. „Opa, wo hast du früher gearbeitet? – diese Frage schwirrte uns eine ganze Zeit lang im Kopf herum. Schließlich entwickelte das Kulturbüro die Idee zu der neuen Heimatausstellung“, so Müller, die selber nicht in Nauen aufgewachsen ist. „Meine Familie lebt jedoch bereits seit Generationen in Nauen. Mein Ururgroßvater gründete das Unternehmen Seifen-Hahn. Für mich als nicht in Nauen Aufgewachsene ist es erstaunlich wie viel Industrie es vor der Wende in Nauen gab“, so Jana Müller. Immerhin 114 Betriebe zählte die Arbeitsgruppe. „Dass nicht jeder vertreten ist, liegt zum einen natürlich am Platzmangel, zum anderen jedoch auch daran, dass wir einfach keine Bilder auftreiben konnten“, so Jana Müller.

Viele Besucher erkannten Familienmitglieder, Freunde oder ehemalige Arbeitskollegen auf den Fotografien wieder

Viele Besucher erkannten Familienmitglieder, Freunde oder ehemalige Arbeitskollegen auf den Fotografien wieder.

Quelle: Repro MAZ

Doch egal, ob Foto oder nicht, an manche Betriebe erinnern sich viele Nauener auch so – ein kleiner Zeitungsausschnitt genügt. „Bei Anni Bern sind wir immer einkaufen gegangen, meine Familie und ich. Da gab es einfach alles – auch mal unter der Ladentheke, was nicht selbstverständlich war“, erinnerte sich Bärbel Schultz und zeigt auf den kleinen Zeitungsschnipsel, der an der großen Litfaßsäule befestigt wurde. „Damals lief vieles über Tauschgeschäfte. Für mich als Lehrerin war es daher gar nicht ganz so einfach“, lacht Schultz, die 1978 nach Nauen zog.„Als die Familie Bern ihren Laden schloss – das war noch vor der Wende, wenn ich mich richtig erinnere – gab es keinen vergleichbaren Laden mehr“, so die Nauenerin weiter.

Noch bis zum 28. Oktober

Die Heimatausstellung wurde vom Kulturbüro, dem Kulturkreis Nauen sowie den Heimatfreunden mitgestaltet.

Weit über 100 Fotos und weitere Erinnerungsstücke aus volkseigenen Betrieben und privaten Unternehmen in Nauen in der DDR-Zeit wurden über Monate hinweg zusammengetragen und können in der Galerie am Blauen Haus, Gartenstraße 31, besichtigt werden.

Zu sehen ist die Ausstellung ab sofort und noch bis zum 28. Oktober immer mittwochs bis freitags von 9 bis 16 Uhr und samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet einen Euro.

Austauschen, erinnern und diskutieren – dazu soll die Ausstellung nun noch bis zum 28. Oktober anregen. Ein voller Erfolg für die Initiatoren, denn freudige Ausrufe des Wiedererkennens oder Geschichten über die beste Betriebsfeier erfüllten die Galerie. Auch Werner Appel, Nauens Nachwendebürgermeister, erinnert sich gerne an seine Zeit als Schlosser in der MTS Spezialwerkstatt. „Wir haben unter anderem Lichtmaschinen und Anlasser gefertigt“, so der 77-Jährige, der wie viele andere damals für die Arbeit nach Nauen zog.

Von Laura Sander

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